Julia Onken: Im Garten der neuen Freiheiten

Rezension von Annemarie

Altern ist für viele Frauen nicht leicht. Man guckt in den Spiegel, sieht die ersten Fältchen, vielleicht auch tiefere Falten und fühlt sich ausgebrannt, hässlich, traurig. Dieses Phänomen tritt vor allem bei Frauen auf. Doch haben Frauen keinen Grund, selbstbewusst, stark und in Schönheit zu altern? Die Psychologin und erfahrene Autorin Julia Onken meint: Die Sicht der Frauen ist völlig falsch. Altern bedeutet bei Frauen nicht, hässlicher, schlechter, zu werden, Altern bedeutet schlicht: Veränderung.

Doch warum ist das so? Dass so viele Frauen Probleme mit dem Altern haben, hängt, so Onken, mit der weiblichen Selbstwahrnehmung zusammen. So schreibt sie im ersten Kapitel „Die Entstehung der weiblichen Identität“, welche Faktoren in der Kindheit und Jugend der Frau darauf einwirkten, dass sich ein e Frau so wahrnimmt, wie sie sich eben wahrnimmt. Im zweiten Kapitel berichtet Onken, wie sehr die Frau in der heutigen Welt über ihr Aussehen definiert wird. Der Verlust ihres jugendlichen Aussehens ist daher für eine Frau besonders schlimm.

Im dritten Kapitel geht die Autorin näher auf das Seelenleben der älter werdenden Frau ein. Sie macht deutlich, dass man, um aus dem Teufelskreis des Haderns mit dem Älter-Werden, sich selbst besser kennenlernen. „Wer bin ich?“ ist die entscheidende Frage, mit der man lernt, das eigene Ich neu zu definieren und zu einem glücklicheren, selbstbestimmteren Leben zu kommen. Das vierte und letzte Kapitel schließlich handelt vom Aufbruch ins neue Leben. Julia Onken ermuntert die Leserin, neue Schritte zu wagen, und gibt Ratschläge und Tipps dafür. So ist das Ziel dieses Buches, dass man voller Zuversicht und mit Mut und Kraft ins Leben herausgeht und Veränderungen hin zu einem neuen, besseren Leben im Alter vornimmt.

Diverse Fallbeispiele von älteren Frauen – vermutlich Patientinnen von Julia Onken – runden das Ganze ab und geben der Leserin das Gefühl, mit ihrer Situation nicht alleine dazustehen.

Rezension

Der Adressat dieses Buches ist eindeutig: Onken hat es für ältere Frauen ab einem Alter von etwa 50 Jahren geschrieben. Sie schreibt sehr ruhig und einfühlsam. Das gefiel mir sehr gut. Gut gefiel mir auch, dass Onken versucht, der Leserin ein Gefühl für ihren eigenen, unschätzbaren Wert zu geben und ihr Selbstbewusstsein aufzubauen. So ist das Buch schon etwas feministisch – aber keineswegs radikal, nur so leicht, dass es noch angenehm zu lesen ist.

Zu der Praxistauglichkeit der Ratschläge kann ich leider keinen Kommentar geben, da ich noch längst nicht 50 Jahre alt bin und daher im Grunde genommen nicht zur Zielgruppe gehöre. Ich habe das Buch nur gelesen, weil ich sehr neugierig auf die Selbstwahrnehmung und die Probleme von Frauen in der zweiten Lebenshälfte war.

Die Ratschläge wirken jedoch alle sehr logisch und plausibel, ebenso wie der meiner Ansicht nach gut strukturierte Aufbau des Buches. Onkens Werk ist flüssig, angenehm und leicht zu lesen, sodass man es gut in einer ruhigen Stunde zur Hand nehmen kann.

So bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Onkens Werk für Frauen in der zweiten Lebenshälfte, die mit ihrem Alter und vielleicht auch ihrem Leben hadern, eine sehr sinn- und wertvolle Hilfe sein kann, die Mut und Zuversicht gibt und eine gute Grundlage für ein erfülltes Leben im Alter schafft.

Fazit

Für Frauen in der zweiten Lebenshälfte, die mit dem Altern Probleme haben oder mit ihrem gegenwärtigen Leben unglücklich sind, ein guter und sinnvoller Ratgeber, der Mut zur Veränderung gibt.