Pearl S. Buck
Bild: Wikimedia Commons Quelle

Pearl S. Buck machte den Alltag der chinesischen Landbevölkerung für ein westliches Publikum literarisch greifbar. Angetrieben von ihren Erfahrungen als Tochter von Missionaren, engagierte sie sich über ihre Bücher hinaus für soziale Gerechtigkeit. Ihre Werke, etwa "The Good Earth", schlagen Brücken zwischen Kulturen – und irritieren bis heute mit ihrer Perspektive auf Ost und West.

Kaum eine Autorin des 20. Jahrhunderts hat sich so entschieden zwischen den kulturellen Stühlen bewegt wie Pearl S. Buck. Sie wurde in den Vereinigten Staaten geboren, wuchs aber größtenteils in China auf. Sie schrieb auf Englisch, dachte aber früh in zwei kulturellen Erfahrungsräumen. Sie wurde in Amerika berühmt, schöpfte ihren literarischen Stoff jedoch aus chinesischen Lebenswelten. 1938 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur – und blieb dennoch eine umstrittene Figur. Ihr Lebenslauf führt durch gelebte Zwischenwelten. Buck war weder einfach amerikanische Beobachterin Chinas noch chinesische Stimme in westlicher Sprache. Gerade diese Zwischenposition machte ihr Werk erfolgreich, aber auch angreifbar. Ihre Bücher erzählen von Armut, Familie, Arbeit, Würde und gesellschaftlichem Wandel. Dabei steht nicht das Exotische im Vordergrund, sondern das Alltägliche: Hunger, Ernte, Geburt, Ehe, Besitz, Verlust und Überleben.

Leben und Zeit

Pearl S. Buck wurde am 26. Juni 1892 als Pearl Comfort Sydenstricker in Hillsboro, West Virginia, geboren. Ihre Eltern, Absalom und Caroline Sydenstricker, waren presbyterianische Missionare. Schon kurz nach ihrer Geburt kehrte die Familie nach China zurück. Buck verbrachte ihre Kindheit zunächst in Huai’an und später in Zhenjiang. Diese frühe Prägung bestimmte ihr Leben und ihr literarisches Werk nachhaltig. China befand sich in jener Zeit in tiefgreifenden Umbrüchen. Das Kaiserreich verlor an Stabilität, westliche Mächte übten politischen und wirtschaftlichen Druck aus, Missionsgesellschaften waren Teil kolonial geprägter Machtverhältnisse, und zugleich wuchsen revolutionäre Bewegungen. Buck erlebte diese Spannungen nicht aus der Distanz, sondern als Teil ihres Alltags. Sie wuchs mit chinesischen Spielkameraden auf, lernte Chinesisch und bewegte sich zwischen der Welt ihrer amerikanischen Familie und der chinesischen Umgebung, in der sie lebte.

1911 ging Buck zum Studium in die Vereinigten Staaten. Am Randolph-Macon Woman’s College in Virginia erhielt sie eine westliche akademische Ausbildung. Doch Amerika blieb für sie zunächst nicht der eigentliche Lebensmittelpunkt. 1914 kehrte sie nach China zurück und arbeitete wie ihre Eltern im Umfeld der presbyterianischen Mission. Dort lernte sie den Agrarökonomen und Missionar John Lossing Buck kennen, den sie 1918 heiratete.

Das Paar lebte unter anderem in Suzhou in der Provinz Anhui und später in Nanjing. Buck unterrichtete englische Literatur und Sprache, unter anderem an der Universität Nanjing. Diese Jahre gaben ihr einen genauen Blick auf ländliche Lebensverhältnisse, auf soziale Hierarchien, familiäre Strukturen und die Rolle von Frauen in einer Gesellschaft zwischen Tradition und Umbruch. Anders als viele westliche Autoren ihrer Zeit interessierte sie sich weniger für höfische, politische oder exotisierende Bilder Chinas. Sie richtete den Blick auf Bauern, Mütter, Kinder, Alte und Arbeiter.

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Auch privat war Bucks Leben von Belastungen geprägt. Ihre Tochter Carol, geboren 1920, litt an Phenylketonurie, einer damals kaum erforschten Stoffwechselkrankheit, die zu einer schweren geistigen Behinderung führte. Buck verarbeitete diese Erfahrung später in dem Buch The Child Who Never Grew, das in deutscher Übersetzung unter dem Titel Geliebtes unglückliches Kind erschien. Darin schrieb sie offen über Mutterschaft, Schmerz, Schuldgefühle und gesellschaftliche Vorurteile gegenüber behinderten Kindern – Themen, die damals selten öffentlich behandelt wurden.

1927 verschärfte sich die politische Lage in China. Während der Unruhen des Bürgerkriegs musste Buck mit ihrer Familie aus Nanjing fliehen. Die Erfahrung von Gewalt, Unsicherheit und Fremdheit bestätigte sie in ihrer Überzeugung, dass Kulturen einander nicht nur politisch, sondern auch menschlich verstehen müssten. 1934 verließ sie China endgültig und ließ sich in den Vereinigten Staaten nieder. Ein Jahr später wurde ihre Ehe mit John Lossing Buck geschieden; anschließend heiratete sie den Verleger Richard J. Walsh.

Verfasst vom Autorenteam.