
Elle Kennedy setzt in diesem Roman auf die Mischung, die New-Adult-Geschichten so anziehend macht: Campus-Atmosphäre, knisternde Spannung und Figuren, die nach außen souverän wirken, innerlich aber deutlich unsicherer sind. Im Zentrum steht eine Beziehung, die aus einem unbedachten Moment entsteht und sich dann mit allem auseinandersetzt, was junge Erwachsenheit kompliziert machen kann: Eitelkeit, Missverständnisse und echte Gefühle.
Im Mittelpunkt steht Logan, ein charismatischer Eishockeyspieler, der auf dem Campus längst als jemand gilt, dem vieles leichtfällt und der selten lange an etwas festhält. Ihm gegenüber steht Grace, die zunächst wie eine stille, kluge und nicht ganz unverwundbare Gegenfigur wirkt. Aus dieser Konstellation entwickelt sich kein großes Melodram, sondern eine Geschichte über zwei Menschen, die sich voneinander angezogen fühlen, obwohl sie genau wissen, dass das nicht einfach werden wird. Der Roman bleibt dabei in einer lebendigen, universitär geprägten Gegenwart verankert.
Die Ausgangslage ist angenehm klar: Zwei Figuren, die sich auf einem unsicheren Fundament begegnen, müssen mit Erwartungen, Selbstbildern und dem Druck ihres Umfelds umgehen. Gerade darin liegt ein großer Teil des Reizes, denn der Roman erzählt nicht nur von Verliebtheit, sondern auch von dem Problem, wenn Anziehung schneller da ist als Reife. Die Atmosphäre ist locker, oft sehr heiter, aber nie völlig oberflächlich; unter dem glänzenden Ton liegt immer auch ein Hauch von Verletzlichkeit.
Stärker als die Handlung wirkt dabei die Figurenzeichnung. Logan ist kein glatter Traumtyp, auch wenn er anfangs genau so gelesen werden könnte. Erst durch seine Unsicherheiten, seinen Charme und die Notwendigkeit, sich nicht nur als Sportler, sondern als Mensch zu zeigen, gewinnt er Profil. Grace wiederum ist mehr als die vernünftige Frau an seiner Seite: Sie hat Haltung, eigene Grenzen und genug innere Spannung, um nicht bloß auf die Reaktionen des Helden zu warten. Genau dieses Spannungsverhältnis zwischen Fassade und Gefühl trägt den Roman.
Sprachlich liest sich das Ganze sehr flott, beinahe mühelos. Elle Kennedy setzt auf Dialoge mit Witz und auf Szenen, die Tempo machen, ohne die emotionale Entwicklung aus dem Blick zu verlieren. Das funktioniert gut, solange man keine literarische Komplexität oder große formale Experimente erwartet. Wer präzise, pointierte Campusromantik sucht, bekommt hier eine verlässliche Dramaturgie, die auf Reibung, Charme und zügige Eskalation setzt. Manche Nebenfiguren bleiben dabei eher funktional, doch das stört den Fluss kaum.
Als Gesamtpaket ist der Roman vor allem deshalb gelungen, weil er Leichtigkeit und Gefühl ordentlich austariert. Er ist nicht besonders tiefschürfend, aber auch nicht bloß seichte Unterhaltung; vielmehr lebt er von der Energie zweier Figuren, die sich gegenseitig herausfordern und dabei mehr über sich erfahren, als ihnen lieb ist. Das Ergebnis ist eine sommerlich-leichte, zugleich emotional aufgeladene Campusgeschichte mit klarer Sprache, spürbarer Chemie und genug Charme, um über kleinere dramaturgische Vertrautheiten hinwegzutragen.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens überzeugt der Roman durch die lebendige Chemie zwischen den Hauptfiguren; ihre Gespräche und Reibungen tragen die Handlung mit spürbarer Leichtigkeit. Zweitens gelingt Elle Kennedy die Campus-Atmosphäre sehr gut: Sport, Freundeskreis und Alltagsstress ergeben einen glaubwürdigen Rahmen für die Liebesgeschichte. Drittens hat die Geschichte Herz, ohne zu gefühlig zu werden, und verbindet Humor mit einem ernsteren Blick auf Unsicherheit und Selbstbild. Ein Grund dagegen ist zugleich ihre größte Schwäche: Wer große Überraschungen oder besondere Tiefe erwartet, wird feststellen, dass die vertraute Struktur des Genres hier deutlich im Vordergrund steht.
Buchdaten
- Autor: Elle Kennedy
- Verlag: Piper
- Preis: 22,00 €
- ISBN: 9783492075329
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Rezension von Noel

