Sam Bowring – „Der Herr der Tränen“

Zusammenfassung, Infos und Rezension.

Rezension von Christian Wolfgang Büge

Inhalt:

Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Teil einer zweiteiligen Fantasy-Reihe. 300 Jahre ist es her, dass die letzten Wächter verschwanden. Sie kämpften gegen Lord Regret, der die Magie der Welt zerriss und in ein Chaos stürzte. Nach seinem Tod gingen seine Fähigkeiten an seine Bezwinger über. Durch die Magie pervertiert bekämpften sich die Wächter gegenseitig und die Menschheit hatte zu leiden. Die Wunde der Magie wurde nie geschlossen.

Jetzt kehren die Wächter zurück. Erneut bilden sie Lager und bekämpfen sich. Einige wollen ihre Kräfte nach Gutdünken einsetzen, andere wollen die Magie endlich heilen. Braston und Yalenna sammeln eine Armee in Althala. Auf Drängen seiner Bardin und Lebenspartnerin stellt sich Rostigan, ein legendärer Kämpfer, auf ihre Seite. Sie wollen sich Forger stellen, der die Macht in Tallaho an sich gerissen hat. Durch den Mord an einem Wächter hat er mehr Kräfte als zuvor und kennt nur ein Ziel: Die Welt mit Leid zu überziehen.

Rezension:

– Aufmachung des Buches –

Das Cover zeigt eine Person, die in dunkle Umhänge gehüllt ist. Sie schaut gen Horizont. Über ihr sieht man einen blutroten Riss im Himmel. Er zeigt die Beschädigung der großen Magie, welche die Welt bisher im Lot gehalten hat. Um sich orientieren zu können gibt es auf einer Doppelseite eine Karte des Kontinents Aorn. Die Welt ist begrenzt: im Norden von einem Gebirge, im Westen durch eine Wüste, im Osten durch Königreiche und im Süden durch ein Meer. Die Charaktere bewegen sich in der Regel nur in den großen Orten, sodass man ihnen leicht folgen kann.

– Form –

herr_der_tränenDie Idee des Buches finde ich ungewöhnlich und neu. Kein Gut gegen Böse, sondern es widmet sich der Zeit danach. Was passiert mit den Helden, wenn der Schurke besiegt ist und die Verderbnis auf diese übergeht? Die Helden müssen sich über ihre eigenen Auswirkungen auf die Welt bewusst werden und erkennen, dass sie selbst zu einem Problem geworden sind. Sind sie bereit sich selbst zu opfern, um die Welt zu retten?

Die zwei Hauptfiguren Tarzi und Rostigan, sind detailliert ausgearbeitet. Schon zu Beginn wird klar, dass beide ein Paar sind und sich dennoch stark unterscheiden. Rostigan ist ein alter Krieger, der fern der Schlachtfelder leben möchte. Tarzi hingegen ist voller Tatendrang und wartet nur darauf, dass etwas passiert, damit sie als Bardin eine Hymne über ihr „Denkmal“ verfassen kann.

„Regret“, der Name des bösen Magiers, bedeutet auf Deutsch Reue, beziehungsweise Bedauern. Der Magier selbst bedauert nichts, aber lädt den Helden, die ihn besiegen, eine Bürde auf, für die sich zum Teil verantwortlich fühlen. Er ist passend gewählt.

Später erwachen sechs der acht Wächter (Braston, Yalenna, die Diebin, Despirrow, Forger und Salarkis) und die eigentliche Haupthandlung beginnt. Leider lernt man sie nicht so kennen wie Tarzi und Rostigan. Sie dominieren die Handlung im weiteren Verlauf und dennoch sind sie weniger fassbar. Äußerlich werden sie beschrieben, aber ihr Wesen, Charakterzüge, Veränderungen durch die Berührung mit verdorbener Magie, all das wird meiner Meinung nach zu wenig abgehandelt.

Der Anfang des Buches war anstrengend zu lesen, denn als Leser erfährt man, was Rostigan nicht weiß – und der Leser auch nicht. „Rostigan hatte es nicht kommen sehen.“ (S.9) „Vielleicht ein weiteres Zeichen für das, was kam – und das er nicht hatte kommen sehen.“ (S.13) „Aber er sah es immer noch nicht kommen.“ (S.20) Man tappt als Leser im Dunkeln, als wolle der Autor sagen: „Bitte weiterlesen, es wird noch spannend“.

