Bernhard Moestl: Der Weg des Tigers.

Rezension von Annemarie

Wer bin ich? Diese Frage stellen sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Und häufig verdrängt man die Frage wieder, in der Meinung, es bringe sowieso nichts, sich lange darüber Gedanken zu machen. Und das ist grundlegend falsch, meint Bernhard Moestl. Denn wer sich, seine Eigenschaften und Verhaltensweisen, seine Vorzüge wie auch seine Schwächen kennt, ist innerlich stärker, selbst-sicherer, selbstbewusster.

Und genau darüber, wie man sich selbst besser kennen lernt, schreibt Moestl in diesem Buch. Der Tiger als Symbol der innerlichen und äußerlich sichtbaren Stärke, der Fähigkeit sich durchzusetzen und das zu erreichen, was er will, wird dabei häufig symbolisch genutzt, um das, was Moestl dem Leser beibringen will, besser zu erklären. Oft nutzt der Autor dabei auch kurze Geschichten, die Weise aus aller Welt ihren Schülern erzählt haben, um dem Leser etwas nahezubringen.

Moestl schreibt dabei nicht nur theoretisch, er leitet den Leser auch von Aufgaben, die er im Text stellt, an, das eigene Verhalten besser zu erkennen und hinterfragen zu können. So geht es nicht nur darum, sich besser kennen zu lernen, sondern auch, das eigene Verhalten zu überdenken und sich neue Verhaltensweisen anzueignen.

Gehalten ist das Buch ganz in Schwarz und Orange. Die wichtigsten Sätze – meist mindestens einer pro Seite – sind in Orange und kursiv verfasst, während der restliche Text in schwarzer Farbe ist. Jedes der zehn Kapitel – einschließlich Einleitung und Epilog – wird durch ein Zitat, welches einzeln auf einer Seite steht und – logisch – kursiv und in Orange ist, sowie einen darunter kauernden Tiger eingeleitet. Am Ende jedes Kapitels ist eine Seite mit Übungen. Diese Fragen können direkt im Buch beantwortet werden. Sie dienen dazu, dass man sich selbst besser erkennt.

Rezension

Interessant ist das Buch in jedem Falle. Es ist als eine Art kleiner Workshop konzipiert. Während man den Text liest und die Aufgaben durchführt, fällt einem oft selbst auf, was man unbewusst für Denk- und Verhaltensfehler begeht. Diese Selbsterkenntnis ist in meinen Augen wertvoll. Ein bisschen weht in diesem Buch schon ein fernöstlicher Wind. Moestl wurde von den Shaolin-Mönchen beeinflusst, und das merkt man auch. Wer also mit fernöstlichen Weisheiten und den Shaolin-Mönchen so gar nichts anfangen kann, sollte auch auf Moestls Werke verzichten.

So ganz überzeugt hat mich das Buch jedoch nicht. Es stört mich vor allem, dass Moestl offensichtlich der Meinung ist, man müsse ohne Rücksicht auf Verluste sein eigenes Ego in den Mittelpunkt stellen. Diese Denkweise mag bei einem Buch, bei dem es nur um einen selbst geht, in Ordnung sein, sie scheint jedoch Moestl insgesamt zu prägen. Da ich diese Sicht nicht teile, hat mich auch sein Buch nicht völlig überzeugt.

Fazit

Wer sich selbst besser kennenlernen möchte, vielleicht zu wenig selbstbewusst ist und es anderen zu oft recht macht, wird in diesem Buch einen hilfreichen Begleiter und vielleicht sogar den Schlüssel zur inneren Stärke finden – immer vorausgesetzt, man hat nichts gegen fernöstliche Lehren.