Blood. Du sollst bereuen

Mit „Blood. Du sollst bereuen“ setzt S.T. Abby eine Reihe fort, die Thriller, düstere Romantik und Selbstjustiz eng miteinander verbindet. Der zweite Band erhöht den Druck auf seine Figuren spürbar und lebt davon, dass Anziehung, Heimlichkeit und Gewalt fortlaufend miteinander kollidieren.

Lana Myers führt ihren Racheplan weiter, während ihre Beziehung zu dem FBI-Ermittler Logan bestehen bleibt – unter Voraussetzungen, die kaum fragiler sein könnten. Logan darf nicht erfahren, wer Lana wirklich ist, zugleich rücken die Untersuchungen zu mehreren Tötungsdelikten näher an sie heran. Dadurch steht ihr Doppelleben zunehmend unter Spannung, nicht nur im direkten Kontakt mit Logan, sondern auch im weiteren Umfeld der Ermittlungen.

Spannend ist an diesem Band vor allem die Konstruktion der Situation. Das Buch setzt weniger auf die Frage, wer hinter den Taten steckt, als auf die Unsicherheit, wann und wie Lanas sorgfältig aufgebautes Geheimnis aufbrechen könnte. Gerade deshalb tragen viele Szenen eine konstante Unruhe in sich. Nicht die große Überraschung steht im Mittelpunkt, sondern der Reiz der drohenden Entdeckung.

Der Stil bleibt knapp, zugänglich und stark auf Vorwärtsbewegung ausgerichtet. Viele Szenen sind kurz gehalten und direkt auf den nächsten Konfliktpunkt zugespitzt, was das Lesetempo hoch hält. Wer an ausgedehnten Beschreibungen, komplexen Nebenhandlungen oder feiner sprachlicher Ausarbeitung interessiert ist, wird hier eher weniger finden. Dafür entfaltet der Roman eine unmittelbare Dynamik, die klar auf emotionale Zuspitzung und Spannung zielt.

Lana ist dabei die mit Abstand interessanteste Figur, weil der Text sie nicht entschärft. Sie ist weder unproblematisch noch leicht einzuordnen, sondern kontrolliert, verletzt, entschlossen und von ihrer Vergangenheit stark geprägt. Genau aus diesem Widerspruch entsteht ein großer Teil der Faszination des Romans. Logan setzt dazu einen anderen Pol: In den gemeinsamen Szenen wird deutlich, dass ihre Verbindung weniger von Geborgenheit als von Anziehung unter riskanten Bedingungen lebt.

Als Genre-Mischung verschiebt der Roman den Schwerpunkt deutlich in Richtung Dark Romance mit Thriller-Elementen. Diese Kombination dürfte nicht für jedes Publikum gleich gut funktionieren, weil Gewalt, Begehren und moralische Grenzüberschreitungen bewusst eng nebeneinanderstehen. Wer solche Stoffe gerade deshalb interessant findet, weil sie Ambivalenzen zulassen und keine saubere Ordnung herstellen, wird hier einiges finden. Wer sich eine klarere moralische Führung oder stärker realistische Ermittlungsabläufe wünscht, könnte eher Abstand halten.

Seine stärksten Momente hat der zweite Band in der Sogwirkung der Handlung und in der Verdichtung des zentralen Konflikts zwischen Lanas Vergangenheit, ihren Taten und der Nähe zum FBI. Zusätzliche Einblicke in ihre Vorgeschichte geben dem Motiv der Vergeltung mehr Gewicht, ohne den Roman in bloße Erklärung zu verwandeln. Weniger überzeugend kann wirken, dass das Buch die Spannung fast dauerhaft auf hohem Niveau hält. Gleichzeitig gehört genau diese Rastlosigkeit erkennbar zum erzählerischen Konzept.

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Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens entsteht viel Reiz aus der engen Verknüpfung von Beziehung, Geheimnis und Verfolgungsdruck. Zweitens trägt Lana die Geschichte mit einer Hauptfigur, die widersprüchlich, hart und gerade deshalb interessant angelegt ist. Drittens entwickelt die Verbindung aus Thriller-Spannung und dunkler Liebesgeschichte eine klare Eigendynamik, die den Band als Fortsetzung markant macht. Ein möglicher Grund dagegen liegt jedoch ebenso klar auf der Hand: Wer Gewalt, moralisch belastete Figuren oder die bewusste Nähe von Romantik und Brutalität grundsätzlich ablehnt, wird mit diesem Ton vermutlich wenig anfangen können.

Buchdaten

  • Autor: S.T. Abby
  • Verlag: Goldmann
  • Preis: 12,00 €
  • ISBN: 9783442498017

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Rezension von Noel