
Marie Niehoff eröffnet mit Lucifer Ascending. One Sinful Secret einen Roman, der sich zwischen Fantasy, Romantik und dunkler Verführung bewegt. Im Mittelpunkt steht eine Welt, in der Macht, Schuld und Begehren eng miteinander verknüpft sind, während die Figuren ständig zwischen Pflicht und Verlangen schwanken.
Der Roman beginnt mit einer Ausgangslage, die sofort Konflikte ankündigt: Eine junge Figur gerät in ein System, in dem Regeln nicht nur Ordnung schaffen, sondern auch Kontrolle und Unterwerfung bedeuten. Lucifer erscheint dabei nicht als bloßes Sinnbild des Bösen, sondern als eine Präsenz, die Nähe und Gefahr zugleich ausstrahlt. Genau dieses Spannungsverhältnis trägt die Geschichte zunächst sehr zuverlässig und verleiht ihr eine düstere, beinahe elektrisierte Atmosphäre.
Tragend ist hier weniger ein besonders komplexes Weltengebäude als die Chemie zwischen den Figuren und das langsame Offenlegen ihrer Gegensätze. Niehoff setzt auf Emotion, innere Reibung und eine klare romantische Spannung, ohne das Dunkle zu entschärfen. Dadurch entsteht ein Ton, der verführerisch wirkt, aber nicht harmlos ist: Hier wird nicht nur geschwärmt, sondern auch misstrauisch beobachtet, abgewogen und gezögert.
Im weiteren Verlauf zeigt sich besonders deutlich, dass der Roman seine Wirkung aus dem Wechselspiel von Tempo und Zurückhaltung zieht. Vieles wird angedeutet, nicht sofort erklärt, und genau das hält die Aufmerksamkeit auf dem Text. Die Handlung lebt davon, dass Geheimnisse schwerer wiegen als Fakten. Das ist atmosphärisch geschickt, kann aber auch dazu führen, dass man eher auf die nächste Enthüllung wartet als auf eine wirklich überraschende Wendung.
Stark ist vor allem, wie konsequent der Roman auf Stimmung arbeitet. Dunkle Eleganz, hohe emotionale Einsätze und ein spürbarer Hang zum Dramatischen geben der Geschichte Profil. Wer prägnante Figurenkonstellationen und eine sinnliche, leicht gefährliche Erzählhaltung mag, findet hier viel Wiedererkennbares. Gleichzeitig bleibt der Roman nah an bekannten Mustern des Genres und verlässt sich stellenweise eher auf Intensität als auf Originalität.
Schwächer fällt auf, dass die Geschichte manchmal mehr verspricht, als sie im Moment einlöst. Einzelne Passagen wirken bewusst gedehnt, damit die Spannung zwischen den Figuren länger anhält, doch nicht jede Szene gewinnt dadurch zusätzliche Tiefe. Das ist kein Bruch, aber ein typisches Risiko solcher Romane: Wenn Atmosphäre zur Hauptantriebsmaschine wird, müssen Figuren und Konflikt besonders präzise ausbalanciert sein, damit das Ganze nicht nur schön dunkel, sondern auch dauerhaft tragfähig bleibt.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens entwickelt der Roman rasch eine eigenständige, düstere Atmosphäre, die Verführung und Bedrohung gut miteinander verbindet. Zweitens leben die Szenen von einer spürbaren Spannung zwischen den Figuren, die den Text auch dann trägt, wenn die Handlung eher andeutet als erklärt. Drittens passt die Mischung aus Romantasy und Dark-Edge-Elementen gut zu Leserinnen und Lesern, die emotionale Intensität schätzen. Ein Grund dagegen: Wer erzählerische Überraschung und straffe Plotökonomie über alles stellt, könnte die bewusste Dehnung mancher Passagen als zu kalkuliert empfinden.
Buchdaten
- Autor: Marie Niehoff
- Verlag: Rowohlt
- Preis: 24,00 €
- ISBN: 9783499017070
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Rezension von Noel

