Rezension von Anastasia

Inhalt

Die Schafe schlafen wie jede Nacht auf der Weide, als sie plötzlich von einem hellen Licht geweckt werden – sehr ungewöhnlich. Als sie dann auch noch entdecken, dass ihre Hirten nicht mehr an der Feuerstelle sitzen, geraten sie in Panik – und die wildesten Theorien von UFOs bis hin zu Himmelsboten werden gesponnen.

Von einer Ziege erfahren sie, dass ihre Hirten eine frohe Botschaft erhalten haben und sich daraufhin auf den Weg gemacht haben, um einem kleinen Kind, das in dieser Nacht geboren wurde, die Ehre zu erweisen. Also machen sich die Schafe kurzerhand ebenfalls auf den Weg zur Stadt. Ob sie nach etlichen Hürden, falschen Richtungen, Diskussionen und Gefahren wohl noch rechtzeitig an der Krippe ankommen, um einen Blick auf das Baby – bestimmt ein Mädchen, da sind sie sich einig – zu werfen?

Rezension

Ulrich Hub hat mit dieser Geschichte bereits sein zweites an der Bibel angelehntes Kinderbuch veröffentlicht. Sein erstes Buch, An der Arche um Acht, ist 2017 erschienen und wurde zum Bestseller.

Im September ist nun, kurz vor Weihnachten, Das letzte Schaf beim Carlsen Verlag erschienen. Für die, die noch nicht von selbst darauf gekommen sind: Die Geschichte basiert auf der Weihnachtsgeschichte, die die Geburt Jesu Christi erzählt. In dieser kommen Hirten mit ihren Schafen vor – wobei die Schafe eine untergeordnete Rolle spielen.

Ausgangslage dieses Buches ist, dass die Hirten sich zum Stall aufgemacht haben und die Schafe nicht wissen, was passiert ist. Der Leser erfährt somit einmal aus einer ganz anderen Perspektive – nämlich der der Schafe – was sich in der Nacht vorgetragen hat. Dabei werden die wichtigsten Informationen, die auch in der Originalfassung relevant sind, Stück für Stück aufgedeckt. Informationen, die noch nicht bekannt sind, werden durch wilde Spekulationen ersetzt – was gerade für Leser, die die Weihnachtsgeschichte bereits kennen, sehr lustig ist.

Ulrich Hub erzählt die Geschichte – basierend auf dem in eher komplizierter Sprache verfassten Originaltext – in einer kindgerechten und leicht verständlichen Sprache, die aber auch einige grundlegende Zitate des Originals nicht unberücksichtigt lässt.

Die Schilderungen beinhalten zudem viele lustige Sprüche und auch eine Menge Sarkasmus – was allerdings von Kindern vielleicht noch nicht so verstanden wird. Hier bietet sich das gemeinsame Gespräch mit Erwachsenen an, auch, um gewisse fragwürdige Verhaltensweisen kritisch zu reflektieren.

Was die Charaktere betrifft, gibt es in diesem Buch vorwiegend Tiere – die Schafe, eine Ziege, einen Ochsen, einen Esel und drei Kamele – wer schonmal ein Krippenspiel gesehen hat, dem wird diese tierische Konstellation bekannt vorkommen.

Die Schafe sind wie Personen dargestellt – alle haben unterschiedliche Merkmale, Vorlieben und Charaktere. So gibt es beispielsweise ein Schaf mit einer Zahnspange, ein Schaf mit einer Mütze und natürlich das titelgebende letzte Schaf. Letzteres spielt zu Beginn der Geschichte – entgegen der allgemeinen Erwartung – erst einmal eine untergeordnete Rolle, sodass man sich manchmal fragt, woher der Titel eigentlich kommt. Aber dann trägt es doch noch einen wichtigen Teil zur Geschichte bei.

Wer sich jetzt fragt: Hä, ein Schaf mit Zahnspange? Genau! Eine weitere Besonderheit des Buches ist der Bezug zu unserer modernen Welt und der Alltagswelt der Kinder. So gehen die Schafe ebenfalls paarweise auf den Ausflug – wie in der Grundschule. Und auch sonst gibt es den einen oder anderen Verweis auf den Alltag an Grundschulen. Daneben werden aber auch einige Verhaltensweise und Phänomene der heutigen Gesellschaft angesprochen und zum Teil kritisch hinterfragt. Dies bietet viel Gesprächsstoff und lädt zu der Überlegung ein: Wie würde die Geschichte zur heutigen Zeit ablaufen?

Und vielleicht findet der eine oder andere aufmerksame Leser auch Anspielungen auf ein bekanntes Märchen der Brüder Grimm.

Die Illustrationen von Jörg Mühle werten die Geschichte noch einmal zusätzlich auf. Die eher karikaturistischen und in ihrer Farbgebung dezenten Zeichnungen sind sowohl niedlich als auch lustig – und bereichern das Leseerlebnis.

Zum Selberlesen ist die Geschichte übrigens erst ab etwa der dritten Klasse geeignet, da die Schrift doch recht klein ist.

Fazit

Die biblische Weihnachtsgeschichte mal anders. Ulrich Hub ist ein Buch gelungen, das sowohl die meisten wichtigen Informationen zur Geburt Jesu enthält und gleichzeitig so abgedreht und lustig ist, dass man öfters einfach nur laut loslachen kann.

Ob zum Vorlesen, zum Selberlesen oder zur Verwendung im Religionsunterricht der Grundschule – dieses Buch ist einfach klasse!

Es bietet für Kindergarten und Grundschule auch die Möglichkeit, einmal ein etwas anderes Krippenspiel mit den Kindern einzustudieren, was sicherlich eine willkommene Abwechslung darstellt.

Wegen der zahlreichen Verweise auf die Lebenswelt von Grundschulkindern ist es meiner Meinung nach vorwiegend für Kinder im Grundschulalter geeignet – denn diese können sich am ehesten mit den Schafen identifizieren. Aber auch etwas jüngere Kinder, Eltern, Lehrer und Erzieher werden sicherlich ihren Spaß an der Geschichte haben.

Ein Buch, das zur Weihnachtszeit nicht mehr fehlen darf und daher sehr zu empfehlen ist.