Rezension von Annemarie

Wer Mitte 30 ist, sollte im Leben angekommen sein, seinen Weg gefunden haben, geheiratet haben, Nachwuchs gezeugt, ein Haus besitzen und einen Baum gepflanzt haben – so das traditionelle Bild des Volksmunds. Doch wie geht es den Menschen, die diese Ziele nicht erreicht haben, gar nicht erreichen wollten? Wie fühlen sich die, die die Ziele mit Bravour geschafft haben? Und wie leben Frauen Mitte 30 generell? Was sind ihre Träume, Wünsche, Hoffnungen, vielleicht auch Ängste? Um das herauszufinden, haben die Autorinnen dieses Buches, Christine Färber und Simone Unger, eine Reise quer durch die Republik gemacht und die unterschiedlichsten Frauen besucht und interviewt. Die Interviews von 15 Frauen sind in diesem Buch abgedruckt. Dabei sind die Interviews nicht wie ein klassisches Interview abgedruckt, sondern im Volltext – so, dass jede Person quasi ihre Lebensgeschichte selbst zu erzählen scheint. Jeder interviewten Person ist dabei ein Kapitel gewidmet. Bei der Kapitelüberschrift handelt es sich um einen kurzen Satz, der bezeichnend für die jeweilige Person ist, etwa „Und dann habe ich einfach losgelassen“.

Am Anfang jedes Kapitels, oder jeder Geschichte einer Frau, wird die jeweilige Person von den Autorinnen kurz, auf maximal einer Seite, mit ihren beruflichen und privaten Aktivitäten und ihrer familiären Situation vorgestellt. Zwischen den Kapiteln, quasi als Leitthema, berichten die Autorinnen von ihrer Reise quer durch Deutschland zu den Frauen und erläutern dabei auch ihre eigene Situation und ihre eigene Gefühlswelt.

Rezension

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, sollte wissen, dass es keinen Objektivitätsanspruch erhebt. Im Gegenteil, es ist sehr subjektiv geschrieben, mehr eine Reportage über die Frau Mitte 30. Dazu passt, dass auch die beiden Autorinnen Mitte bis Ende 30 sind und daher selbst in der Situation sind, in der sich die interviewten Personen befinden.

So gelang den Autorinnen ein intensiver, oftmals sehr persönlicher Einblick in die Gefühlswert und das Leben von Frauen Mitte 30. Und dies gefiel mir wirklich gut. Schön ist auch, dass der Text als Volltext geschrieben ist, nicht als Interview, ohne Dopplungen, ohne „Äh“ und „Ähm“ und in Schriftsprache. Dies erleichterte das Lesen doch sehr. Nachteil dieser Variante ist natürlich, dass der Vergleich der unterschiedlichen Lebenseinstellungen so – anders als bei einem direkten Interview mit vorher festgelegten Fragen – nicht so gut möglich ist. Dies wäre aber, in Anbetracht der Tatsache, dass einige Frauen nicht auf alles eine Antwort geben wollten, auch schwierig geworden. Gut gefallen hat mir zudem, dass die Interviews von sehr unterschiedlichen Frauen abgedruckt sind. So sind sowohl Frauen, die den „klassischen“ Weg mit Mann, Kindern und Haus gewählt haben, vorgestellt, als auch Frauen, die sich den Rollenbildern komplett widersetzen – bis hin zu einer transsexuellen Frau, die als männliche Person geboren wurde. Dieses bunte Potpourri beruht sicherlich auch darauf, dass die Autorinnen mehr als die im Buch stehenden 15 Frauen befragt und nur eine Auswahl der Interviews veröffentlicht hatten. Spannend fand ich darüber hinaus, zu erfahren, was die Frauen aus ihrem Leben gemacht haben, wie sie sich mit den Voraussetzungen, die sie hatten, ein Leben aufgebaut haben und was sie in ihrer Situation am meisten beschäftigt.

Fazit

Eine sehr persönliche Reportage über die Lebens – und Gefühlswelt von Frauen Mitte 30. Jedem zu empfehlen, der verstehen möchte, wie Frauen Mitte 30 „ticken“ und was sie beschäftigt.

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