Sophie Kinsella: „Schau mir in die Augen, Audrey“ (Hörbuch)

Rezension von Mona

kinsella augen„Schau mir in die Augen, Audrey“ ist das erste Jugendbuch der Frauenbuchautorin Sophie Kinsella. Die Hörbuchvariante wurde von der Synchronsprecherin Maria Koschny eingesprochen, die unter anderem auch Jennifer Lawrence ihre deutsche Synchronstimme leiht.

Seit einem nicht explizit benannten Vorfall in der Schule leidet Audrey an einer Sozialphobie und hat eine depressive Episode. Das äußert sich so, dass sie den unmittelbaren Kontakt zu anderen Menschen nur schwer erträgt. Den ganzen Tag trägt sie eine Sonnenbrille, da Augenkontakt sie völlig überfordern würde und sie sich nur in ihrem selbst errichteten geschützten Rahmen bewegen kann. Doch plötzlich tritt der doch recht attraktive Freund ihres Bruders in Audreys Leben und wirbelt alles ein bisschen auf.

Wer Sophie Kinsella kennt, der weiß, dass sie für ihre sehr oberflächliche Shopping-Literatur bekannt ist und ihre Leserschaft erwartet auch keine tiefgründige Literatur, sondern flache, aber dennoch gute Unterhaltung. Mit diesem Werk wagt sie sich erstmalig raus aus dem gewohnten Terrain und hat meiner Meinung nach auch eine solide Jugendliteratur geschaffen, die aufklärt und zugleich Spaß macht.

Das Thema Sozialphobie wird hier in all seinen Ausprägungen herausgearbeitet. Audrey beschreibt sehr eindringlich ihre Symptome wie Atemnot und feuchte Hände und das auf eine wahnsinnig authentische Art und Weise. Zudem erleben wir Gespräche mit ihrer Psychotherapeutin mit und lernen über Audreys Medikation sowie welche Gefahren es birgt, diese ohne Absprache komplett abzusetzen. Der Autorin ist es absolut glaubwürdig gelungen, dem Leser das Krankheitsbild mit allen Facetten näherzubringen.

Auch die Charaktere waren eine Bereicherung. Neben der psychischen Störung werden auch Themen wie vermeintliche Spielsucht behandelt und inwiefern bestehende Klischees dahingehend eigentlich zutreffen. Genau wie in jeder anderen Familie, findet man auch hier den ganz normalen Wahnsinn und es macht wahninnigen Spaß, die Familienmitglieder komplett daneben miteinander agieren zu hören. Audrey dreht zu Therapiezwecken einen Film über ihre Familie und versieht diesen mit dem ironischen Titel „Einblicke in das harmonische Leben meiner liebevollen Familie“.

Ansonsten folgt die Geschichte einem bestimmten Jugendbuch-Muster und enthält dementsprechend auch die obligatorische Liebesgeschichte und das für alle zufriedenstellende Happy-End. Die Rahmenhandlung ist also weder sonderlich gut noch schlecht, im Grunde aber austauschbar. Wer darüber hinwegsehen kann, wird aber vermutlich trotzdem seinen Spaß haben.

Unbedingt erwähnt werden muss aber die Hörbuch-Sprecherin! Maria Koschny war mir vorher schon ein Begriff (unter anderem „Die Tribute von Panem“, „28 Tage lange“) und war zugegebenermaßen der einzige Grund, aus dem ich für das Hörbuch Interesse entwickelte. Wie in ihren anderen Sprechrollen, konnte sie mich auch hier vollauf begeistern, denn mit ihrer einzigartig gefühlvollen und ausdrucksstarken Stimme gelingt es ihr immer wieder, auch aus den banalsten Situationen das größte herauszuholen. Es ist immer ein Hochgenuss ihr zuzuhören und diese Tatsache allein, macht für mich das Hörbuch empfehlenswert.

Fazit

Sophie Kinsella beweist mit diesem soliden Jugenddrama, das sie auch durchaus Bücher mit tiefgründigen Ansätzen und einer kleinen Botschaft schreiben kann. In der Hörbuchvariante sei diese Geschichte wärmstens empfohlen, da Maria Koschny einfach alles aus der Geschichte herausholt!