Been there, felt that

Vanessa Sielmann beschäftigt sich in „Been there, felt that“ mit Gefühlen und Erfahrungen, die im Alltag vieler Frauen präsent sind, aber oft nur zögerlich ausgesprochen werden. Das Buch verbindet persönliche Perspektiven mit Beobachtungen zu gesellschaftlichen Rollenbildern und richtet den Blick auf Scham, Verunsicherung, Erwartungsdruck und das Bedürfnis, mit solchen Empfindungen nicht allein zu bleiben.

„Been there, felt that“ nähert sich den emotionalen Erfahrungen vieler Frauen aus einer alltagsnahen Perspektive. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Zugehörigkeit, dem eigenen Selbstbild und den Spannungen, die durch soziale Erwartungen entstehen. Behandelt werden unter anderem Beziehungen, Freundschaften, Unsicherheiten, das Gefühl, etwas zu verpassen, Fragen sexueller Selbstbestimmung und der Druck, nach außen souverän zu wirken. Der Text folgt dabei weniger einem streng systematischen Aufbau als einer Folge thematischer Annäherungen an wiederkehrende Konflikte des Alltags.

Eine große Stärke des Buches liegt in seiner Offenheit und leichten Zugänglichkeit. Sielmann formuliert nicht in einem abstrakten oder stark theoretischen Ton, sondern so, dass innere Widersprüche und emotionale Reaktionen direkt nachvollziehbar werden. Dadurch eignet sich das Buch besonders für Leserinnen, die sich von klassischen Ratgebermustern oder sehr akademischen Debatten eher nicht angesprochen fühlen. Gerade das Gefühl, mit bestimmten Gedanken und Reaktionen nicht allein zu sein, dürfte für viele ein wesentlicher Teil der Lektüreerfahrung sein.

Sprachlich setzt die Autorin auf einen direkten, persönlichen und bewusst unkomplizierten Stil. Das sorgt für Nähe und Lesefluss, weil die beschriebenen Themen nicht auf Distanz gehalten, sondern eng an Alltagssituationen gebunden werden. Genau darin liegt aber auch eine mögliche Einschränkung: Wer sich eine klar gegliederte Argumentation oder eine stärker begriffliche Analyse erhofft, könnte manche Passagen als eher locker gebaut und assoziativ empfinden. Das Buch möchte vor allem verständlich machen und spiegeln, nicht ein geschlossenes Theoriegebäude errichten.

Überzeugend ist, dass verschiedene Gefühlslagen nicht isoliert nebeneinanderstehen, sondern als miteinander verflochten beschrieben werden. Unsicherheit, Scham, Ärger, Überforderung und der Wunsch, möglichst unproblematisch zu erscheinen, werden als Reaktionen auf äußere Anforderungen lesbar. Dadurch verschiebt sich die Perspektive vom rein Privaten hin zu größeren sozialen Mustern. Besonders wirksam ist das dort, wo das Buch zeigt, wie Erwartungen von außen das Verhältnis zu anderen Frauen, zu Partnerschaften und zum eigenen Körper beeinflussen können.

Interessant ist außerdem, dass der Text nicht nur auf Bestätigung setzt, sondern auch unangenehme Dynamiken anspricht. Wenn es um Konkurrenz, Beobachtung, Abgrenzung oder wechselseitige Bewertung unter Frauen geht, bleibt die Darstellung nicht bei einfachen moralischen Urteilen stehen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Nähe und Distanz oft gleichzeitig wirksam sind. Das gibt dem Buch an vielen Stellen eine ehrliche, reflektierte Note. Zugleich hätte man sich vereinzelt gewünscht, dass einzelne Beobachtungen noch schärfer ausgearbeitet oder konsequenter vertieft werden.

Für die passende Leserschaft ist das Buch insgesamt gut geeignet: vor allem für Leserinnen, die über Alltagsdruck, emotionale Ambivalenzen und den Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Anpassung nachdenken möchten, ohne direkt zu einem stark wissenschaftlich geprägten Sachbuch zu greifen. Wer im Bereich feministischer Gesellschaftsanalyse bereits sehr viel gelesen hat, wird inhaltlich vielleicht nicht überall Neues entdecken. Der Wert des Buches liegt dann eher in der persönlichen Verdichtung, der verständlichen Sprache und dem Versuch, gemeinsame Erfahrungen in eine gut lesbare Form zu bringen.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens beschreibt es Gefühle und innere Konflikte, die im Alltag vieler Frauen präsent sind, aber oft unscharf bleiben, und macht sie dadurch greifbarer. Zweitens verknüpft es persönliche Erfahrung mit gesellschaftlichen Erwartungen, ohne in einen belehrenden oder trockenen Ton zu verfallen. Drittens bietet es einen leicht zugänglichen Einstieg in Fragen nach Sozialisation, Zugehörigkeit und Selbstwahrnehmung. Ein möglicher Gegenpunkt ist, dass die persönliche und essayistische Machart nicht in jedem Abschnitt die analytische Schärfe erreicht, die manche Leserinnen von einem Sachbuch erwarten.

Buchdaten

  • Autor: Vanessa Sielmann
  • Verlag: Goldmann
  • Preis: 18,00 €
  • ISBN: 9783442180806

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Rezension von Sandrine