Martin Walker: „Germany 2064“

Rezension von Flora

Kurzbeschreibung

Deutschland in 50 Jahren: die Robotertechnologie ist fortgeschritten, sogenannte Automatisierte Partner werden von der Polizei eingesetzt. Ein Teil der Bevölkerung allerdings verweigert sich dem Fortschritt und lebt in den Freien Gebieten, wo sie wieder zu Selbstversorgern werden. Dann bemerkt man Risse in der Idylle: eine Sängerin wird entführt und der Hauptverdächtige ist ein Roboter des Riesenunternehmens Wendt. Der Geschäftsführer gerät in große Schwierigkeiten, als nicht nur einer seiner Roboter unter Verdacht steht, sondern auch noch ihm selbst Spionage vorgeworfen wird und er und seine Erben bedroht werden.

Meinung

Am Anfang jeden Kapitels steht eine Zukunftsprognose, etwa von der WHO oder verschiedenen Wissenschaftlern und Professoren. Sie unterstützen die Thesen, die im Buch aufgestellt werden und sind teilweise sehr überraschend. Insgesamt entwirft Walker eine sehr utopische Zukunft, die nur von einigen Ereignissen, wie etwa einer aufkommenden Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Freien Gebiete, überschattet wird. Es gibt wenige Probleme wie zum Beispiel steigende Kriminalität, die die „Freiländer“ von den Freien Gebieten als von der laschen Einwanderungspolitik Deutschlands erzeugt sehen.

Allerdings sehen die Zustände in Afrika ganz anders aus, wo ständiger Krieg herrscht. Die westliche Welt scheint Abstand davon zu halten, die Kämpfe werden im Buch nur in einigen Nebensätzen erwähnt.

Der Schreibstil ist schnörkellos und gut zu lesen, die Spannung bleibt in der Mitte des Buches aber etwas aus, während sich die Ereignisse gegen Ende überschlagen und die Handlung fast hektisch wird. Die Geschichte wird aus der Perspektive mehrerer Personen und auch des Roboters Roberto geschildert. Die Charaktere sind sehr lebensecht entworfen, manchmal werden es jedoch relativ viele verschiedene Namen, die zu merken sind.

Fazit

walker germany 2064Vor allem der Showdown gegen Ende wirkt etwas zu dramatisch, da war Walker wohl zu sehr von seinen Krimis beeinflusst. Sonst ist der Roman spannend und gut geschrieben.

***SPOILER!***

Das Ende ist allerdings allzu sehr glücklich, alle Probleme haben die bestmögliche Lösung gefunden- der Polizeikommissar hat seine Liebe erobert, die Roboter und Wendt sind unschuldig, die Polizei und die Freiländer haben bewiesen, dass sie sich gegen Kriminalität wehren können, die Freien Gebiete können weiter bestehen… Damit ist die ohnehin schon traumhafte Utopie nun schon beinahe perfekt geworden- und das war etwas zu viel des Guten.

Bewertung

Lesespaß 5/6
Allgemeinbildung 5/6
Schreibstil 6/6
Spannung 3/6
INSGESAMT 5/6

Infos

• Verlag: Diogenes
• ISBN: 978-3-257-06939-6
• Seiten: 425