Thomas J. Hauck: „Auf jeden Fall nie nach dem Markt schielen“

Interview mit Thomas J. Hauck

 

© Christoph Busse
© Christoph Busse
Seit über einem halben Jahrhundert auf dieser Welt, sonnige Kindheit mit Bruder, Kanarienvogel und Hund. Studierte Grafik und Design in Mannheim und Schauspiel und Tanz in Mannheim, Comedy und Buffon in Paris. Arbeitete viele Jahre fest als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg an diversen Theatern. Seit 17 Jahren freischaffender Künstler für Rauminstallationen, Schauspieler, Regisseur und Autor für Kinderbücher, Theaterstücke und Drehbücher ( u.a. für die Kinderfilme „Anna und der Mond“, „Oma Frida und das Seeungeheuer“ und „Die Sommersprosse“ ) Lebt in Berlin und München.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Nein, überhaupt nicht. Das würde mich im Schreiben auch nur behindern und hemmen.

Fabelhafte Bücher: Bestsellerlisten wie beispielsweise die Spiegel-Bestseller-Liste waren immer schon heiß umstritten und doch orientieren sich nun mal viele Menschen an den Lesegewohnheiten anderer Leser. Wie stehen Sie zu solchen Bücherrankings?

Ich mag Rankings im allgemeinen überhaupt nicht. Ich finde das eine schädliche und dumme Entwicklung alles einem Wettbewerb, einem Ranking unterzuordnen. Und Bücher oder Kultur im allgemeinen darf nicht nach Rankings bewertet werden!

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Bei Durchhängern, Blockaden und ähnlichem versuche ich etwas ganz anderes zu machen, z. B. Zeichnen, Kinobesuche, viel in Cafés. Ich versuche mich dadurch vom inneren Druck zu lösen.

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich gehe sehr viel auf Lesetouren, die will und muss ich machen. Und für meinen Internetauftritt und anderes habe ich eine Designerin die das für mich macht.

Fabelhafte Bücher: Wenn Neulinge Sie nach einem Tipp fragen würden: Auf welches Marketinginstrument setzen Sie in erster Linie?

Einen schönen Proskept mit schönen Postkarten! Das Auge will etwas Schönes sehen!

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich kann nur sagen, wen ich hoch schätze, dessen oder deren Bücher ich sehr gerne lese: Marguerite Duras, Samuel Beckett, Jérôme Ferrari, Bart Moeyaert, Rose Lagercrantz, Manfred Schlüter und Andrej Tarkovskij.

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons, egal ob Spiegel, FAZ, ZEIT oder sonstigen Granden des Literaturbetriebs, immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Es müsste Aufgabe der Kulturredaktionen sein, wieder zu entdecken, zu fördern! Sie müssten unabhängig sein von Anzeigenkunden. Leider ist es doch so, dass gute Anzeigenkunden, sprich Verlagshäuser die Anzeigen schalten, viel eher besprochen werden, als kleine unbekannte Verlage.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Fehler waren bei mir sehr wichtig, die muss jeder machen! Auf jeden Fall nie nach dem Markt schielen. Ehrlich bleiben! Ich habe durch meine Fehler viel gelernt und nenne sie auch nicht Fehler, es sind Erfahrungen.

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Keine Ahnung! Ich probier‘ es aus, dann seh ich, ob es geklappt hat, oder ob ich gescheitert bin.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich versuche schwierige Themen in Poesie zu retten, ich schreibe nie 1:1-Geschichten. Bei mir gibt es immer die Geschichte dahinter. Zum entdecken. So komme ich über eine poetische Sprache und viel Freiraum in meinen Bildern immer dazu, schwierige Themen aufzugreifen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Ich arbeite relativ unstrukturiert. Ich bin sehr stimmungsabhängig. Auch wo ich schreibe ist sehr wichtig. Ich brauche die Umgebung, den Duft, den Atem, also suche ich diese auf, dann kann ich schreiben, losspinnen…

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Zum Beispiel arbeite ich an zwei Kinderbüchern und bereite zwei Filme vor. Den 2. Band von „Graf Wenzelslaus zu Vegesack: Der Geräuschesammler“ und „Opa Guggelmeiers Erfindungen“.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


Thomas J. Hauck im WWW

derhauck.de

thomasjohanneshauck.de

 

 

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