Nathaniel Hawthorne
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Nathaniel Hawthorne bleibt einer der faszinierendsten Erzähler Amerikas: Seine dunklen Geschichten, geprägt von puritanischer Vergangenheit, Moral und Symbolik, spiegeln einen Schriftsteller, der immer zwischen Ruhm und Rückzug pendelte. Hawthornes berühmte Werke wie "Der scharlachrote Buchstabe" zeigen einen Autor, der die Untiefen menschlicher Natur auslotete. Das Porträt folgt seinen inneren Konflikten und den Spuren von Isolation und Erfolgsdruck.

Nathaniel Hawthorne war kein Mann für gesellige Lesungen oder öffentliche Auftritte. Viel eher schien er sich in selbstgewählte Stille zurückzuziehen, wo seine düsteren Geschichten und Romane Form annahmen – Werke, in denen Sünde, Schuld und die Schatten einer puritanischen Tradition miteinander ringen. Zwischen den Welten von Ruhm und Zurückgezogenheit, politischen Anstellungen und literarischer Eigenständigkeit bietet Hawthorne bis heute ein Bild des amerikanischen Schriftstellers, das sich nicht auflösen lässt.

Leben und Zeit

Salem, Massachusetts, Anfang des 19. Jahrhunderts: Nathaniel Hawthorne wächst in einer Familie auf, über der der Ruf der Puritaner und der frühe Tod des Vaters liegen. Studium am Bowdoin College, Stationen in Salem, Boston, Concord, später Liverpool, immer wieder gezeichnet von einer gewissen gesellschaftlichen Distanz. Die Romantik prägt die Literatur und die Gesellschaft – und mittendrin bewegt sich Hawthorne an den Rändern der besseren Kreise, mit Kontakten zu Emerson und Thoreau, aber ohne sich intellektuell voll zugehörig zu fühlen. Seine politische Loyalität gilt den Demokraten. Wie nicht wenige Schriftsteller seiner Generation kennt Hawthorne trotz wachsendem Ruhm finanzielle Unsicherheit: Auch hohe Literatur schützt am damaligen amerikanischen Markt nicht vor der Sorge ums tägliche Auskommen.

Der Weg zum Schreiben

Der literarische Anfang ist zögerlich und beinahe unsichtbar: „Fanshawe“, 1828 im Selbstverlag erschienen, wird später von Hawthorne selbst aus dem Verkehr gezogen. Erst zwei Jahrzehnte später folgt der Durchbruch mit "Der scharlachrote Buchstabe" – ein Werk, dessen Entstehung spürbar mit den Jahren im Zollhaus verknüpft ist. Die Folge sind neue Publikationen, Phasen großer Produktivität, aber auch Rückzüge ins Private. Die berühmten Romane entstehen in wechselnden Anstellungen – zuletzt als Konsul in Liverpool, wohin Hawthorne dank politischer Gefälligkeiten berufen wird. Ruhm und finanzielle Besserung folgen, aber der Kontakt zur eigenen Vergangenheit und frühen Anonymität bleibt literarischer Treibstoff.

Der Mensch hinter den Büchern

Eher scheu, oft auf Distanz zur Öffentlichkeit, lebte Hawthorne sein Schreiben als Rückzug wie als Antrieb. Zeitgenossen beschrieben ihn als einen Menschen, der kaum in der Lage war, anderen in die Augen zu schauen. Er wirkte mitunter abwesend, als würde er die Welt nur als Beobachter hinter einer Glasscheibe betrachten. Die fehlende Leichtigkeit zur echten, unmittelbaren Verbindung mit Menschen scheint in seinen Werken durch – und sind ein Teil seines eigenen Charakters. Die Jahre vor dem Erfolg waren für ihn nicht Makel, sondern Schatz: Die Anonymität und Armut, so bekannte er, hätten seine Offenheit und Frische bewahrt.

Hawthorne beschäftigt sich obsessiv mit der Frage nach Schuld und der Unmöglichkeit, sie gänzlich hinter sich zu lassen – eine Obsession, der er in Symbolen und düsteren Metaphern nachgeht. Seine Haltung bleibt kritisch gegenüber der Gesellschaft, deren Maßregeln und religiösen Strukturen er als Quelle innerer Konflikte darstellt. Gerade das Changieren zwischen Rückzug und öffentlicher Rolle, zwischen literarischer Selbstständigkeit und politischer Loyalität, macht seine Biografie so markant wie widersprüchlich. Hawthorne war ein direkter Nachfahre von John Hathorne, einem der unerbittlichsten Richter während der berüchtigten Hexenprozesse von Salem. Nathaniel Hawthorne war von diesem dunklen Erbe so besessen, dass er sein Leben lang versuchte, diese „Familienschuld“ literarisch abzuarbeiten.

Das Werk: Was man lesen sollte

Ein Einstieg in Hawthornes Welt führt fast zwangsläufig zum "Scharlachroten Buchstaben": In einer streng moralischen Gemeinschaft wird die Figur der Hester Prynne mit dem Symbol der Sünde stigmatisiert und – weit darüber hinaus – die dunkle Seite der gesellschaftlichen Loyalität offengelegt. "Das Haus der sieben Giebel" zeigt Hawthorne auf der Höhe symbolischer Erzähllust und Abgründigkeit, eine Familiengeschichte zwischen Fluch und Hoffnung. Zu Unrecht selten als Lektüretipp genannt: Die Kurzgeschichte "Das große Steinengesicht" – eine Parabel auf Ideale, Verklärung und Zeitgeschichte. Über sein ganzes Werk hinweg bleibt Hawthorne ein Erzähler, der weniger Antworten, als unbequeme Fragen und irrlichternde Verdachtsmomente anbietet.

Verfasst vom Autorenteam.