Jan Fennell: Mit Hunden sprechen.

Rezension von Annemarie

Wie schafft man es, mit seinem Vierbeiner ein harmonisches Zusammenleben hinzubekommen? Jan Fennell meint: Die richtige Kommunikation ist das Entscheidende. Man muss sich auf den Hund einstellen und als Alphatier die Fäden in die Hand nehmen – nicht mit Gewalt, sondern mit Ruhe und Konsequenz. So gilt sie nicht umsonst – analog zum weltbekannten Pferdeflüsterer Monty Roberts, der übrigens das Vorwort dieses Buches verfasst hat – als Hundeflüsterin.

Für alle Hundehalter, die gerne harmonisch oder noch harmonischer und friedlicher mit ihrem Vierbeiner zusammenleben wollen, hat Fennell nun dieses Buch verfasst. Dabei geht sie auf ihren eigenen Lern- und Werdegang ein und beschreibt umfangreich ihre Kommunikation und ihre Erfahrung mit ihren Hunden. Zusätzlich hat Fennell den Stammvater des Hundes, den Wolf, im Rudel öfters beobachtet und sich dessen Sozialverhalten genauer angeschaut.

Dieses hat sie sich abgeschaut und die Verhaltensweisen der Alphatiere für ihr Leben mit ihrem eigenen kleinen Rudel übernommen. So hat sie verblüffende Ergebnisse selbst bei als sehr problematisch geltenden Hunden erzielt. Schwerpunktmäßig erzählt Fennell in ihrem Werk daher auch über ihre eigenen Erfahrungen als Tiertherapeutin.

Das Buch ist in vierundzwanzig Kapitel unterteilt, die nach den ersten Kapiteln nicht aufeinander aufbauen. Nach den Einführungskapiteln behandelt jedes Kapitel ein typisches Problem im Umgang mit Hunden, etwa Hunde mit Trennungsangst, bissige Hunde oder in Haus urinierende Hunde.

Rezension

Wer denkt, dass dieses Buch eine absolute Neuheit ist, irrt. Das Original wurde schon im Jahr 2000 herausgegeben und die Ausgabe von 2016 ist lediglich eine Neuausgabe. Doch auf dem Cover steht schon: Es ist ein Klassiker. Und das, wie ich finde, mit Recht. Fennell bringt im Buch die Ideen und Erkenntnisse aus 25 Jahren Arbeit mit Hunden zusammen. So ist dieses Werk quasi die Essenz aus 25 Jahren äußerst erfolgreicher Arbeit mit problematischen Hunden.

Es ist anders als die typischen Hundebücher. Denn es ist im Volltext geschrieben – Bilder oder Abbildungen fehlen. Dennoch ist es leicht, sich im Buch zurechtzufinden, da die meisten Kapitel unabhängig voneinander sind, die Kapitel je ein bestimmtes Problem umfassen und man so recht schnell zur gewünschten Stelle findet.

Sehr schön fand ich die sensible und einfühlsame Schreibweise der Autorin. Sie ist durchaus selbstkritisch und verschweigt ihre eigenen Fehler im Umgang mit ihren Hunden nicht. Für sie ist der Respekt gegenüber dem Hund das uneingeschränkt wichtigste Element in der Beziehung zum Vierbeiner. So begegnet sie den Tieren gegenüber immer mit Respekt und ohne Gewalt. Das machte sie umso sympathischer auf mich.

Der Ansatz, nicht nur bestimmte Verhaltensweisen zu sehen und zu interpretieren, sondern sie im Kontext zu sehen und sein eigenes Verhalten langsam aber vollständig zu überarbeiten, anstatt nur einzelne Verhaltensweisen zu modifizieren, unterscheidet es von anderen Hundebüchern – ebenso der Fokus auf einer langsameren „Umerziehung“ des Tieres. Während viele andere Hundebücher einen beinahe sofortigen Effekt bei der Hundeerziehung versprechen, geht Fennell alles langsamer, aber dafür umso sanfter und effektiver an. Und dennoch lernen die Hunde gerade durch ihre Gelassenheit und Geduld erstaunlich schnell. Daher ist dieses Buch eines der besten Hundebücher, die ich je gelesen habe.

Fazit

Für alle Hundebesitzer, die ihr Tier wirklich verstehen wollen und auf sanfte Weise zu einem harmonischeren Miteinander gelangen wollen, ist diese Lektüre absolut lesenswert.