The Long Game

Rachel Reid erzählt in „The Long Game“ von einer Beziehung, die längst existiert, bevor der Roman richtig einsetzt. Im Mittelpunkt stehen zwei Männer, deren Karrieren im Profieishockey sie ständig ins Rampenlicht stellen, während sie privat viel Mühe darauf verwenden, ihre Nähe zu schützen. Daraus entsteht eine Liebesgeschichte mit hoher innerer Spannung, in der nicht das große Ereignis, sondern das Aushalten von Unsicherheit und Erwartungsdruck zählt.

Shane Hollander und Ilya Rozanov bilden das Zentrum eines Romans, der eine bereits gewachsene Verbindung in den Fokus rückt. Beide sind erfolgreiche Eishockeyspieler, beide kennen den ständigen Blick von außen, und beide versuchen seit Jahren, ihre Beziehung vor dem Rest der Welt abzuschirmen. Zwischen Spielen, Reisen und öffentlicher Aufmerksamkeit entfaltet sich so eine Geschichte, in der Privatsphäre, Karriere und das mögliche Offenlegen der eigenen Liebe immer wieder miteinander kollidieren.

Der besondere Reiz liegt darin, dass Reid keine klassische Annäherungsromanze erzählt, sondern eine Liebe, die schon Bestand hat und trotzdem alles andere als unkompliziert ist. Dadurch verschiebt sich der Schwerpunkt weg von äußeren Wendungen hin zu Fragen des Vertrauens: Wie spricht man miteinander, wenn Schweigen über Jahre zur Gewohnheit geworden ist? Wann schützt Verschwiegenheit, und wann beginnt sie, Beziehungen zu belasten? Aus dieser Spannung zieht der Roman einen großen Teil seiner Wirkung.

Überzeugend ist auch, wie fein die Autorin die Atmosphäre zwischen Nähe und Anspannung gestaltet. Die Beziehung wirkt nicht konstruiert, sondern historisch gewachsen, mit gemeinsamen Routinen, Rückschlägen und einem eigenen emotionalen Gewicht. Gleichzeitig bleibt die Welt des Profisports lebendig eingebunden: Der Druck durch Leistung, Öffentlichkeit und Erwartung ist nicht bloß Hintergrund, sondern prägt die Entscheidungen der Figuren auf spürbare Weise.

Sprachlich setzt der Roman auf eine klare, gut lesbare Prosa, die Gefühle nicht ausstellt, sondern präzise nachzeichnet. Gerade dadurch entstehen Momente, in denen Sehnsucht, Unsicherheit und Frustration besonders deutlich werden. Wer Bücher schätzt, die weniger auf Spektakel als auf Beziehungskonflikte und innere Bewegung setzen, dürfte hier gut aufgehoben sein.

Allerdings verlangt die Geschichte auch die Bereitschaft, sich auf ein gemächlicheres Tempo einzulassen. Statt rasanter Handlung dominieren Gespräche, Beobachtungen und emotionale Zwischentöne. Das macht den Roman nicht beliebig, sondern im Gegenteil konzentriert: Er interessiert sich beharrlich dafür, wie Liebe unter öffentlichem Druck bestehen kann, ohne einfache Lösungen zu liefern.

Am Ende bleibt „The Long Game“ als Roman über Vertrauen, Sichtbarkeit und die Schwierigkeit im Gedächtnis, ein Leben zu führen, das nicht nur von sportlicher Leistung bestimmt ist. Die Mischung aus romantischer Spannung, psychologischer Nähe und dem markanten Setting im Profieishockey gibt dem Buch ein klares Profil. Es ist die Geschichte zweier Männer, die einander längst zu gut kennen, um noch ausweichen zu können, und die trotzdem erst lernen müssen, wirklich offen miteinander zu sein.

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Drei Gründe, dieses Buch zu lesen – und ein Grund, es nicht zu tun

Drei gute Gründe sprechen für „The Long Game“: Erstens erzählt der Roman keine übliche Kennenlernphase, sondern stellt eine bereits lange bestehende Beziehung in den Mittelpunkt. Zweitens sind die Hauptfiguren mit ihrer Mischung aus Ehrgeiz, Verletzlichkeit und öffentlichem Druck überzeugend angelegt. Drittens gibt das Umfeld des Profi-Eishockeys der Geschichte eine eigene Dynamik und einen prägnanten Ton. Ein möglicher Einwand: Wer vor allem Tempo, Action und große äußere Konflikte sucht, wird stärker von Dialogen und inneren Spannungen als von Plot-Eskalationen getragen.

Buchdaten

  • Autor: Rachel Reid
  • Verlag: Adrian Wimmelbuchverlag
  • Preis: 20,00 €
  • ISBN: 9783985854059

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Rezension von Matthias