Interview mit Manfred Schlüter

 

(c) Arne Rautenberg

(c) Arne Rautenberg

Geboren 1953 in Kellinghusen. Tiefdruckretuscheur-Lehre. Grafik-Design-Studium. Seit 1980 Bilder für Bücher. Seit 1991 Bücher mit eigenen Texten. 1983 Friedrich-Hebbel-Preis. 2008 Friedrich-Bödecker-Preis. Auszeichnungen der Stiftung Buchkunst und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach.

 

Fabelhafte Bücher: Jedes Jahr buhlen im deutschsprachigen Raum weit mehr als 100.000 Bücher in Neuauflage um die Aufmerksamkeit der Leser. Die „Konkurrenz“ ist also gewaltig. Denken Sie über sowas nach, wenn Sie ein neues Buch in Angriff nehmen?

Ganz und gar nicht. Mich interessiert meine Idee! Nichts anderes. Da wächst sehr langsam etwas, von dem ich selbst am Anfang nicht weiß, was es irgendwann einmal sein wird.

Fabelhafte Bücher: Schreibblockaden, Selbstzweifel oder einfach zu viel zu tun: Jeder Autor hat mal Durchhänger. Was ist Ihr Geheimrezept?

Zunächst einmal: Ein gesunder Selbstzweifel, der kritische Blick auf das eigene Werk, ist wichtig. Und weniger ist oftmals mehr. Darum beschränke ich die Anzahl der Projekte, an denen ich arbeite, auf einige wenige. Denen schenke ich meine ganze Kraft und Konzentration. Und wenn ich irgendwann einmal nicht weiterweiß, dann grabe halt ich den Garten um oder widme mich meiner freien Kunst. Oder ich koche etwas und treffe mich mit Freunden. Oder …

Fabelhafte Bücher: Ob Indieautor oder Verlagsautor – längst wird erwartet, dass Autoren auf ihre Leser zugehen. Lesungen reichen nicht mehr, der Autor sollte möglichst auch im Internet präsent sein. Wie viel Zeit setzen Sie ungefähr für diese Aktivitäten rund ums Buch ein?

Ich habe eine Homepage. Ich beantworte elektronische und andere Post. Vor allen Dingen aber pflege ich den direkten Kontakt zu meinen (überwiegend jungen) Lesern und Betrachtern. Ich gehe oft und gern und regelmäßig auf Lesereise, bin in Schulen, Bibliotheken und Buchhandlungen zu Gast und erzähle meine Geschichten in Wort und Bild. Lesereisen führen mich in die Schweiz, nach Dänemark, Finnland, Lettland, Italien und Österreich. In Deutschland bin ich natürlich auch unterwegs. Diese Begegnungen helfen mir in meiner Arbeit am Schreibtisch. Und sie können Kinder (auch Erwachsene) zum Lesen verführen …

Fabelhafte Bücher: Von welchen Schriftstellern sehen Sie sich in Ihrem eigenen Werk beeinflusst? Wer inspiriert Sie?

Ich bin durch den 1995 verstorbenen Boy Lornsen, den Schöpfer von „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“, zu den Büchern gekommen. Zunächst zum Illustrieren und später auch zum Schreiben. Ich hab oft mit ihm zusammengearbeitet, hab von ihm gelernt. Unter anderem, dass man auch einem kurzen Text eine Melodie, einen Rhythmus einhauchen kann. – Und sonst? Ich liebe „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas, dieses wunderbar poetische Stück für Stimmen, kongenial übersetzt von Erich Fried, schätze „Die Straße der Ölsardinen“ von John Steinbeck, die Gedichte von Arne Rautenberg …

Fabelhafte Bücher: Wieso werden von den großen Feuilletons immer nur die üblichen Verdächtigen rezensiert, die ohnehin jeder kennt? Wie könnte es gelingen, Newcomer stärker in den Vordergrund zu rücken?

Das wüsste ich auch gern.

Fabelhafte Bücher: Nach Ihren Erfahrungen – welche Anfängerfehler würden Sie im Nachhinein vermeiden – was können Sie Neulingen empfehlen, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Buch zu schreiben?

Es gibt kein Rezept. Und es gibt viele Wege. Nicht alle Wege führen zum Erfolg. Und sind dennoch wunderbare Wege. Und sollten beschritten werden …

Fabelhafte Bücher: Viele Schriftsteller tun sich beim Schreiben von Sex-Szenen ziemlich schwer. Gibt es Themen oder Situationen, bei deren Beschreibung Sie sich schwer tun?

Mir fliegen die Worte niemals zu. Ich muss immer um sie ringen. Unabhängig vom Thema.

Fabelhafte Bücher: Als heikel gelten auch politische Zuschreibungen, etwa Islamkritik oder Kritik an jüdischer Siedlungspolitik um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie gehen Sie mit dem Thema um und welchen Umgang erwarten Sie sich von Autoren insgesamt zu dem Thema?

Ich wünsche mir, dass ich dem ersten Blick immer einen zweiten folgen lasse, dem zweiten Blick einen dritten … und schließlich jene Worte (und Bilder) finde, die in der Lage sind, meine sehr persönliche Sicht auf die Dinge zu spiegeln und anderen nahezubringen.

Fabelhafte Bücher: Wenn Sie schreiben – wie strukturieren Sie Ihren Tag? Schreiben Sie, wenn Sie gerade in Stimmung sind? Oder haben Sie sich feste Zeiten reserviert?

Aufstehen. Frühstücken. Zeitung lesen. Arbeiten …

Fabelhafte Bücher: Bitte verraten Sie uns etwas über Ihr aktuelles Projekt. Wovon soll Ihr nächstes Buch handeln, was können Sie schon verraten?

Ich habe eine Vielzahl winziger Geschichten geschrieben. Sehr eigenständige Bilder werden diese Miniaturen begleiten. Das Buch wird 2016 erscheinen. Zurzeit arbeite ich an den Bildern.

Fabelhafte Bücher: Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.


 

Im www

www.manfred-schlueter.com