Rezension von Annemarie

Tiere sind seelenlose Wesen, die dem Menschen zum Vergnügen dienen. Diese Einstellung ist zum Glück heutzutage wissenschaftlich nicht mehr haltbar. Doch noch immer gelten Tiere als vergleichsweise primitiv und instinktgesteuert, ihr Sozialleben deutlich simpler als das des Menschen. Dass dies absolut falsch ist, erläutert Carl Safina in diesem Buch. Dabei schreibt Safina, Bestsellerautor und international einer der bekanntesten Naturschriftsteller, von seinen Erlebnissen, Erfahrungen und Erkenntnissen sowie von den Erlebnissen anderer. Er führt zudem wissenschaftliche Studien an, die belegen, dass Tiere ein sehr viel komplexeres Sozialleben haben, sehr viel begabter und intelligenter und sehr viel fürsorglicher und bedachter sind, als wir Menschen bisher dachten.

Schwerpunktmäßig werden hierbei die Afrikanischen Elefanten, die Wölfe im Yellowstone-Nationalpark und die Orcas – auch Killerwale genannt – behandelt. All diese Tierarten haben eines gemeinsam: Sie leben in einem komplexen Sozialgefüge, ähnlich dem des Menschen. Bei all diesen Arten werden die einzelnen Tiere mittels Namen oder Nummern personifiziert und es wird der Werdegang einiger Tiere erzählt.

Das Buch besteht aus vier Teilen. Der erste Teil lautet „Das Trompeten der Elefanten“ und handelt von eben diesen, den Afrikanischen Elefanten. Im zweiten Teil „Das Heulen der Wölfe“ wird das Sozialleben der Wölfe im Yellowstone-Nationalpark behandelt. Im dritten Teil „Jaulen und Ärgernisse“ werden die allzu menschlichen Eigenschaften unterschiedlicher Tierarten erläutert, während der vierte „Der Gesang der Wale“ sich mit den Eigenschaften der Wale, insbesondere der Orcas, aber auch der Pottwale und Delfine, befasst. Vorwort und Nachwort bilden den Rahmen dieses Buches, der durch die Auswahlbibliographie, Anmerkungsverzeichnis und Abbildungsverzeichnis komplettiert wird. Jeder dieser Teile ist in mehrere Kapitel unterteilt – mit Ausnahme eines Teils bestehen alle aus mindestens zwölf Kapiteln.

Rezension

Es gibt Bücher, die einen packen. Und es gibt Bücher, die einen verändern. Die einem ganz deutlich machen, dass das bisherige Weltbild – das eigene sowie das kollektive – so nicht mehr zu halten ist. Dieses Buch macht beides – packen und verändern. Selten habe ich ein dermaßen schönes und in seiner Schönheit zugleich trauriges Buch gelesen. Selten liegen grenzenlose Schönheit und endlose Traurigkeit und Melancholie so eng beieinander wie in diesem Werk. Große Bewunderung und Staunen über die Eigenschaften der Tiere direkt neben der Trauer, dass eben diese Tiere gnadenlos abgeschlachtet werden – von der eigenen Art, dem Menschen.

Ich habe das Buch in einem durchgelesen; ich muss aber zugeben, dass ich manchmal eine kurze Pause machen musste, weil das grenzenlos Traurige, wenn ein ausführlich und facettenreich vorgestelltes, irgendwie allzu menschliches, Tier grausam getötet wird, manchmal nur schwer zu ertragen ist. Teilweise geht der Autor – wie nicht anders zu erwarten bei einem dermaßen umfangreichen Buch – auch sehr ins Detail und erläutert umfassend die Hintergründe. Wenn einen diese weniger interessieren, kann man die Seiten auch überblättern. Das geht ganz gut, da ein neues Thema immer mit einem neuen Absatz beginnt.

Jetzt aber zu einem großen Manko. Das Buch weißt einige Fehler auf. Schon die Rechtschreibfehler, die in diesem Buch ungewöhnlich oft vorkommen, haben mich etwas genervt. Dass dann aber noch inhaltliche Fehler hinzukommen, hat mich schon verärgert. So schreibt der Autor fälschlicherweise, dass die Yellowstone-Wölfe schon in den 1970er-Jahren angesiedelt wurden. (Tatsächlich erfolgte die Wiederansiedlung erst in den 1990er-Jahren.) Besonders bei einem Buch mit einer dermaßenen Brisanz, einem Buch, das sonst sehr gut pro Tierschutz eingesetzt werden könnte, sind inhaltliche Fehler aber fatal und bewirken, dass der Autor an Glaubwürdigkeit verliert.
Dennoch ein beeindruckendes Buch, das einem deutlich macht, wie nahe wir Säugetiere einander eigentlich stehen. Es hat das Potential, große Veränderungen zu bewirken.

Fazit: Ein unheimlich berührendes, schönes wie trauriges Buch, das einem anhand vieler Beispiele verdeutlicht, wie ähnlich uns viele Tiere sind. Da es einen fundamentalen Irrtum mit weitreichenden Konsequenzen aufklärt, ist es eigentlich für jeden Menschen zu empfehlen.

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