And Midnight Fades to Dawn

Nina Schilling führt ihre Romantasy-Reihe mit einem Band weiter, der Misstrauen, politische Spannungen und persönliche Verletzbarkeit eng miteinander verknüpft. „And Midnight Fades to Dawn“ legt den Schwerpunkt weniger auf große Schauwenden als auf die Frage, wie Nähe entstehen kann, wenn alte Konflikte, Loyalitäten und unausgesprochene Ängste jede Entscheidung belasten.

Die Geschichte setzt nach den vorherigen Erschütterungen der Handlung an und bringt Cass und Nox erneut in eine Lage, in der Zusammenarbeit notwendig wird, obwohl zwischen ihnen weiterhin Belastungen und offene Wunden stehen. Mit dem neuen Schauplatz und zusätzlichen Machtinteressen weitet der Roman sein Gefüge aus und verbindet persönliche Unsicherheit mit größeren politischen Spannungen. Dabei bleibt der Blick stark auf die Figuren gerichtet und darauf, wie eng private Bindungen und übergeordnete Konflikte ineinandergreifen.

Besonders tragend ist die Beziehung zwischen Cass und Nox. Der Roman lebt davon, dass ihre Verbindung nicht glatt oder mühelos erzählt wird, sondern von Reibung, Zurückhaltung und gegenseitiger Verletzlichkeit geprägt ist. Die romantische Komponente steht klar im Vordergrund, gewinnt aber gerade deshalb an Wirkung, weil sie nicht losgelöst vom restlichen Konflikt behandelt wird. Wer Geschichten mag, in denen Gefühle nicht nur dekoratives Beiwerk sind, sondern echte Folgen für Entscheidungen haben, dürfte hier vieles finden, das reizvoll ist.

Auch die Welt erhält in diesem Band zusätzliche Konturen. Neue Interessenlagen, verschobene Machtachsen und eine insgesamt düsterere Stimmung sorgen dafür, dass das bekannte Setting nicht stehen bleibt. Nicht jeder Aspekt wird bis ins Letzte ausgeleuchtet, doch die Erweiterung funktioniert insgesamt gut genug, um der Reihe mehr Raum und Gewicht zu geben. So entsteht der Eindruck, dass hinter den Beziehungen der Figuren tatsächlich eine größere Ordnung aus Bündnissen, Rivalitäten und Bedrohungen steht.

Stilistisch bleibt Nina Schilling sehr zugänglich und deutlich auf emotionale Wirkung ausgerichtet. Das Tempo ist insgesamt flüssig, zugleich nimmt sich der Text oft Zeit für innere Konflikte, Anspannung und unausgesprochene Dynamiken. Das passt gut zur Ausrichtung des Romans, kann aber auch dazu führen, dass manche Abschnitte stärker um Stimmungen kreisen als um äußere Bewegung. Gerade dadurch entsteht viel Nähe zu den Figuren, auch wenn der Rhythmus nicht jede Entwicklung gleich stark trägt.

Am überzeugendsten ist das Buch dort, wo es die Spannungen seiner Figuren ernst nimmt und Konflikte nicht vorschnell vereinfacht. Für Leserinnen und Leser, die schon am Auftakt vor allem die Mischung aus Gefühlen, Gefahr und Machtspielen mochten, bietet diese Fortsetzung genau die richtige Richtung. Wer hingegen vor allem auf einen streng durchgetakteten Plot oder viele überraschende Wendungen aus ist, wird den Reiz des Romans vermutlich eher in seiner emotionalen Intensität als in seiner Handlungskonstruktion sehen.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Der Roman lohnt sich erstens wegen der glaubhaft angespannten Dynamik zwischen Cass und Nox, deren Nähe immer wieder von Misstrauen, Erwartungen und äußerem Druck überschattet wird. Zweitens gewinnt die Welt durch neue politische Interessen und zusätzliche Schauplätze an Größe, ohne den Fokus auf die Hauptfiguren zu verlieren. Drittens entfaltet das Buch eine intensive Romantasy-Atmosphäre, in der emotionale Unsicherheit und Bedrohung eng zusammenwirken. Ein möglicher Einwand bleibt jedoch: Wer ein besonders straffes Erzähltempo und einen stark handlungsgetriebenen Verlauf bevorzugt, könnte die ausführliche Konzentration auf innere Konflikte und Beziehungsentwicklung stellenweise als bremsend empfinden.

Buchdaten

  • Autor: Nina Schilling
  • Verlag: Lyx
  • Preis: 24,00 €
  • ISBN: 9783736326903

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Rezension von Sarah