Widersetzt euch!

Michael Kraske und Dirk Laabs legen kein rein beobachtendes Analysebuch vor, sondern einen ausdrücklich eingreifenden Text. *Widersetzt euch!* richtet sich an Leserinnen und Leser, die den Aufstieg der extremen Rechten nicht nur besser verstehen, sondern auch darüber nachdenken wollen, wie sich im eigenen Umfeld auf demokratische Weise reagieren lässt. Das Buch verbindet politische Einordnung mit konkreten Überlegungen zum Handeln und versteht sich erkennbar als Beitrag zu einer aufgeheizten Gegenwart.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie demokratische Gesellschaften auf den wachsenden Einfluss der AfD und auf autoritäre beziehungsweise faschistische Entwicklungen antworten können. Die Autoren greifen dabei bekannte Problemfelder wie Hetze, Desinformation, Ausgrenzung und den Verlust demokratischer Standards auf, richten den Blick aber vor allem auf praktische Reaktionen. Es geht nicht nur um Diagnose, sondern um die Überlegung, was in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen getan werden kann — im privaten Gespräch ebenso wie in Bildung, Öffentlichkeit, Kultur, Vereinen oder politischem Engagement.

Eine Stärke des Buches liegt in dieser Nähe zum Alltag. Statt bei allgemeinen Bekenntnissen zur Demokratie stehenzubleiben, fragt es nach Situationen, in denen Menschen konkret Stellung beziehen müssen. Dadurch gewinnt der Text eine unmittelbare Ansprache. Er will nicht den Anschein vollkommener Distanz erzeugen, sondern Leserinnen und Leser dazu ermutigen, die eigene Rolle in gesellschaftlichen Konflikten ernst zu nehmen.

Sprachlich setzen Kraske und Laabs auf Klarheit, Zuspitzung und gute Lesbarkeit. Das macht das Buch leicht zugänglich, bringt aber auch mit sich, dass komplizierte politische Lagen teilweise stark verdichtet erscheinen. Gerade darin liegt jedoch auch die Absicht des Projekts: Es soll weniger eine akademische Spezialdebatte führen als Orientierung geben und Handlungsspielräume benennen. Wer eine wissenschaftlich ausdifferenzierte Studie sucht, wird deshalb einen anderen Ton vorfinden als jemand, der ein politisch eingreifendes Sachbuch lesen möchte.

Überzeugend ist besonders, dass demokratischer Widerspruch nicht als Ausnahmehandlung einzelner Heldinnen und Helden beschrieben wird. Das Buch zeigt vielmehr, dass er in vielen kleinen Situationen beginnt: in Sprache, in Gewohnheiten, in Institutionen und in der Entscheidung, problematischen Aussagen nicht schweigend Raum zu lassen. Dadurch weitet sich der Politikbegriff. Gesellschaftliche Verantwortung erscheint nicht nur als Sache von Parteien und Parlamenten, sondern auch als Aufgabe in Nachbarschaft, Beruf und Öffentlichkeit.

Das Buch ist dabei offen wertend. Es behandelt die extreme Rechte nicht als bloße Variante legitimer politischer Geschmacksfragen, sondern als Gefahr für demokratische Grundlagen. Diese normative Klarheit gehört zum Kern des Projekts und ist nicht als Schwäche zu sehen. Diskutierbar bleibt eher, ob manche Hoffnungen auf wirksame Gegenstrategien etwas zu glatt wirken. Nicht jede Auseinandersetzung lässt sich produktiv führen, und nicht jede Institution bietet gleichermaßen Raum für Veränderung. An solchen Grenzen hätte der Text stellenweise noch genauer arbeiten können.

Entscheidend ist daher die Erwartung, mit der man das Buch liest. Wer eine Verbindung aus Einordnung und praktischer Orientierung sucht, bekommt einen gut strukturierten Zugang zum Thema demokratische Gegenwehr. Wer sich bereits intensiv mit politikwissenschaftlichen, demokratietheoretischen oder extremismusbezogenen Debatten beschäftigt hat, wird einige Gedanken als vertraut erkennen. Als engagiertes Sachbuch erfüllt *Widersetzt euch!* dennoch seinen Anspruch: Es verschiebt den Blick von bloßer Alarmierung hin zu der Frage, wie demokratische Haltung im Alltag tatsächlich Gestalt annehmen kann.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Lesenswert ist das Buch erstens, weil es ein hochaktuelles politisches Thema nicht bei der Problembeschreibung belässt, sondern nach konkreten Möglichkeiten demokratischen Handelns fragt. Zweitens liegt ein Reiz im alltagsbezogenen Zugriff: private Gespräche, Bildungsräume, Vereine, Medien und Öffentlichkeit werden als reale Orte politischer Auseinandersetzung ernst genommen. Drittens sorgt die klare, gut verständliche Sprache dafür, dass auch Leserinnen und Leser ohne fachliche Vorkenntnisse einen Zugang finden. Weniger passend ist das Buch für alle, die vor allem eine stark distanzierte und wissenschaftlich fein ausdifferenzierte Analyse erwarten; ihnen kann der deutlich engagierte Ton zu programmatisch erscheinen.

Buchdaten

  • Autor: Michael Kraske, Dirk Laabs
  • Verlag: KiWi
  • Preis: 20,00 €
  • ISBN: 9783462015768

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Rezension von Noel