Der Freund

Freida McFaddens „Der Freund“ setzt auf ein klassisches Thriller-Rezept: eine Frau auf der Suche nach dem passenden Partner, ein wachsendes Unbehagen und ein Umfeld, in dem kaum jemand ganz vertrauenswürdig erscheint. Das Ergebnis ist ein Roman, der schnell in Fahrt kommt und seine Spannung vor allem aus Verdacht, Atmosphäre und dem ständigen Gefühl zieht, dass hinter der glatten Oberfläche etwas Bedrohliches lauert.

Im Mittelpunkt steht Sydney Shaw, die in New York nach einem Mann sucht, der endlich zu ihren Vorstellungen von Mr. Right passt. Die bisherigen Dates sind unerquicklich, bis ein scheinbar idealer Arzt namens Tom in ihr Leben tritt. Gleichzeitig sorgt ein Serienkiller in der Stadt für Unruhe, und als eine Freundin ermordet wird, verdichten sich für Sydney die Hinweise darauf, dass Nähe und Gefahr in diesem Umfeld enger beieinanderliegen, als ihr lieb ist.

McFadden erzählt das mit hohem Tempo und einem klaren Gespür für Cliffhanger. Die Sprache bleibt schlicht, die Kapitel sind knapp, und genau daraus entsteht der Sog: Man liest weiter, weil sich die Hinweise immer wieder verschieben und jede Figur einen neuen Verdacht weckt. Literarische Feinheiten stehen nicht im Vordergrund; wichtiger ist der Effekt, dass sich die Geschichte wie ein gut getakteter Nervenkitzel anfühlt, der Pausen ungern zulässt.

Stärker als in vielen konventionellen Thrillern ist hier die Mischung aus Dating-Alltag und Bedrohung. Gerade der Kontrast zwischen scheinbar alltäglichen Begegnungen und der Möglichkeit, einem Killer zu nahe zu kommen, sorgt für Wirksamkeit. Zugleich bleibt die Figurenzeichnung bewusst auf Spannung hin angelegt: Sydney ist gut als Fokusfigur, wirkt aber eher als Beobachtungszentrum denn als tief ausgearbeitete Psychostudie. Wer präzise psychologische Verästelungen erwartet, wird also weniger fündig als Freundinnen und Freunde effizient gebauter Suspense.

Als Lektüre für einen Abend oder ein Wochenende funktioniert der Roman vor allem dann, wenn man Lust auf einen unterhaltsamen, zügigen Psychothriller hat, der seine Energie aus Verdacht und Dynamik zieht. Manche Fährten wirken kalkuliert, manche Motive vertraut, und nicht jede Wendung überrascht so sehr, wie sie möchte. Trotzdem hält der Roman die Spannung bis zum Schluss recht zuverlässig und bleibt dabei in seinem Ton angenehm geradlinig, ohne sich unnötig zu verheddern.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens bietet „Der Freund“ ein hohes Erzähltempo, das ohne lange Anlaufzeit in die Spannung führt. Zweitens spielt der Roman geschickt mit der Unsicherheit, wem man trauen kann, und macht gerade aus alltäglichen Begegnungen einen unheimlichen Schauplatz. Drittens sorgt die knappe, szenische Anlage für einen leichten Sog, der das Lesen fast automatisch beschleunigt. Ein Grund dagegen: Wer tiefschichtige psychologische Figuren oder besonders überraschende Thriller-Mechanik sucht, könnte manches Muster zu vertraut finden.

Buchdaten

  • Autor: Freida McFadden
  • Verlag: Heyne
  • Preis: 17,00 €
  • ISBN: 9783453443037

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Rezension von Noel