How to Catch a (Fake) Cowboy

Eine Journalistin aus New York, ein vermeintlicher Cowboy und ein Schauplatz, der bewusst mit Western- und RomCom-Klischees spielt: Maren Vivien Haase setzt in „How to Catch a (Fake) Cowboy“ auf Tempo, Witz und emotionale Spannung. Der Roman verbindet Verwechslungskomik mit romantischer Annäherung und lebt von der Frage, wie tragfähig seine charmante Ausgangsidee über den ersten Funken hinaus bleibt.

Im Zentrum steht Riley, die beruflich viel erreichen will und für eine vielversprechende Story nach Texas reist. Dort trifft sie auf Nate, der zunächst genau das Cowboybild zu erfüllen scheint, das sie erwartet. Doch hinter diesem ersten Eindruck steckt mehr Inszenierung als Echtheit. Aus dieser Ausgangslage entwickelt der Roman ein Spiel mit Erwartungen, Missverständnissen und wachsender Anziehung, in dem die Unterschiede zwischen urbanem Ehrgeiz und ländlicher Kulisse sofort Spannung erzeugen.

Seine Stärke bezieht das Buch vor allem aus der sauber gebauten RomCom-Dynamik. Das Motiv der falschen Identität wird mit Reibung, Flirt und einem deutlichen Culture-Clash verbunden. Haase nutzt diese Konstellation, um Tempo in die Handlung zu bringen und die Begegnungen zwischen den Figuren mit Charme aufzuladen. Die Geschichte bleibt dabei gut zugänglich und vertraut auf eine Prämisse, die schnell klar macht, worin ihr romantischer und komischer Reiz liegt.

Auch stilistisch orientiert sich der Roman klar an den Erwartungen des Genres. Die Szenen sind zügig erzählt, die Dialoge setzen eher auf Schlagfertigkeit als auf große Tiefenschärfe, und insgesamt entsteht ein flüssiger Lesefluss. Wer moderne Liebesromane mit lockerer Tonlage, Funkenflug und einer deutlich spürbaren Wohlfühlkomponente mag, bekommt hier vieles von dem, was eine klassische RomCom attraktiv macht. Weniger passend ist das Buch für Leserinnen und Leser, die vor allem sprachliche Eigenwilligkeit oder formale Überraschungen suchen.

Entscheidend ist deshalb die Chemie zwischen den Hauptfiguren. Die Handlung lebt weniger von äußeren Wendungen als von dem Umstand, dass zwei Menschen unter etwas schiefen Voraussetzungen aufeinandertreffen. Riley ist als zielstrebige, arbeitsorientierte Protagonistin klar konturiert, während Nate gerade aus dem Spannungsfeld zwischen Selbstbild, Außenwirkung und tatsächlicher Person Profil gewinnt. Das schafft Raum für humorvolle Szenen, aber auch für Momente, in denen der Roman zeigen muss, dass aus einer konstruierten Ausgangslage glaubhafte Gefühle entstehen können.

Nicht jede Leserin und nicht jeder Leser wird alle genretypischen Muster gleichermaßen reizvoll finden. Manche Entwicklungen folgen erkennbar der Logik romantischer Spannung, und das Buch setzt stark auf Atmosphäre, Timing und sympathische Dynamik. Gerade darin liegt aber auch seine Qualität: Wer Lust auf eine leichte, moderne Liebesgeschichte mit Ranchflair, Großstadtblick und emotionalem Knistern hat, findet hier eine unterhaltsame Lektüre, die Eskapismus und Romantik ansprechend zusammenführt.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens punktet der Roman mit einer sofort zugänglichen Prämisse, die Verwechslung, Romantik und Konflikt wirkungsvoll miteinander verbindet. Zweitens sorgt der Kontrast aus New Yorker Karrieredenken und texanischer Ranchatmosphäre für ein lebendiges Setting. Drittens liefert die Geschichte den Mix aus Humor, Flirt und emotionaler Annäherung, den viele an zeitgenössischen RomComs schätzen. Ein möglicher Gegenpunkt ist, dass der Roman bewusst auf bekannte Genrebausteine setzt; wer etwas wesentlich Unvorhersehbareres oder stilistisch Schärferes erwartet, könnte ihn als zu vertraut empfinden.

Buchdaten

  • Autor: Maren Vivien Haase
  • Verlag: Blanvalet
  • Preis: 17,00 €
  • ISBN: 9783764510145

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Rezension von Noel