
Sarah Sprinz kehrt mit „Dunbridge Academy. Whoever“ an einen vertraut wirkenden Schauplatz zurück und erzählt von Nähe, Verletzung und der schwierigen Frage, ob man einem Menschen nach einem Bruch noch einmal vertrauen kann. Der Roman lebt vor allem von Gefühlen, Atmosphäre und der Spannung, ob aus Distanz wieder ein gemeinsames Wir entstehen kann.
Im Zentrum stehen Cleo und Alexander, deren gemeinsame Vergangenheit an der Dunbridge Academy nie wirklich abgeschlossen wurde. Nach einer schmerzhaften Trennung taucht Alexander erneut auf, und mit ihm kommen Erinnerungen, offene Fragen und vieles zurück, was lange unausgesprochen geblieben ist. Die Handlung bewegt sich zwischen Gegenwart und Rückblicken, verbindet das Internats- und Akademie-Setting mit der Welt des Reitstalls und rückt vor allem die Belastungen einer Beziehung in den Fokus, die von alten Verletzungen weiter geprägt ist.
Der Roman setzt klar auf emotionale Intensität. Sprinz erzählt sehr nah an den Figuren und mit einem guten Blick für innere Konflikte, Unsicherheit, Stolz und das mühsame Ringen darum, sich selbst und den anderen nicht zu verlieren. Gerade diese Nähe trägt viel zur Wirkung bei, weil die Gefühlslagen nicht glatt oder beliebig wirken. Gleichzeitig ist die Geschichte deutlich auf Stimmung und Bindung ausgerichtet; wer große äußere Wendungen erwartet, wird hier eher von der psychologischen und romantischen Ebene getragen.
Besonders prägend ist das Umfeld der Dunbridge Academy mit seinem Schwerpunkt auf Pferdesport. Dadurch entsteht ein eigener Ton, weil der Reitstall nicht nur Kulisse bleibt, sondern die Beziehungen und Spannungen der Figuren mit beeinflusst. Hinzu kommen die gemeinsame Vergangenheit, unterschwellige Machtverschiebungen und Momente, in denen Anziehung und Abwehr direkt aufeinanderprallen. So ergibt sich ein geschlossener, stellenweise auch dramatisch aufgeladener Erzählraum, der genau auf diese Art von Liebesgeschichte zugeschnitten ist.
Stilistisch bleibt der Roman zugänglich und flüssig, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Sprinz versteht es, Gefühle so einzusetzen, dass sie nicht nur als romantisches Ziel erscheinen, sondern aus Konflikten und Verletzlichkeit heraus entstehen. Vereinzelt arbeitet der Text mit vertrauten Mustern der Second-Chance-Romance, weshalb einzelne Entwicklungen absehbar wirken können. Dennoch hält die konsequente emotionale Perspektive den Roman zusammen und macht ihn besonders für Leserinnen und Leser interessant, die Liebesgeschichten mit spürbarer Vorgeschichte mögen.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens überzeugt die intensive emotionale Ausgangslage, weil Cleo und Alexander nicht als frisch verliebtes Paar, sondern als Figuren mit einer langen Vorgeschichte erzählt werden. Zweitens gibt das Dunbridge-Academy- und Reitstall-Setting dem Roman eine eigene Atmosphäre, die ihn angenehm von vielen üblichen Romance-Geschichten abhebt. Drittens lebt die Geschichte von der Nähe zu den Figuren und ihren inneren Spannungen. Ein Grund dagegen: Wer starke Überraschungen und große erzählerische Umwege sucht, könnte die klare Ausrichtung auf Gefühle und Wiederannäherung als zu vertraut empfinden.
Buchdaten
- Autor: Sarah Sprinz
- Verlag: Lyx
- Preis: 16,90 €
- ISBN: 9783736326132
Unsere Übersicht der Bestseller-Bücher versammelt weitere aktuelle Titel.
Rezension von Flora

