Jonathan Swift: Gullivers Reisen

Zusammenfassung, Infos und Rezension

Gulliver reist an absonderliche Orte mit Namen wie „Liliput und „Brobdingnag“ und weilt zunächst als Riese unter Zwergen und danach seinerseits als Zwerg unter Riesen.

Wohl kaum jemand kennt nicht die vielfach verfilmte Romanhandlung des Jonathan Swift. Wer aber die Filme außen vorlässt und sich dem Original zuwendet, erfährt vieles mehr! Er erfährt etwa, dass Guliver danach noch weitere entlegene Orte ansteuert, wo er zum Beispiel auf die Yahoo trifft – keine auf dem absteigenden Ast begriffene Suchmaschine sondern menschliche „Unterwesen“, die ständig in Kontrast zu den sagenhafte Pferdewesen der „Houyhnhnm“ gestellt werden, die den Menschen, zumindest den Britten aus Swift‘ Zeit moralisch angeblich völlig überlegen sind.

Rezension:

Der Leser erfährt allerdings bei der Lektüre des vollständigen Bestsellers auch, dass Gulliver zu allem geeignet war, nur nicht als Vater und Ehemann. Dieses wenig vorbildliche Verhalten wird mitunter kritisch diskutiert. Denn nichts vermag Gulliver in diesem All-Time-Bestseller bereitwilliger, als Heim und Hof den Rücken zuzuwenden und sich seinen Abenteuern hinzugeben. Als er von seinen ach so „übermenschlichen“ Houyhnhnm zurückkehrt, kann er sich lange Zeit kaum mit der angeblichen Verkommenheit seiner Familienangehörigen abfinden.

Der satirische Charakter des Werkes ist offenkundig. Boshaftigkeiten machen auch vor der eigenen Familie nicht halt, ganz zu schweigen vom Juristenstand, der gar nicht gut wegkommt. Es ist anzunehmen, dass man so manchen Seitenhieb schon gar nicht mehr als solchen erkennt, weil man mit der damaligen Politik Englands in der Regel nicht vertraut sein dürfte.

Heute ist „Gullivers Reisen“ vor allem als simples Kinderbuch zu haben, in der alle Kritik ausradiert wurde und lediglich ein paar nette Storys über Helden und Zwerge überlebten. Zählt man all die unterschiedlichen Ausgaben zusammen, kommt man vermutlich auf einen der meistgelesenen Bestseller aller Zeiten. 

Swifts Schrift ist fantasievoll, aber auch voller jäh misanthropischer Satire und Gehässigkeit. Letzteres tut der Lesefreundlichkeit zwar einigen Abbruch, schmälert aber wohl kaum den literarischen Wert im Ganzen. Gullivers Reisen gehört unbedingt zu den Büchern, die man gelesen haben sollte!

Erste Sätze: „Mein Vater besaß ein kleines Gut in Nottinghamshire; ich war der dritte seiner fünf Söhne. Mit dem vierzehnten Jahre wurde ich auf die Universität Cambridge geschickt, wo ich drei Jahre blieb und fleißig studierte.“

Infos

  • Gullivers Reisen wurde nach unserer Zählung mindestens achtmal verfilmt.
  • Der Ire Jonathan Swift war auch ein anglikanischer Prister
  • Swift galt als reizbar, unnahbar und exzentrisch. Unter dem Pseudonym „Dr. Shit“ veröffentlichte er eine Abhandlung über den menschlichen Stuhlgang (der bis heute kein Bestseller ist).

Unsere Bewertung

Historischer Wert: 3

Spannung: 5

Lesefreundlichkeit: 5

Ratgeber: 1

Muss-man-gelesen-haben: 5

(1= Kaum zutreffend / 5 = Besonders zutreffend)