Magnus Knut Hansen – Ein Mann. Ein Mythos. Ein Moin.

Mikkel Robrahn nimmt eine bewusst schräge Grundidee und macht daraus einen Roman, der Küstenalltag, fantastische Reise und ironisches Erzählen miteinander verbindet. Das Ergebnis ist kein ehrfürchtiges Genre-Epos, sondern ein Buch, das seine komischen Einfälle mit großer Selbstverständlichkeit ausspielt und gerade daraus seinen Reiz bezieht.

Im Mittelpunkt steht Magnus Knut Hansen, der als Deichgraf ein geordnetes, eher stilles Leben führt, bis das Verschwinden seines Schafs Dörte alles in Bewegung setzt. Aus diesem kleinen, persönlichen Anlass wächst eine abenteuerliche Suche, die ihn weit aus seiner vertrauten Umgebung hinausführt. So entsteht eine Handlung, die das Bodenständige nie ganz aufgibt und gerade deshalb gut mit den fantastischen Elementen zusammenspielt.

Unterwegs trifft Magnus auf eine Reihe schillernder Figuren und auf eine Welt, die deutlich größer, lauter und wunderlicher ist als alles, was er kennt. Der Roman gewinnt viel daraus, dass seine Hauptfigur nicht wie ein typischer Held auftritt. Magnus reagiert oft knapp, praktisch und ohne großes Aufheben, während um ihn herum Figuren, Situationen und Erwartungen immer weiter ins Übertriebene rücken. Aus dieser Spannung entsteht ein Humor, der nicht auf Dauerfeuer angewiesen ist, sondern oft aus Haltung und Timing kommt.

Besonders auffällig ist der Ton des Buchs. Robrahn setzt nicht auf klassische Ehrfurcht vor dem Fantasygenre, sondern auf spielerische Brechungen, trockene Dialoge und Szenen, die ihren Witz aus Reibung ziehen. Wenn feierliche Momente auf pragmatische Reaktionen treffen, entwickelt der Roman seine stärksten komischen Effekte. Dabei bleibt das Erzählen zugänglich und leichtfüßig, ohne die Figuren völlig zur bloßen Pointe zu machen.

Auch das Ensemble um Magnus trägt viel zum Leseeindruck bei. Die Begegnungen sind weniger darauf angelegt, große psychologische Tiefe zu entfalten, sondern sollen Kontraste schaffen, Gesprächsdynamik beleben und immer neue komische Lagen erzeugen. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn Robrahn die Unterschiedlichkeit seiner Figuren sprachlich ausspielt und Magnus’ zurückhaltende Art mit überschäumender Energie anderer Charaktere kollidieren lässt.

Stilistisch liest sich der Roman zügig. Die Kapitel setzen auf Bewegung, auf ein klares Vorwärts und auf ein Gespür für absurde Zuspitzung. Gleichzeitig lebt das Buch nicht nur von einzelnen Scherzen, sondern von der konsequent durchgehaltenen Grundidee, eine fantastische Welt aus einer sehr eigensinnigen Perspektive zu betrachten. Wer eine streng aufgebaute Mythologie oder große Ernsthaftigkeit erwartet, wird hier nicht das Hauptziel des Romans finden. Wer jedoch Freude an einer bewusst verschobenen, humorvollen Variante des Genres hat, bekommt eine markante und eigenwillige Lektüre.

Nicht jede Pointe besitzt dasselbe Gewicht, und manche Überzeichnung ist erkennbar auf Effekt hin angelegt. Trotzdem behauptet der Roman sein Profil überzeugend, weil er weder beliebig noch austauschbar wirkt. Er weiß ziemlich genau, was er sein will: eine komische Abenteuergeschichte mit regional gefärbtem Ton, deutlicher Lust am Genre-Spiel und einer Hauptfigur, die sich dem üblichen Heldenpathos konsequent entzieht.

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Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens verbindet der Roman eine ungewöhnliche Ausgangslage mit einer klar erkennbaren komischen Handschrift. Zweitens entsteht aus der zurückhaltenden Hauptfigur und den viel lebhafteren Nebenfiguren eine unterhaltsame Spannung, die viele Szenen trägt. Drittens hat das Buch Freude daran, vertraute Fantasymuster umzudeuten, ohne dabei unzugänglich zu werden. Ein möglicher Einwand: Wer vor allem komplexe Weltentwürfe, große emotionale Wucht oder eine ernste Heldenreise sucht, könnte die bewusst verspielte Machart als zu leicht empfinden.

Buchdaten

  • Autor: Mikkel Robrahn
  • Verlag: Edition Grace O`Malley
  • Preis: 18,00 €
  • ISBN: 9783689370466

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Rezension von Sarah