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Das Russland der vergangenen Jahrhunderte hat viel zum literarischen Erbe der Menschheit beigetragen. Dabei tauchen im Zeitstrahl der Geschichte große Namen auf wie Tolstoi, Dostojewski und Puschkin, die nicht nur ihre eigenen Generationen, sondern noch heute die Menschen weltweit mit ihren großen Werken prägen. Im Rahmen unserer Reihe, in der wir die berühmtesten Autoren und Schriftsteller der Weltgeschichte vorstellen, soll es in diesem Artikel um Alexander Sergejewitsch Puschkin gehen, der zu seinen Lebzeiten zwischen 1799 und 1837 ein beeindruckendes Werk aus Gedichten, Dramen und Erzählungen schuf und als Nationaldichter Russlands gilt sowie die moderne russische Literatur begründete.

Die frühen Jahre (1799 – 1816)

Puschkin wurde zur Jahrhundertwende in Moskau geboren und entstammt einem alten Adelsgeschlecht, das sich sowohl zu Zar Peter dem Großen, als auch zu einem ostafrikanischen Adelsgeschlecht zurückverfolgen lässt. Schon früh interessierte sich Puschkin für Dichtung und Literatur, seine ersten Gedichte entstanden bereits ab 1813. Seine frühe Lyrik zeichnet sich besonders durch ihre starke Lebensfreude aus. Bereits zu dieser Zeit interessierte sich Puschkin ebenfalls stark für die Reformation der russischen Sprache und trat in der Folge in die Petersburger Arsamas ein, einer Gruppierung berühmter Polemiker, die sich gegen die etablierten Beschützer der russischen Sprache wandte.

Die Petersburger Zeit (1817 – 1820)

Nach seiner frühen literarischen Zeit und seinem Umzug nach Sankt Petersburg, änderte sich sein lyrischer Stil von lebensbejahenden Gedichten zur klassischen Elegie, einer Form der Klagelyrik. Dort vertiefte er auch sein Verhältnis zur Arsamas-Bewegung und hatte Beziehungen zur revolutionär-Anti-Zarischen Dekabristenbewegung. Immer wieder kritisierte er etablierte Politiker in Spottgedichten, was ihn schließlich zwang, die Stadt zu verlassen und in den Süden Russlands zu flüchten.

Eugen Onegin (1823 – 1831)

In den Folgejahren reiste Puschkin viel und begann sein bedeutendstes Werk, den Versepos „Eugen Onegin“ zu schreiben, der bereits nach seinem Erscheinen 1833 als russisches Nationalepos, beziehungsweise als eine Art Enzyklopädie der zeitgenössischen russischen Gesellschaft, verstanden wurde. Dabei verschmelzen Form und Inhalt in einer Parodie des Beschriebenen selbst, aber auch der verwendeten literarischen Stilmittel.

Die große Schaffensperiode (1831 – 1837)

In der russischen Provinz entstanden auch Puschkins letzten großen Werke, unter anderem seine Kurzgeschichte „Pique Dame“. Eine entscheidende Rolle spielen in dieser Erzählung, das Kartenspiel Pharo und drei Gewinnkarten. Die Thematisierung von Casinospielen in russischer und internationaler Weltliteratur ist tatsächlich keine Seltenheit, so steht Puschkin in einer Reihe mit Namen wie Fjodor Dostojewski, der 1867 seiner Frau den Roman „Der Spieler“ in nur 26 Tagen diktierte.

Während Dostojewski das Spiel Roulette und seine Auswirkungen auf die Leben seiner Romanpersonen im späteren Deutschland und Frankreich thematisiert, verbindet Puschkin in „Pique Dame“ sehr eindrucksvoll die russische Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts mit übernatürlichen Elementen. Es geht es um den sparsamen Offizier Hermann, der versucht, von einer rätselhaften Gräfin hinter ein Geheimnis zu kommen, wie er wiederholt im Pharo gewinnen kann. Letztlich erleiden beide Protagonisten in Puschkins und Dostojewskis Werken ein ähnliches Schicksal.

Früher Tod 1837

Puschkin starb 1837 frühzeitig an den Folgen eines Duells gegen einen Adligen, der um seine Frau gebuhlt hatte. Damit erleidet er ein sehr ähnliches Schicksal wie seine Romanfigur Wladimir Lensky in „Eugen Onegin“. Auch dieser stirbt in einem Duell, nachdem sein Gegner (Onegin) um seine Frau gebuhlt hatte. Anders jedoch als in der Romanvorlage hatte nicht Puschkin als Ehemann, sondern sein Gegner das Duell gefordert. Puschkins Tod löste in Russland eine Welle der Entrüstung, Trauer und Wut aus, in deren Folge viele andere Schriftsteller laut die Umstände des Duells kritisierten, aber auch eine Mitschuld der Hofgesellschaft anprangerten.

Puschkin und die Zensur

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Insgesamt bot das Leben des Dichters viele Anhaltspunkte, um auf eventuelle Intrigen zu spekulieren. Seit seiner Jugend war Puschkin verbunden mit oder Mitglied in verschiedenen Vereinigungen, die die etablierte russische Sprache offen reformieren wollten oder die Obrigkeit kritisierten. Puschkin selbst musste aufgrund seiner parodistischen Spottgedichte Sankt Petersburg verlassen und litt in der Folge unter stetiger Beobachtung.

Als er sich 1824 zudem positiv gegenüber dem Atheismus äußerte, wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und durfte zwar ab 1826 wieder aus dem Exil in die Stadt zurückkehren, wurde aber von Zar Nikolaus I. persönlich kontrolliert und zensiert. Erst durch seine Hochzeit mit Natalja Gontscharowa wurde sein gesellschaftlicher Status wiederhergestellt, denn diese genoss ein großes Ansehen in der Sankt Petersburger Gesellschaft sowie am Hof des Zaren. Im Gegensatz zu ihrem Mann fand sie dieses Leben auch sehr erstrebenswert, was den ohnehin armen Dichter Puschkin noch mehr in die Schulden trieb. Im Grunde wünschte er sich, so lassen es seine Gedichte interpretieren, ein einfaches Leben auf dem Land, fernab der Intrigen und dem Trubel der russischen Stadtgesellschaft.

Fazit

Trotz seines relativ kurzen Lebens war Alexander Puschkin in der Lage, ein beeindruckendes Werk zu erschaffen, das ihn innerhalb der Grenzen Russlands zum Nationaldichter avancieren ließ. Er mischte in seinem literarischen Stil verschiedene Richtungen und etablierte die russische Umgangssprache im Gegensatz zum aristokratischen Russisch der damaligen Zeit, das insbesondere durch das Französische geprägt war. Gerade diese Vielseitigkeit, aber auch die Begründung der russischen Moderne, machen ihn bis heute zum am meisten verehrten Schriftsteller in Russland, auch wenn andere Autoren im Ausland durchaus bekannter sind.