Mechthild Gläser – „Stadt aus Trug und Schatten“

Rezension von Lisa

Willkommen im Reich der Schatten, in Eisenheim, der Stadt der wandernden Seelen

 Inhalt  

Flora Gerstmann hat alle Hände voll zu tun mit dem Leben, das sie tagsüber führt. Schule, Freunde und eine chaotische Familie sind für ihren Geschmack genügend Herausforderungen für eine 17-Jährige. Dann aber erfährt sie, dass sie noch ein zweites Leben hat: Nacht für Nacht findet sich ihre Seele in Eisenheim wieder, einer Stadt ohne jede Farbe, mit Zeppelinen, Droschken und eleganten Spaziergängern, und stürzt sich dort von einem Abenteuer ins nächste, ohne dass die schlafende Flora das Geringste davon ahnt.  

Jetzt aber werden Flora die Augen geöffnet und sie erwacht in einer Welt, die ihr umso fremder erscheint, je mehr sie darüber erfährt: In Eisenheim scheinen die Gesetze von Raum und Zeit nicht zu gelten, Soldaten auf geflügelten Pferden verbreiten Angst und Schrecken und Flora selbst ist in eine Intrige verstrickt, an die ihr alle Erinnerungen fehlen …

Auf den ersten Blick  

Das Cover von Stadt aus Trug und Schatten beweist erneut, dass man mit schlichten Motiven nichts falsch machen kann. Ich bin normalerweise kein Fan von Pink oder Rosa Tönen, aber die verschnörkelten farbigen Linien sehen in Kombination mit dem weißen Hintergrund definitiv schick aus.

Mäßige Umsetzung einer tollen Idee  

Mit Stadt aus Trug und Schatten legt uns die junge Autorin Mechthild Gläser den ersten Band einer Trilogie und zugleich ihren Debütroman vor. Ein Debüt, welches viele gute Ansätze zeigt, an manchen Stellen aber noch nicht ganz ausgereift ist…

Ganz ohne Frage ist das Setting der größte Pluspunkt des Buches. Nach den ganzen Twilight Verschnitten sehnt man sich als Leser nach etwas Neuem, Unverbrauchten und genau das bietet die  Stadt aus Trug und Schatten: In der Nacht finden sich die Seelen der Träumenden in Eisenheim ein, einer riesigen düsteren Metropole, die in vielen Teilen dem viktorianischen Zeitalter nachempfunden ist und doch gleichzeitig auch mit neuen Ideen überrascht… Der Eiffelturm, der Notre-Dame oder die Pyramiden von Giseh lassen sich dort ebenso finden wie Bergbau-Minen und Fabriken mit hohen Schornsteinen; es gibt Schattenreiter, Zeppeline, einen gläsernen Wald, dunkle Materie und Maskenbälle; in den Straßen tummeln sich arme Bettler und Arbeiter, wohingegen der Schattenfürst in den Hallen des Buckingham Palace residiert.  

Stadt aus Trug und Schatten liegt ein ebenso mysteriöses wie vielversprechendes Konzept zu Grunde, dessen Charme man sich nicht entziehen kann. (wozu sicherlich auch der gelungene Erzählstil beiträgt) Mechthild Gläser schreibt sehr bildhaft und flüssig und  vermag es, die düstere Atmosphäre von Eisenheim perfekt einzufangen: „Unter uns lag die Stadt wie ein riesiges Ungeheuer aus Mörtel, Stein und Stahl. Hausdach reihte sich an Hausdach reihte sich an Schornstein reihte sich an Plätze und Denkmäler, die in der Finsternis glänzten. Am Horizont erkannte ich die Zechen und Fabriken von Schlotbaron. Sie waren hell erleuchtet, fast glaubte ich, den Lärm der Maschinen bis hierher hören und den Qualm, der sich über dem Viertel sammelte wie ein Mahlstrom, riechen zu können.“ S. 312

Leider gab es neben den positiven Aspekten auch einige Schnitzer, die meine Lesefreude geschmälert haben: Angesichts des tollen und beeindruckenden Settings wirkten die Charaktere blass und austauschbar. Mit Flora und Marian bekommt man als Leser wieder einmal recht durchschnittliche Protagonisten präsentiert. (Sie: etwas naiv und unbedarft, ansonsten ohne nennenswerte Eigenschaften. Er: gutaussehend und mysteriös.) Die Nebenfiguren wie zB. die Dame mit der Maske, der Kanzler oder Amadé haben da mehr Potenzial, leider erfährt man im ersten Band aber noch nicht sonderlich viel über sie.

Stadt_aus_Trug_und_SchattenViel ärgerlicher sind allerdings die Logiklücken und diverse Ungereimtheiten, die sich durch das Buch ziehen.  (Wenn man  Stadt aus Trug und Schatten noch nicht gelesen hat, kann man sich unter den folgenden Beispielen vielleicht nichts vorstellen, aber ich hoffe, dass es dennoch halbwegs verständlich ist. 🙂 ) Im Roman wird des Öfteren betont, dass Floras schlafende Seele wagemutig, abenteuerlustig usw. war. Die „richtige“ Flora (also diejenige, die bewusst in der Schattenwelt herumwandert und sich daran erinnern kann) hat eine völlig gegensätzliche Persönlichkeit und ist eher zurückhaltend und vorsichtig.

Wie es zu diesen unterschiedlichen Persönlichkeiten kommen konnte, wird nicht geklärt. Zudem wird am Anfang deutlich klargemacht, dass Marian Floras Seele liebt/geliebt hat und nicht Flora selbst, weshalb er sich letzterer gegenüber zuerst abweisend verhält. Mittendrin in der Geschichte ändert er seine Meinung SCHLAGARTIG und liebt Flora nun doch. -__- Natürlich war es von Anfang an klar, dass die beiden zueinander finden; der Weg dorthin war mir allerdings ein wenig zu „holprig“.   Das sind nur 2 Beispiele von vielen. Manche der Entwicklungen waren m.E. schlichtweg unlogisch und viele der Erklärungen nicht schlüssig oder gar nachvollziehbar. Ich hoffe, dass sich das in den Fortsetzungen ändern wird!

Fazit  

Interessantes Konzept, lebendiger Schreibstil, aufgrund der farblosen Charakteren und den Logiklücken reicht es leider nur für eine durchschnittliche Bewertung. Potenzial hat die junge Autorin auf jeden Fall und wenn man ihr Talent weiterhin fördert, könnte die Schattenwelt-Trilogie noch eine gute und lohnenswerte Reihe werden. 🙂

Lisas Bewertung: 3,3 von 5 Sternen!

(Lisas Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

Infos

Titel: Stadt aus Trug und Schatten
Übersetzung: –
Autor/in: Mechthild Gläser
Reihe: Schattenwelt-Trilogie #1
Genre: Steampunk
Zielgruppe: Jugendliche
Verlag: Loewe
Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 415 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.01.12
Preis: 17,95€
ISBN: 3785574029

Redaktion von Beste Bücher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.