Rezension von Mona

Inhalt

Die Autorin ist Rechtsanwältin und betreut Frauen, die geschlechtsspezifische, rassistische, homophobe oder menschenverachtende Gewalt erfahren haben. In diesem Buch erzählt sie fiktive Geschichten betroffener Frauen, die exemplarisch für all die Geschichten stehen, die sie juristisch betreut hat und die in der Art und Weise ständig passieren.

„Es geht mir darum, strukturelle Probleme dieser Gesellschaft anhand von Geschichten aufzuzeigen, die ähnlich andauernd passieren. […] Dieses Buch soll den Blick auf die betroffenen Frauen lenken, ihre Schicksale und ihren Kampf. Es soll Anstoß geben, endlich gesamtgesellschaftlich das Massenphänomen der geschlechtsspezifischen Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Aber auch Zuversicht, dass es sich lohn.“

Insgesamt erleben wir hier 8 beispielhafte Schicksale von Frauen, die unter Partnerschaftsgewalt, sexuellen Kindesmissbrauchs und Stalking leiden mussten. Dabei sind ihre Wege und ihr Umgang damit komplett unterschiedlich, auch die Reaktionen des Umfelds und die Erwartungen an das Opfer sind ein wesentlicher Bestandteil des Prozesses. Und innerhalb dessen geht jede Frau ihren eigenen Weg, muss sich den Dämonen ganz unterschiedlich stellen.

Rezension

Was Frau Clemm besonders ankreidet ist, wie Opfer und potenzielle Opfer sich, zusätzlich zu ihren erlebten Traumata, viel zu oft einem System stellen müssen, das sie unwürdig behandelt, ihnen nicht glaubt, ihnen ihre Erlebnisse abspricht und den Betroffenen Absichten unterstellt, die zusätzlich traumatisieren können.

Um diese Fälle als Leser juristisch bewerten und einordnen zu können, kommentiert die Autorin jede Geschichte und lässt uns an ihrem reichen Erfahrungsschatz und Fachkenntnissen teilhaben. Das bringt das Erzählte auf eine Sachebene, die unbedingt notwendig ist, um solche Fälle als Laie beurteilen zu können.

Sie, und das ist elementar wichtig für das Verständnis der Thematik, berichtet außerdem von Hürden, denen Betroffene sich stellen müssen, um ihrem Peiniger (geschlechtsneutral) zur Strafanzeige zu bringen. Seien es kulturelle- oder sprachliche Barrieren, Schuldgefühle, Scham oder die Angst vor einem System, das sie verunglimpft und/oder nicht ernst nimmt.

Fazit

Um Missstände aufzudecken, braucht es unbedingt Involvierte eines Systems, die sich trauen, von ihren Erfahrungen zu berichten und eine Veränderung herbeizuführen. Deshalb habe ich großen Respekt vor der Arbeit der Autorin und ihrem Willen und ihren Bemühungen, dieser Funke zu sein!