
**Klaus-Peter Wolf lenkt den Blick konsequent auf eine Figur, die sonst eher am Rand oder im Gegenfeld stehen würde. Sommerfeldt Solo. Der Auftrag ist ein Kriminalroman, der weniger auf klassische Ermittlungsarbeit als auf psychologische Spannung, taktisches Vorgehen und verschobene Machtverhältnisse setzt.**
Dr. Bernhard Sommerfeldt steht im Mittelpunkt des Romans und bekommt einen neuen Auftrag, der ihn wieder an die ostfriesische Küste führt. Dort begegnet er einer Welt aus organisiertem Verbrechen, Machtinteressen und verdeckten Absprachen, während auch Hauptkommissar Rupert in die Ereignisse hineingezogen wird. So entsteht der Auftakt zu einer neuen Trilogie, die die Figur des kalkulierenden Täters mit einem Milieu verbindet, in dem Misstrauen und Bedrohung allgegenwärtig sind.
Gerade diese Verlagerung des Blickwinkels macht den Reiz des Buches aus. Wolf interessiert sich nicht nur dafür, was Sommerfeldt als Nächstes vorhat, sondern vor allem dafür, wie er denkt, welche Strategien er entwickelt und wie er seine Umgebung wahrnimmt. Die psychologische Anlage sorgt für Spannung, weil sich vieles weniger aus spektakulären Aktionen als aus Beobachtung, Berechnung und der ständigen Unsicherheit ergibt, wem man hier eigentlich trauen kann.
Sprachlich bleibt der Roman gut zugänglich und erzählt mit hohem Tempo, ohne sich in Nebensträngen zu verlieren. Die Kapitel treiben die Handlung zügig voran, wodurch ein Sog entsteht, der besonders Leserinnen und Leser anspricht, die düstere Stoffe mit klarer Spannungslinie mögen. Zugleich trägt die Geschichte stark von ihrer Figurenkonstellation: Sommerfeldt als kühle, kontrollierte Zentralfigur, Rupert als Gegenpol und die ostfriesische Kulisse als atmosphärischer Hintergrund.
Nicht alles am Auftakt wirkt vollkommen unvorhersehbar, denn der Roman setzt spürbar auf die Bekanntheit und Ausstrahlung seiner Hauptfigur. Wer eine fein austarierte, eher zurückhaltende Kriminalerzählung erwartet, trifft hier eher auf ein bewusst spannungsorientiertes Konzept mit deutlicher Ausrichtung auf Wirkung und Serienentwicklung. Genau darin liegt aber auch seine Stärke: Der Roman weiß sehr genau, welche Energie er erzeugen will, und hält diesen Kurs konsequent durch.
Am interessantesten ist die moralische Schieflage, die der Text bewusst ausspielt. Statt ein klar geordnetes Gut-und-Böse-Schema zu bedienen, stellt er eine Figur ins Zentrum, die mit Kontrolle, Täuschung und Manipulation arbeitet und gerade dadurch eine beklemmende Faszination entfaltet. Das macht Sommerfeldt Solo. Der Auftrag zu einem Roman, der weniger durch überraschende Wendungen als durch seine konsequent unheimliche Hauptfigur im Gedächtnis bleibt.
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun
Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens bietet der Roman einen ungewöhnlichen Blickwinkel, weil hier nicht der Ermittler, sondern die Täterfigur den Ton angibt. Zweitens erzeugen Küstenmilieu, Bedrohung und Verwicklungen eine dichte Atmosphäre, die gut zum Spannungsansatz des Buches passt. Drittens lebt die Geschichte von einer Hauptfigur, die gleichzeitig kühl, charismatisch und irritierend wirkt, was den Sog der Handlung deutlich verstärkt. Ein Grund dagegen: Wer Krimis lieber aus nüchterner Distanz und ohne starken Serienfokus liest, könnte die bewusst auf Figurensog und Wirkung ausgerichtete Anlage als zu dominant empfinden.
Buchdaten
- Autor: Klaus-Peter Wolf
- Verlag: Fischer
- Preis: 14,00 €
- ISBN: 9783596711635
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Rezension von Sandrine

