
Mit „Revenge. Du sollst flehen“ wird die Reihe noch druckvoller und enger geführt. Der Roman setzt weniger auf neue Ausgangslagen als auf eine konsequente Verschärfung bereits angelegter Konflikte. Gerade aus dieser Verdichtung zieht der dritte Band seine intensive, düstere Wirkung.
Erneut steht Lana Myers im Mittelpunkt, die ihren persönlichen Feldzug der Vergeltung fortführt und gleichzeitig mit dem FBI-Agenten Logan Bennett liiert ist. Während die Gefahr wächst, entdeckt zu werden, muss sie ihre verschiedenen Rollen immer kontrollierter voneinander trennen. Die Geschichte schließt eng an die vorherigen Ereignisse an und entfaltet ihre Spannung aus Täuschung, Nähe, Schuld und verborgenen Motiven.
Stark ist an diesem Band vor allem, wie eng die unterschiedlichen Genreanteile miteinander verzahnt sind. Thriller, Romantic Suspense und Dark Romance laufen nicht getrennt nebeneinander her, sondern beeinflussen sich fortwährend. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig angespannt, verführerisch und verstörend wirkt. Wer sich eindeutige moralische Orientierung wünscht, dürfte hier eher herausgefordert werden. Genau diese Unsicherheit macht den Reiz des Romans aus, weil die Hauptfigur nicht entschärft, sondern in ihrer Widersprüchlichkeit ernst genommen wird.
Auffällig ist außerdem das hohe Tempo. Die Handlung kennt kaum Leerlauf, viele Szenen treiben den Konflikt direkt weiter, und selbst ruhigere Passagen stehen meist schon unter spürbarem Druck. Das erzeugt einen starken Lesesog, kann aber auch fordernd sein, weil der Text nur selten Distanz oder Entlastung bietet. Der Roman setzt klar auf Zuspitzung und unmittelbare Wirkung statt auf längere innere Ausdeutung.
Die Figurenbeziehungen bleiben der Kern der Geschichte. Lana ist keine Figur, die einfach Sympathie einfordert; interessant wird sie durch ihre Härte, ihre Selbstkontrolle und den Abstand zwischen dem, was sie zeigt, und dem, was sie antreibt. Logan fungiert dabei nicht bloß als Gegenstück, sondern erhöht die emotionale und erzählerische Fallhöhe. Gerade daraus bezieht ihre Verbindung ihren nervösen Reiz: Sie ist nah, riskant und von Anfang an mit dem Wissen belastet, dass Entscheidendes verborgen bleibt.
Sprachlich setzt S.T. Abby eher auf Unmittelbarkeit als auf stilistische Ausschmückung. Die Sätze sind knapp gehalten, die Kapitel ziehen zügig weiter, und die düstere Stimmung entsteht weniger durch lange Beschreibungen als durch Konfrontation, Tempo und Eskalation. Das passt gut zum rohen, pulpnahen Charakter der Reihe. Zugleich kann diese Verdichtung dazu führen, dass psychologische Feinheiten eher angerissen als ausführlich entfaltet werden. Der Roman will vor allem antreiben, fesseln und irritieren.
Besonders gut eignet sich dieser Band für Leserinnen und Leser, die fortlaufende Reihen mit hohem Spannungsdruck mögen und sich auf ambivalente, problematische Figurenkonstellationen einlassen möchten. Weniger passend ist er für ein Publikum, das in Liebesgeschichten vor allem Wärme, Sicherheit oder moralische Klarheit sucht. Als dritter Teil profitiert das Buch zudem deutlich von Vorkenntnissen, weil viele emotionale Momente ihre Wirkung aus den bereits etablierten Konflikten und Beziehungen ziehen.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens verbindet der Roman Spannungshandlung und gefährliche Liebesgeschichte zu einer eigentümlich fiebrigen Gesamtwirkung. Zweitens steht mit Lana eine Hauptfigur im Zentrum, die sperrig, kompromisslos und gerade deshalb erinnerungswürdig ist. Drittens hält das hohe Erzähltempo die Geschichte fast durchgehend unter Strom. Ein möglicher Gegenpunkt ist allerdings die ausgeprägte moralische Dunkelheit: Härte, Grenzüberschreitungen und ein bewusst unangenehmes Beziehungsmodell werden nicht abgefedert und dürften deshalb nicht zu jedem Lesegeschmack passen.
Buchdaten
- Autor: S.T. Abby
- Verlag: Goldmann
- Preis: 12,00 €
- ISBN: 9783442498024
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Rezension von Noel

