Rezension von Annemarie

Obst und Gemüse sind gesund, ebenso wie Ballaststoffe. Übergewicht ist schlimm. Und jeden Tag soll man bitteschön mindestens zwei Liter Wasser trinken.

Seit klein auf werden wir von unseren Eltern – und der Gesellschaft – so erzogen, dass es gesunde und ungesunde Lebensmittel gibt. So werden uns strenge Reglements beim Essen auferlegt – alles unter der Prämisse, man wird krank oder stirbt sogar früher, wenn man die Regeln nicht alle einhält. Doch ist das wirklich wahr? Der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop sagt: Nein! Anhand wissenschaftlicher Studien und umfangreicher Erläuterungen zeigt er, dass selbst die grundlegendsten Ernährungs“fakten“ nichts weiter als Mythen sind.

Ernährungsgrundsätze wie „Wer übergewichtig ist, stirbt früher“, „man muss täglich 2 Liter Wasser trinken“, „5 Stücke Obst oder Gemüse am Tag müssen sein“ werden knallhart angegangen und widerlegt. Knops Hypothese ist, dass es nicht einen einzigen richtigen Ernährungsplan für die ganze Menschheit gibt, sondern, dass jeder Mensch seine individuellen Essbedürfnisse hat – und der eigene Körper kennt diese besser als jeder Ernährungsapostel.

Doch wie kam es zu dermaßen heftigen Irrtümern? Auch darauf geht Knop näher ein. Er zeigt, wie Statistiken lügen und was man bei der Datenaufnahme alles machen kann, um ein Ergebnis zu verfälschen. So ist Knops Buch ein Plädoyer dafür, das Essen endlich als das zu begreifen, was es wirklich ist: Eine sinnliche, wunderbare Glücksquelle.

Rezension

Endlich einmal ein Buch, das nicht den anderen gleicht, die eng vorschreiben, was man zu essen hat. Endlich eines, das den, der unbekümmert und fröhlich vor sich hinmampft, nicht verurteilt! Weg mit den Kalorientabellen, weg mit dem ganzen Gewese um Vitamine, Diäten, gesundes Essen und die verteufelten Süßigkeiten. Dieses Buch ist eine Sensation. Denn Knop sagt, dass das ganze Gerede um gesundes Essen, dass wir alle schon irgendwie verinnerlicht haben, größtenteils völliger Blödsinn ist – ja, dass vermeintlich gesund essen sogar gesundheitsschädlich sein kann – etwa beim Veganismus oder beim übermäßigen Obst- und Gemüsekonsum.

Und Knop behauptet all das nicht nur einfach so, er begründet das Gesagte auch überzeugend mit Ergebnissen aus wissenschaftlichen Studien. Dabei scheint er als Ernährungswissenschaftler genau zu wissen, worüber er spricht. Und ich muss sagen, seine Argumentation hat mich komplett überzeugt. Knops Schreibstil ist teilweise etwas provokativ – aber genau dieser Schreibstil macht das Buch auch inhaltlich gut und interessant lesbar.

So ist „Ernährungswahn“ eines der besten und nützlichsten Bücher über Ernährung, die ich je gelesen habe. Und das will schon was heißen. Schön hätte ich es dennoch gefunden, wenn Knop die Studien, die er zur Untermauerung seiner Thesen nennt, mit Fußnote ausführlicher erläutern oder in den Anhang legen würde, damit man die Studien noch einmal nachlesen kann.

Fazit

Ein absolut lesenswertes Buch! Besonders für die geeignet, die einfach wieder aus Genuss essen und sich nicht mehr essensmäßig einschränken wollen. Wer hingegen überzeugter Veganer ist oder die Beschäftigung mit gesundem Essen als seine Ersatzreligion ausgewählt hat, sollte dieses Buch tunlichst nicht lesen. Ein Glaubensverlust würde drohen.