Mit In Her Own League liefert Liz Tomforde einen Roman, der das vertraute Spielfeld der Romance nutzt, ohne sich nur auf die üblichen Spielzüge zu verlassen. Im Mittelpunkt steht eine Geschichte, die von Nähe, Ehrgeiz und der Frage lebt, wie viel Raum eine Beziehung in einem Leben einnehmen darf, das ohnehin schon unter Druck steht. Gerade daraus bezieht der Roman seinen Reiz: Er verbindet Leichtigkeit mit emotionaler Reibung und setzt weniger auf große Gesten als auf spürbare Entwicklung.

Der Roman startet mit einer Energie, die sofort klar macht, worauf man sich einlässt: auf ein Liebesdrama im modernen Gewand, das zwar romantisch sein will, aber nicht im Zuckerguss versinkt. Liz Tomforde verankert ihre Figuren in einem Umfeld, in dem Leistung, Öffentlichkeit und persönliche Verletzbarkeit ständig gegeneinander arbeiten. Dadurch entsteht ein Ton, der flott und unterhaltsam bleibt und gleichzeitig einen ernsteren Kern hat. Genau diese Mischung macht den Anfang so zugänglich: Man findet schnell hinein, ohne das Gefühl zu haben, dass hier bloß ein bekanntes Muster abgespult wird.

Besonders überzeugend ist die Zeichnung der Protagonistin. Sie wirkt nicht wie eine glatt polierte Projektionsfläche, sondern wie eine Frau, die sich behaupten muss, auch wenn sie nach außen stark erscheint. Ihre inneren Gegensätze sind das eigentlich Spannende: Sie will Kontrolle, braucht aber Nähe; sie tritt souverän auf, reagiert innerlich jedoch deutlich komplizierter. Diese Spannung verleiht dem Roman mehr Gewicht als die reine Liebesgeschichte. Auch ihr Gegenüber ist nicht nur als romantischer Anker angelegt, sondern als jemand, der mit Präsenz, Humor und einer gewissen Verletzlichkeit aus dem Schema fällt. Das Zusammenspiel hat Funktion und Charme zugleich.

Die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren trägt den Roman über weite Strecken. Tomforde setzt weniger auf rauschhafte Dramatik als auf ein langsames Annähern, das von Blicken, Missverständnissen und unausgesprochenen Erwartungen lebt. Das ist nicht immer spektakulär, aber meist sehr effektiv, weil die Beziehung dadurch glaubwürdig wirkt. Gerade die leisen Momente haben Gewicht, wenn sich aus kleinen Spannungen allmählich echte Bindung entwickelt. Wer in Romance vor allem auf sofortige Eskalation hofft, könnte hier etwas Geduld brauchen. Wer aber Freude an einer Chemie hat, die sich organisch entfaltet, bekommt reichlich Stoff zum Mitfiebern.

Auffällig ist auch, wie sehr der Roman sein Umfeld als Resonanzraum nutzt. Der sportliche oder leistungsorientierte Kontext ist nicht bloß Dekoration, sondern eine Bühne für Konkurrenz, Disziplin und öffentliche Erwartung. Dadurch wird die Liebesgeschichte immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie ein Privatleben in einem Leben bestehen soll, das von außen ständig mitgesteuert wird. Das verleiht der Erzählung Profil, ohne sie schwerfällig zu machen. Gleichzeitig bleibt der Ton meist leicht genug, um nicht in Melodramatik umzuschlagen. Diese Balance ist eine der Stärken des Buchs: Es nimmt Gefühle ernst, ohne den Unterhaltungsanspruch aus den Augen zu verlieren.

Stilistisch setzt Tomforde auf eine zugängliche, gut lesbare Sprache, die ihre Wirkung vor allem über Tempo und Emotion entfaltet. Die Kapitel ziehen zügig vorbei, Dialoge tragen viel, und der Roman weiß, wann er locker bleiben und wann er nach innen schalten muss. Man merkt dabei, dass die Autorin ihre Szenen auf Wirkung hin baut: nicht im plakativen Sinn, sondern im Bestreben, Spannung zwischen zwei Figuren kontinuierlich zu steigern. Gelegentlich wirkt das ein wenig kalkuliert, weil emotionale Wendepunkte klar vorbereitet sind. Doch genau diese Übersichtlichkeit ist für viele Leserinnen und Leser auch Teil des Vergnügens, weil sie Orientierung bietet und den Fokus auf das Beziehungsgefühl lenkt.

Trotz aller Leichtigkeit hat In Her Own League auch Ecken, die nicht jedem gefallen werden. Manche Entwicklungen sind früh erkennbar, und der Roman verlässt sich zuweilen stark auf bewährte Romance-Mechanismen. Das ist nicht zwangsläufig ein Mangel, kann aber den Eindruck verstärken, dass der Weg wichtiger ist als die Überraschung. Zudem sind einige Nebenaspekte eher funktional als vertieft angelegt; sie dienen dazu, die Hauptbeziehung zu stützen, statt eigene Räume zu öffnen. Wer nach literarischer Kante oder nach radikal unvorhersehbaren Wendungen sucht, wird hier vermutlich nicht vollständig fündig. Im Rahmen seines Genres bleibt das Buch jedoch bemerkenswert kontrolliert.

Am Ende hinterlässt der Roman den Eindruck einer sorgfältig komponierten, emotional klar ausgerichteten Geschichte, die ihre Stärken vor allem in Figurennähe und Atmosphäre ausspielt. In Her Own League ist kein Buch, das mit Experimenten auffallen will; es will fühlen lassen, und genau das gelingt ihm über weite Strecken sehr überzeugend. Der Reiz liegt in der Mischung aus sportlichem Druck, persönlicher Unsicherheit und einer Beziehung, die sich gegen Widerstände behaupten muss. Dadurch entsteht ein Roman, der unterhaltsam bleibt, ohne leichtfertig zu wirken, und der seinen Figuren genügend Raum gibt, um mehr zu sein als bloße Genrevariationen.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens überzeugt die Hauptfigur durch ihre Mischung aus Stärke und innerer Unsicherheit; gerade diese Reibung macht sie interessant. Zweitens lebt der Roman von einer Chemie zwischen den Figuren, die sich nicht auf billige Effekte verlässt, sondern Schritt für Schritt an Spannung gewinnt. Drittens sorgt der sportliche Leistungsdruck im Hintergrund dafür, dass die Liebesgeschichte nicht im luftleeren Raum schwebt, sondern an einem klaren Umfeld gewinnt. Ein Grund dagegen: Wer überraschende Wendungen oder große formale Risiken erwartet, dürfte die vertraute Romance-Struktur als zu berechenbar empfinden.

Buchdaten

  • Autor: Liz Tomforde
  • Verlag: Blanvalet
  • Preis: 16,00 €
  • ISBN: 9783734115639

Bei Amazon ansehen

Unsere Übersicht der Bestseller-Bücher versammelt weitere aktuelle Titel.

Rezension von Flora