
Arno Strobel schlägt als Schriftsteller eine Brücke zwischen zwei Welten, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein könnten: Als IT-Spezialist blickt er auf Zahlen und Systeme, als Thrillerautor taucht er ab in Abgründe der Psyche. Vielleicht liegt genau in diesem Gegensatz der Reiz seines Werks, das wie nebenbei die Debatte zwischen Technik und Kreativität im deutschen Gegenwartskrimi aufnimmt.
Leben und Zeit
Die Geburtsstadt Saarlouis und das Rheinland der 1960er und 1970er Jahre bilden die Koordinaten, zwischen denen Arno Strobel sich zunächst orientiert. Während Deutschland den wirtschaftlichen Aufschwung erlebt und der Literaturbetrieb das Thriller- und Krimigenre entdeckt, studiert Strobel zunächst Versorgungstechnik und Informationstechnologie. Die rationale Durchdringung von Strukturen, der Wunsch, Klarheit und Ordnung zu schaffen – das bleibt ein Unterstrom seines Werdegangs. Nach dem Studium folgt eine Karriere als IT-Berater, er arbeitet für eine große deutsche Bank in Luxemburg und wohnt mit seiner Familie in der Nähe von Trier. Über Jahrzehnte bleibt der Alltag geprägt von Technik und Organisation – bis eines Tages der Drang, Geschichten zu erzählen, überwiegt.
Der Weg zum Schreiben
Erst mit beinahe vierzig Jahren wagt Strobel den Wechsel: Der Debütroman „Magus – Die Bruderschaft“ erschien zunächst in einem von Strobel mitgegründeten Kleinverlag und wurde später von größeren Verlagen übernommen. Von Beginn an war es ein Werk jenseits der Konventionen. Angetrieben wohl weniger von einer literarischen Sucht, denn von der Neugier, konnte sein erstes Buch durch Mundpropaganda und soziale Netzwerke eine eigenständige Dynamik entfalten. Die Resonanz gibt ihm recht; der Schritt vom Hobby zum Hauptberuf ist ungewöhnlich spät und nicht frei von Zweifeln. Wiederkehrende Themen sind dabei Ausdauer und eine Skepsis gegenüber dem Zufall. Die Erfahrung, dass Glück und Beharrlichkeit im kreativen Feld zuweilen im Missverhältnis stehen, zieht sich durch Strobels Reflexionen über seine spätere Karriere.
Der Mensch hinter den Büchern
Strobel, der von sich selbst sagt, er sei „ganz normal“, findet sein literarisches Material eher aus den Schatten am Rande des Alltags als im Sensationellen. Er betont in Interviews, auf alles zu verzichten, was nach Füllstoff riecht. Der Stil ist klar, der Plot meist straff und zielgerichtet. An der Grenze von Realität und Wahrnehmung lotet Strobel aus, wie weit Leser und Figuren sich in Zweifel und gedanklichen Abgründen verlieren können. Die nüchtern-technische Herkunft schwingt in seiner Arbeitsweise mit – Reduktion statt Überladung, Logik anstelle von Mystifizierung. Trotzdem gesteht er spielerisch ein, manchmal eben auch „seltsame Dinge“ zu schreiben und die Normalität der eigenen Person als Kontrastfolie zum Unnormalen des Plots zu begreifen.
Das Werk: Was man lesen sollte
Wer Strobels Entwicklung nachvollziehen möchte, beginnt am besten 2007 bei "Magus – Die Bruderschaft": Ein Roman, der nicht nur als inhaltlicher Auftakt dient, sondern auch als Zeugnis für Selbstentwurf und Durchhaltewillen. „Der Trakt“ festigt dann 2010 Strobels Platz im Psychothriller-Genre, während „Das Wesen“ aufzeigt, wie differenziert sich mit psychologischen Abgründen arbeiten lässt. Wer einen Blick auf das Metaspiel wagt, sollte „Das Skript“ lesen – darin wird aus Fiktion buchstäblich Realität. Die jüngere Cold-Case-Serie "Ungelöst" – um eine Medizinstudentin und einen Kommissar – verschiebt den Fokus noch einmal: von der Tat zum Rätsel, von der Eindeutigkeit zur Mehrdeutigkeit. Strobels Bücher sind regelmäßig auf Bestsellerlisten vertreten und wurden in verschiedene Sprachen übersetzt.
Verfasst vom Autorenteam.