„Eine Ameise kam auf ihn zu, und Forger stieß vor Schreck einen Schrei aus. Er ging zu Boden und schnappte nach einem spitzen Stein. Doch die Ameise beachtete ihn nicht und trabte über die Halme davon. Forger sah ihr mit großen Augen nach und hielt sich bereit, sie anzugreifen… dann wälzte er sich auf den Rücken und lachte schallend.“ (S.68f.) Forger ist in dieser Szene so klein wie ein Insekt und die Ameise eine Bedrohung. Das schnelle Umschalten von Schreck zu übertriebener Freude kann ich nicht nachvollziehen. Nicht die einzige Gefühlswallung, die unpassend wirkt.

Die Entflochtenen sind Kreaturen, die Regret erschaffen hat. Es sind gefühllose Wesen, die Aorn bedrohen. Anstatt sie als eine solche Bedrohung darzustellen werden einzelne in ihrem Tun hervorgehoben und bekommen Namen wie „Rotsträhne“ oder „Grinser“. Mit solchen Spitznamen nimmt man diese Wesen auch als Leser nicht mehr ernst. Wofür braucht es „Bösewichte“, wenn diese lächerlich wirken?

„Willst du dich mit der Gärtnerei versuchen, Das?[…]“ (S.109) In Fantasy-Büchern hat der Autor freie Wahl bei den Namen. Und heraus kommt der bestimmte Artikel „das“? Etwas mehr Kreativität hätte es sein dürfen.

Beim Lesen bin ich immer wieder über Begrifflichkeiten wie „Travestie“ oder „ficken“ gestolpert. Meiner Meinung nach sind sie unpassend und verletzten die allgemeine Sprachwahl des Buches.

Einige der Wächter, die Lord Regret besiegt haben, werden selbst zu Bösewichten. Die große Magie hat die ihr entrissenen Fäden nicht zurückgenommen, sondern sie haben sich in das Magiegeflecht der Wächter integriert. Die Magie ist hier Begründung für verbrecherische Gräueltaten, die im Laufe des Buches dargestellt werden. Für mich als Leser weder greif- noch nachvollziehbar – einfach zu dürftig, um das grausame Verhalten einzelner Protagonisten zu rechtfertigen.

– Fazit –

Tolle Idee – mangelhafte Umsetzung

Mich persönlich hat das Buch wenig überzeugt. Die erste Hälfte des Buches wirkt wie eine viel zu lange Einleitung. Die Wächter erwachen und fragen sich – jeder einzeln – warum sie von ihrem Tod wieder auferstanden sind. Einzelne Wächter treffen sich und diskutieren das Thema – ohne Ergebnis. Und so liest man immer wieder wie sie Rätselraten, als drehe man sich im Kreis. Die Einleitung ist auch nicht spannend. Es gibt keinen offensichtlichen Anreiz das Buch weiterzulesen, wenn das erste Kapitel geschafft ist. Die Einführung in das Thema ist misslungen. Im späteren Verlauf nimmt die Handlung an Fahrt auf, kann aber die Mängel nicht ausgleichen. Viele Figuren sind farblos und so bleibt das Buch weit hinter meinen Erwartungen zurück.

Autor

Sam Bowring ist ein australischer Stand-Up Comedian. Er lebt in Sydney. Er hat bereits einige Bücher und Theaterstücke geschrieben sowie Drehbücher fürs Fernsehen.

Infos

Originaltitel: The Legacy of Lord Regret
Reihe: Vorgänger von „Wächter der Lüge“
Genre: Fantasy
Zielgruppe: ab 16 Jahren
Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag
Format: Taschenbuch, 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 18.11.2013
Preis: 9,99€
ISBN: 978-3-442-26943-3

Christians Bewertung: 2 von 5 Sternen!

(Christians Bewertungssystem: (1 = Zeitverschwendung, 2 = Nicht mein Fall, 3 = Okay, 4 = Überdurchschnittlich Gut, 5 = Lieblingsbuch)

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