Game on

Mit „Game on“ legt Navessa Allen eine Dark-Romance vor, die ihre Spannung vor allem aus Kalkül, Widerstand und wachsender körperlicher wie emotionaler Nähe bezieht. Im Zentrum steht keine sanfte Liebesgeschichte, sondern eine Verbindung, die von Misstrauen, Machtfragen und deutlich spürbarer Anspannung geprägt ist.

Die Geschichte konzentriert sich auf Tyler und Stella, deren Verbindung unter schwierigen Vorzeichen beginnt. Zwischen beiden steht von Anfang an mehr als bloße Abneigung: persönliche Interessen, unausgesprochene Absichten und ein Arrangement, das sie enger aneinanderbindet, als es ihnen lieb sein kann. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, in dem Nähe selten unkompliziert wirkt und jede Annäherung einen Preis zu haben scheint. Der Roman nutzt diese Konstellation, um Reibung nicht nur als romantischen Reiz, sondern auch als dauerhafte Unsicherheit auszuspielen.

Statt auf leise Zwischentöne setzt Navessa Allen vor allem auf unmittelbare Wirkung. Die Dynamik der Hauptfiguren lebt von Provokation, Widerstand und dem Gefühl, dass in fast jeder Begegnung ein Machtkampf mitschwingt. Wer Liebesgeschichten schätzt, in denen Anziehung nicht harmonisch wächst, sondern sich zunächst in Konfrontation ausdrückt, dürfte hier einiges finden, das den Reiz des Genres ausmacht. Die eigentliche Triebkraft ist weniger eine weit ausgreifende Handlung als das Kräftemessen zwischen zwei Figuren, die einander weder ausweichen noch vertrauen können.

Interessant ist außerdem das Umfeld, in das die Handlung eingebettet ist. Der Kontrast zwischen persönlichem Begehren und einem Milieu, das stark von Status, Erwartungen und äußerer Wirkung bestimmt wird, gibt vielen Szenen zusätzliche Spannung. Dadurch bekommen Auftritte, Gesten und gesellschaftliche Rollen ein spürbares Gewicht. Der Roman arbeitet mit diesem Gegensatz wirkungsvoll: Glanz und soziale Ordnung stehen nie ganz für sich, sondern geraten ständig unter Druck, sobald die Figuren beginnen, ihre Rollen nicht mehr sauber voneinander zu trennen.

Stella und Tyler sind bewusst nicht darauf angelegt, sofort als uneingeschränkt liebenswert zu erscheinen. Beide bringen Widerstände mit, beide treffen Entscheidungen, die nicht immer einfach nachzuvollziehen sind, und beide loten wiederholt aus, wie weit sie beim anderen gehen können. Genau das macht ihre Verbindung intensiv, kann aber auch anstrengend wirken. Wer in einer Romance vor allem früh Verlässlichkeit, Offenheit und emotionale Sicherheit sucht, wird die Härte dieser Beziehung womöglich eher als Hürde erleben als als Reiz.

Auch stilistisch bleibt der Roman seiner Grundidee treu. Das Erzähltempo ist flott, viele Szenen sind auf Zuspitzung angelegt, und die emotionale Spannung wird konsequent hochgehalten. Feine psychologische Ausarbeitung steht dabei nicht immer an erster Stelle; wichtiger ist oft, dass eine Szene sofort Wirkung entfaltet. Das sorgt für Zugkraft und passt gut zu einem Stoff, der von Druck, Begehren und Kontrollverlust lebt. Zugleich verlangt diese Machart eine gewisse Bereitschaft, starke Ausschläge und genretypische Übertreibungen mitzugehen.

Am Ende ist „Game on“ vor allem ein Buch für Leserinnen und Leser, die Dark Romance nicht als bloße Dekoration, sondern als bestimmenden Tonfall lesen möchten. Die Geschichte sucht nicht in erster Linie Behaglichkeit, sondern Reizung, Konflikt und die Spannung eines ungleichen Verhältnisses. Nicht jede Entwicklung wirkt gleich fein abgestimmt, und nicht jede Figur erhält dieselbe Tiefe. Dennoch hat der Roman ein klares Profil: Er will anziehen, herausfordern und stellenweise auch bewusst unbequem sein. Gerade diese Konsequenz dürfte für viele seine besondere Wirkung ausmachen.

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun: Erstens lebt der Roman von einer angespannten Beziehungsdynamik, in der ein gespieltes Arrangement und echte Anziehung wirkungsvoll ineinandergreifen. Zweitens sorgt das von Status und Erwartungen geprägte Umfeld für zusätzlichen Druck und verleiht der Liebesgeschichte eine gesellschaftliche Schärfe. Drittens ist das Buch besonders für Leserinnen und Leser interessant, die einen dunkleren, direkteren Ton in Romance schätzen. Ein möglicher Gegenpunkt bleibt jedoch die emotionale Härte: Wer sich vor allem Wärme, Feinfühligkeit und eine frühe Vertrauensbasis wünscht, könnte auf Abstand bleiben.

Buchdaten

  • Autor: Navessa Allen
  • Verlag: Piper
  • Preis: 17,00 €
  • ISBN: 9783492067331

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Rezension von Sarah