Eva Markert: „Ich finde es generell schwierig, Gefühle nachvollziehbar darzustellen“

Interview mit Eva Markert

 

(c) Eva Markert
(c) Eva Markert

Eva Markert ist von Beruf Studienrätin mit den Fächern Englisch und Französisch, und sie besitzt ein Zertifikat für Deutsch als Fremdsprache. Außerdem ist sie staatlich geprüfte Übersetzerin. Hobbymäßig arbeitete sie viele Jahre als Lektorin und Korrektorin in einem kleinen Verlag mit. Eva Markert schreibt Kinder- und Jugendbücher, Romane und Kurzgeschichten.

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Jeder, der schreibt, hofft, eines Tages erfolgreich zu sein. Dennoch mache ich mir keine Illusionen. Man muss schon sehr viel Glück haben, um in dieser unübersehbaren Vielzahl von Neuerscheinungen überhaupt wahrgenommen zu werden. Dessen bin ich mir bewusst, wenn ich mit einem neuen Projekt beginne. Aber ich lasse mich davon nicht abhalten, denn es macht mir Freude zu schreiben.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Solche Listen lassen nur erkennen, welche Bücher sich gerade gut verkaufen – aus welchen Gründen auch immer. Über die Qualität dieser Bücher sagen sie nichts aus.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Ich verabrede mich regelmäßig mit Autorenkolleginnen im Chat. Gemeinsam macht es mehr Spaß, und wir können uns gegenseitig auch unterstützen und ermutigen. Außerdem notieren wir regelmäßig unsere Fortschritte, d. h. die Anzahl von Wörtern, die wir täglich schreiben, oder die Anzahl der Minuten, die wir darauf verwenden, unsere Texte zu überarbeiten. Am Ende des Monats schauen wir, wer am meisten „geschafft“ hat. Ein anderes nützliches Motivationsinstrument ist z. B. auch das „Magic Spreadsheet“.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich denke, ich müsste mehr Zeit darauf verwenden. Eine Homepage habe ich nicht. Wenn ich z. B. ein neues Buch herausbringe oder eine kostenlose Werbeaktion starte, stelle ich eine Meldung darüber bei Facebook und Twitter ein.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Da ich nicht viel Zeit aufs Marketing verwende, profitiere ich wahrscheinlich am meisten von automatischen Werbeinstrumenten bei Amazon wie „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch …“ oder von der Angabe von Rangplätzen in den einzelnen Kategorien.

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich muss gestehen, dass ich keine deutschen Bücher lese, sondern ausschließlich Thriller von englisch- oder niederländischsprachigen Autoren. Da ich vorwiegend Kinder- und Jugendbücher schreibe, werde ich durch meine eigene Lektüre kaum beeinflusst. Ich erinnere mich allerdings noch gern an die Bücher von Astrid Lindgren, die ich als Kind gelesen habe.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Die Redakteure müssten versuchen, Stecknadeln im Heuhaufen der Indie-Publikationen zu finden. Dafür würden sie viel Zeit benötigen, die sie nicht haben. Und sicherlich fehlt ihnen auch die Lust zu solch mühseliger Sucharbeit. Insofern glaube ich nicht, dass sich daran jemals etwas ändern wird.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Man sollte seine Texte auf keinen Fall zu schnell auf den Markt bringen. Man muss sie zwischendurch beiseitelegen, sodass man sie wie einen fremden Text liest, wenn man sie wieder zur Hand nimmt. Und sie müssen gründlich lektoriert und mehrfach überarbeitet werden. Ich habe das Glück, dass ich mit meiner Autorenkollegin und Freundin Sabine Ludwigs zusammenarbeiten kann.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Ich finde es generell schwierig, Gefühle nachvollziehbar darzustellen – vor allem ohne dabei auf Klischees zurückzugreifen.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Autoren dürfen zu jedwedem Thema alles sagen, was den gesetzlichen Rahmen nicht sprengt. In meinen Büchern kommen solche Themen allerdings nicht vor, weil ich kein Interesse habe, darüber zu schreiben.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich stehe morgens meistens zwischen vier und fünf Uhr auf. Dann kann ich einige Stunden ungestört arbeiten. Außerdem gibt es feste „Chat-Termine“ mit Autorenkolleginnen, an denen ich sooft wie möglich teilnehme.

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich habe immer mehrere Projekte, die sich in verschiedenen Bearbeitungsstadien befinden. Im Moment schreibe ich an einer Reihe „Gute-Nacht-Geschichten für die Kleinsten“. Fünf Bände sind schon fertig, der sechste ist gerade im Entstehen. Mit der Überarbeitung einer älteren Kinderbuchserie mit dem Titel „Sterngeschichten“ habe ich vor Kurzem begonnen. Zu einem neuen Jugendbuch habe ich mir bereits Notizen gemacht und über einen dritten „Brandtner-Johanning-Krimi“ denke ich gerade nach.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 

Eva Markert im www

 

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