
Ein ehemaliger Kanzlerkandidat als Bundespräsident, der plötzlich in eine geheime Operation gerät: Aus dieser bewusst absurden Ausgangslage entwickelt David Safier einen Roman, der politische Satire mit Agentenkomödie verbindet. 00-Laschet setzt weniger auf Realismus als auf Tempo, Übertreibung und den Reiz, eine bekannte öffentliche Figur in ein völlig unpassendes Genre zu versetzen.
Die Handlung entwirft eine alternative politische Wirklichkeit, in der Armin Laschet nach seinem Scheitern nicht von der Bildfläche verschwindet, sondern an die Staatsspitze rückt. Von dort gerät er in das Umfeld eines streng abgeschirmten Apparats und wird in ein internationales Abenteuer hineingezogen. Mehrere Schauplätze, eine bedrohliche Lage und das Zusammenspiel mit einer deutlich professionelleren Begleitfigur geben dem Roman den Rahmen eines Spionagestoffs, den Safier konsequent für komische Effekte nutzt.
Der entscheidende Witz liegt in der Besetzung. Ausgerechnet ein Politiker, der in der öffentlichen Wahrnehmung eher mit Unbeholfenheit, Kommunikationspannen und einem gewissen Mangel an souveräner Kontrolle verbunden wurde, muss sich nun in einer Welt behaupten, die Entschlossenheit, Präzision und Coolness verlangt. Aus dieser Fehlpassung gewinnt der Roman viel Energie. Er lebt von der Reibung zwischen politischem Image, öffentlicher Erwartung und den Konventionen einer Agentengeschichte.
Humoristisch arbeitet das Buch breit und deutlich sichtbar. Es setzt auf überzogene Situationen, rasche Wechsel, politische Seitenhiebe und den spielerischen Umgang mit vertrauten Spionagemotiven. Dabei ist der Ton weniger fein ziseliert als direkt und publikumsnah. Wer Gefallen an schnellem, zugänglichem Erzählen hat und keine subtile Form der Ironie erwartet, wird sich auf diese Form des Klamauks eher einlassen können als Leserinnen und Leser, die auf sprachliche Raffinesse oder psychologische Tiefe aus sind.
Bemerkenswert ist, dass der Roman seine Hauptfigur nicht einfach nur vorführt. Zwar wird Laschet immer wieder in peinliche, überfordernde oder groteske Situationen gebracht, doch die Darstellung bleibt meist überraschend milde. Statt bloßer Demontage entsteht das Bild eines Menschen, der oft ungeschickt wirkt, aber nicht als grundsätzlich bösartig oder zynisch gezeigt wird. Dadurch erhält die Satire einen weicheren Kern, als Titel und Grundidee zunächst vermuten lassen.
Auch stilistisch bleibt Safier bei dem, was den Text tragen soll: klare Zuspitzungen, kurze Spannungsbögen und ein deutliches Vorwärtsmoment. Die Szenen sind darauf angelegt, schnell Wirkung zu erzielen. Das bringt Schwung, kann aber zugleich dazu führen, dass einzelne Gags oder politische Anspielungen stärker an ihre Gegenwart gebunden sind als die übergeordnete Idee. Gerade bei satirischen Stoffen ist das ein kalkuliertes Risiko. Hier passt es allerdings zu dem insgesamt lauteren und bewusst unkomplizierten Zugriff.
Seine interessanteste Seite zeigt 00-Laschet dort, wo die Komödie nicht nur mit aktuellen Namen und öffentlichen Rollenbildern spielt, sondern eine freundlichere Perspektive auf politische Kommunikation andeutet. Unter dem Trubel steht die Überlegung, dass Nachsicht, Gesprächsbereitschaft und das Bemühen um Verständigung nicht nur als Schwächen gelesen werden müssen. Das macht den Roman nicht zu einer tiefen politischen Analyse, verleiht ihm aber ein eigenes Profil: Er benutzt Politik als Bühne für eine turbulente Farce, ohne sich ganz der Häme zu überlassen.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens verbindet der Roman politische Gegenwartsbezüge mit einer bewusst absurden Spionagehandlung und entwickelt daraus eine ungewöhnliche Komik. Zweitens sorgt das hohe Tempo mit vielen Ortswechseln, klaren Pointen und einem Hang zur Übertreibung für kurzweilige Unterhaltung. Drittens überrascht das Buch mit einem vergleichsweise warmen Blick auf seine Figuren und mit einer weniger giftigen Form der Satire, als der Titel erwarten lässt. Ein möglicher Einwand: Wer politische Satire vor allem wegen Schärfe, Mehrdeutigkeit und sprachlicher Feinheit liest, könnte den direkten und stellenweise groben Zugriff als etwas plakativ empfinden.
Buchdaten
- Autor: David Safier
- Verlag: Kindler
- Preis: 18,00 €
- ISBN: 9783463000466
Weitere Empfehlungen aus den aktuellen Bestsellerlisten finden Sie hier.
Rezension von Matthias


