Levi-Strauss

Claude Lévi-Strauss: Traurige Tropen

Zusammenfassung, Infos und Rezension

Autor: Beste Bücher

Inhalt:

Reisebericht, Biografie, Erzählung, Geschichtsschreibung und anthropologisches Nachschlagewerk: „Traurige Tropen“ ist all das – es dokumentiert Forschungsreisen des Autors nach Brasilien und seine Überlegungen zur sog. strukturalen Anthropologie. Obwohl intellektuell anspruchsvoll ist „Traurige Tropen“ zu Recht ein Bestseller unter den Sachbüchern. Auf Anhieb fallen mir nur wenige Sachbücher ein, durch die ich ebenso viel gelernt hätte (Möglicherweise Goleman’s „Emotionale Intelligenz, doch das ist ein Thema für eine andere Rezension).

Lévi-Strauss beschreibt zunächst etwas langatmig die Anreise nach Brasilien, die Ortschaften und das langsame Eindringen bis ins Landesinnere. Er spricht über die einheimische Bevölkerung, ja, aber auch über die Einwanderer, die ja zahlenmäßig einen gewissen Einfluss ausüben. Ausführlich beschreibt er das äußere der Indianer und ihre Rituale, ihre Tänze, ihre Werkzeuge – kurzum, ihre Kultur. Er kritisiert dann – dem Titel gemäß – den Identitätsverlust der Indianer angesichts äußerer Einflüsse. Auch gelingt ihm der den Bogen zu westlichen Kulturen, die er kritisiert.

Rezension

„Traurige Tropen“ sind vordergründig ein Reisebericht, der jedoch zugleich eine substanzielle und geistreiche Kritik der westlichen Zivilisation darstellt. Bei aller Intellektualität ist die Kernthese simpel und eingängig: Allen Gesellschaften liegen trotz ihrern Unterschiedlichkeit dieselben Strukturmodelle zu Grunde.

Sein Blickwinkel – der Versuch, den „Westen“ aus der Perspektive fremder Kulturen zu begreifen – macht das Buch besonders reizvoll. In den 60ern ein Bestseller, gehört das Werk bis heute zu den wichtigsten Büchern der Literaturgeschichte. Im Aufbau ist das Werk komplex, es müssen die wissenschaftliche These und der Reisebericht immer parallel gelesen werden, auch ist das Buch nicht strikt chronologisch aufgebaut.

Bei all seinen Beschreibungen gelingt es dem Wissenschaftler nicht, wissenschaftlich neutral, rein beobachtend zu beschreiben. Vielmehr mischen sich Ansichten und Werturteile in seinen Bericht, auch seine marxistische Haltung ist spürbar – vielleicht ist das Buch aber nicht trotzdem, sondern gerade deshalb spannend.

Infos

  • Im Suhrkamp-Verlag 412 Seiten.
  • Claude Lévi-Strauss gilt als Begründer des Strukturalismus.
  • Das Buch wurde 1990 unter der Regie Alain Salomons auch verfilmt (Dokumentation, 46 Minuten)
  • Claude Lévi-Strauss wurden mehr als ein Dutzend Ehrendoktorwürden verliehen, unter anderem von Yale und Harvard.

Unsere Bewertung:

Historischer Wert: 5

Spannung: 5

Lesefreundlichkeit: 5

Ratgeber: 4

Mussmangelesenhaben: 5

(1= Kaum zutreffend / 5 = Besonders zutreffend)