Rezension von Annemarie

Der Aussage, dass Tiere rein instinktgesteuerte Lebewesen sind, die keinerlei Gefühle habe, dürfte mittlerweile bei einem großen Teil der Menschen widersprochen werden. Doch können sie auch zärtlich sein, Mitgefühl mit anderen Wesen haben und fürsorglich zu anderen sein? Diese als typisch menschlich geltenden Eigenschaften werden Tiere bis heute noch von vielen abgesprochen. Doch genau diese Eigenschaften besitzen Tiere – und oftmals in deutlicher Ausprägung.

Claude Béata, hauptberuflich Veterinär und Psychologe und einer der Pioniere im Bereich der Emotionsforschung bei Tieren, nebenberuflich Bestsellerautor, beschäftigt sich mit diesem Thema. Dabei betrachtet er das Ganze vom wissenschaftlichen Standpunkt aus und bringt dem Leser nebenbei wissenschaftliches Fachwissen näher.

Das Buch besteht aus vier Kapiteln plus Vorwort, Einleitung, Nachwort und Anmerkungsverzeichnis. Diese vier Kapitel lauten „Die Kraft der Liebe“, „Die Freiheit der Liebe“, „Die Schönheit der Liebe“ und „Das Wagnis der Liebe“. Sie sind in mehrere Unterkapitel unterteilt, die jeweils zwischen drei und 34 Seiten lang sind. Zur Veranschaulichung findet man vereinzelt im Buch verteilt ein paar schematische Schwarz-Weiß-Abbildungen und -Fotos.

Rezension

Obwohl er in Frankreich Bestsellerautor ist, hatte ich von Claude Béata nie etwas gehört, bevor ich dieses Buch gelesen habe. Grund dafür ist, dass er in Deutschland ist er meines Wissens nach nur wenig bekannt ist. Und das ist eigentlich schade. Denn Béatas Buch berührt. Und das, obwohl er wissenschaftlich korrekt schreibt. Aber er schafft mit der Verknüpfung von Erlebnissen und anrührenden Beobachtungen von Tieren, die ein sehr altruistisches Verhalten fernab irgendwelcher Instinkte zeigen, mit nüchternen wissenschaftlichen Informationen ein Werk, das besonders auch durch seine Vielfalt und seinen Informationswert bei einem hohen Unterhaltungswert glänzt.

Béatas Interpretationen bauen primär auf wissenschaftliche Studien und Beobachtungen. Das bedeutet, dass all die Informationen, die im Text gegeben werden, Hand und Fuß haben. Andererseits ist der Schreibstil nicht ganz so unterhaltsam.

Auch wenn es neutral und wissenschaftlich relativ korrekt geschrieben ist, ist man als Leser emotional oft stark berührt. Denn man erfährt anhand vieler Situationen, dass in Tieren doch sehr viel mehr steckt als wir Menschen ahnen – und vielleicht auch ahnen wollen. Dem Leser wird im Laufe des Buches klar, dass es im Grunde genommen keinen großen Unterschied zwischen Tier und Mensch, ja, dass Tiere vielleicht wirklich die „besseren Menschen“ sind.
Schade fand ich jedoch, dass die Qualität der Abbildungen oft ziemlich zu wünschen übrig ließ.

Dafür ist die Lektüre aber trotz ihres Umfangs von 331 Textseiten ziemlich leicht und gut transportabel. Ein weiterer Pluspunkt: Das Preis-Leistungsverhältnis – denn ein Buch mit dermaßen viel Inhalt und vielen neuen Erkenntnisse für den Leser bei einem derartig niedrigen Preis gibt es nur selten.

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