Jean-Paul Sartre: Die Wörter

Zusammenfassung, Infos und Rezension

Autor: Beste Bücher

Inhalt:

In „Les Mots“, also „Die Wörter“ beschreibt Jean-Paul Sartre seine ersten 10 Lebensjahre von 1905 bis zu seiner Einschulung in das in Frankreich bekannte Gymnasium Lycée Henri IV etwa 1915. In dieser Zeit wurde Jean-Paul völlig von der Mutter, der Großmutter und insbesondere vom Großvater dominiert. Ein Umgang mit Gleichaltrigen fand nicht statt. Sartre emfpand diese Zeit als einsam und hermetisch: „Bis zum Alter von zehn Jahren blieb ich allein zwischen einem Greis und zwei Frauen.“. 

Der Großvater, ein promovierter Deutschlehrer mit eigenem Sprachinstitut in Paris konzentriert sich ganz auf den kleinen Jean-Paul und macht ihn zum Ersatzkind, himmelt ihn an, fördert und überfördert ihn. Die Rolle des Wunderkinds, dass den Großvater nicht enttäuschen darf, wird zur Bürde seiner Kindheit.

Rezension

In „Die Wörter“ betreibt Sartre im ironischen Stil eine schonungslose Selbstanalyse, die in ihrer Offenheit im Kreise der von der ZEIT gekürten „100 besten Bücher aller Zeiten“ lediglich  noch von den fulminant-abstoßenden Beschreibungen seines Landsmannes Rousseau übertroffen wird.

„Die Wörter“ ist in zwei Teile, ungefähr des selben Umfangs, „Lesen“ und „Schreiben“, gegliedert. Es ist keine vollständige Autobiografie, sondern ein auf die Kinderjahre reduzierter Ausschnitt. Wo Autobiographien immer schon ihren Schwachpunkt haben – der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit der eigenen Erinnerung – die selbstverständlich, wie jedermann aus eigenem Erleben weiß, trügerisch ist, da ist bei „Die Wörter“ ein besonderes Fragezeichen angebracht.

„Les Mots“ erschien 1964, also lange Zeit nach den beschriebenen Jahren. Und wo Erinnerungen nach Jahrzehnten ohnehin verblassen, gilt dies umso mehr für kindliche Erinnerungen, die oft schon einem Zwölfjährigen, d. h. der Kindheit kaum entwachsenen, Schwierigkeiten bereiten. Kurzum – die Authentizität ist im Falle einer so lange zurückliegenden und dann auch noch auf die Kinderjahre bezogenen autobiographischen Analyse zweifelhaft.

Etwas anderes ist es, wenn er sich dabei stark auf Zeitzeugen dieser vergangenen Zeit gestützt hätte. Doch dann hätte er Aufzeichnungen aus entsprechenden Gesprächen mit den beiden Frauen oder dem Großvater haben müssen, da er ja auf andere Menschen kaum traf. In diesem Fall hätte er gewissermaßen wie ein neutraler Biograf in eigener Sache eher eine Biographie, weniger als eine Autobiographie, geschrieben.

Infos

  • Original: Les Mots
  • Jean-Paul Sartre lebte von 1905 bis 1980.
  • Er wurde später zum führenden Vertreter des Existentialismus und zum wichtigsten französischen Philosophen der Neuzeit.
  • Albert Schweitzer war ein Großcousin von Jean-Paul Sartre.
  • In der rororo-Ausgabe 176 Seiten.

Unsere Bewertung

Historischer Wert: 2

Spannung: 4

Lesefreundlichkeit: 4

Ratgeber: 4

Muss-man-gelesen-haben: 2

(1= Kaum zutreffend / 5 = Besonders zutreffend)