Rezension von Annemarie

Inhalt

Riesige Weizenfelder, so weit das Auge reicht. Bilder, die typisch für die Great Plains in den USA sind. Und auch in Deutschland sieht man immer größere Felder, bedingt durch Flurbereinigung, die Zusammenlegung von Betrieben und die Aufgabe kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, die gegen die großen Landwirtschaftsbetriebe finanziell einfach keine Chance haben. Vielfalt? Verschiedene Feldfrüchte auf relativ kleinem Raum? Die Nutzung unterschiedlicher Arten? Fehlanzeige. Nicht nur bei Pflanzen, selbst bei Nutztieren wie Schweinen gibt es mittlerweile nur noch eine oder wenige Arten, die den größten Ertrag – etwa Fleischertrag, Milchertrag, Wolle oder Eier – liefern. Dies hat dramatische Auswirkungen auf die Umwelt, und nicht nur auf diese, sondern langfristig auch auf die Landwirtschaft selber. Die Wahl von nur einer Tierart, einer Pflanze, einer richtigen Art und Weise, zieht sich durch die ganze Gesellschaft, und das seit Jahrhunderten bis tausenden von Jahren. Dabei gab es früher durchaus auch Kulturen, in denen Vielfalt geschätzt wurde, viele unterschiedliche Arten angebaut wurden – und dadurch deutlich nachhaltiger und zukunftweisender gewirtschaftet wurde. Und genau das hat dieser Band zum Inhalt.

Zusammengesetzt ist dieses Werk aus elf Kapiteln, die jeweils nochmals kleinteilig in Unterkapitel untergliedert sind. Der Band ist chronologisch aufgebaut – beginnend mit der Steinzeit über diverse Kulturen in Bronzezeit, Antike etc. und endend mit der Gegenwart – nein, eher der Zukunft, denn das Buch beinhaltet auch einen Ausblick, wie die Geschichte im positiven Sinn weitergehen kann, wenn wir endlich aktiv zur Artenvielfalt im Ackerbau und weiteren Bereichen beitragen, aber auch mit der Prognose, was passiert, wenn wir eben nichts tun und weiter auf Monokultur und generell die Förderung nur weniger einzelner Dinge setzen. Jedes Kapitel wird mit einem kleinen Schwarzweiß-Foto eingeläutet, abgesehen davon enthält der Band keine Abbildungen.

Ein umfassendes Fußnotenverzeichnis mit Quellennachweisen im Anhang sowie Quellenverzeichnis und Bildnachweis schließen den Band ab.

Rezension

Man sollte wissen: In diesem Band wird ein sehr starker Fokus auf die Entwicklungen und die gängige Praxis in der Vergangenheit gelegt. Wie haben sich Ackerbau, Politik, Wirtschaft, der Aufbau der Gesellschaft etc. in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden entwickelt? Herrschte schon immer eine dermaßene Eintönigkeit, eine derartig ausprägte Fokussierung auf Geld, Macht und Einfluss vor? Oder gab es früher vielleicht auch andere Wirtschaftsformen – gerade auch in Bezug auf die Landwirtschaft?

Das ist seine Kernfragen. Und diesen Fragen widmet er sich umfassend. Ich fand es absolut spannend, zu lesen, wie in unterschiedlichen Kulturen früher Ackerbau, Politik etc. betrieben wurde und was es alles für erfolgreiche Methoden gab – schließlich hätten die Kulturen dies sonst nicht so gemacht und vermutlich auch nicht überlebt. Gerade diesen Blick, wie wir unsere Landwirtschaft auch gestalten könnten, was wir alles für Möglichkeiten haben, dass es nicht nur einen Plan A, sondern diverse verschiedene Möglichkeiten gibt, Ackerbau zu betreiben, in einer Gesellschaft zu leben – empfand ich als sehr interessant und bereichernd. Heraus kommt: Wir können sehr gut anders leben – diverse Kulturen vor uns haben dies deutlich gezeigt und bewiesen. Aber wir können auch Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Denn schon früher gab es auch Kulturen oder Maßnahmen innerhalb der jeweiligen Bevölkerung der Natur, durch die ein Teil der Natur, beispielsweise die Böden, sehr effektiv und langfristig zerstört wurden. Die verheerenden Auswirkungen der damaligen Taten, des damaligen Handelns sind ganz gut erforscht und bekannt. Die Frage stellt sich nur: Warum haben wir aus der Vergangenheit so gar nichts gelernt?

Im Endeffekt ist dieser Band also ein ausführliches Kompendium dazu, wie die Menschen früher die Natur behandelt haben. Dazu ist Hurtigs Schreibstil ganz angenehm zu lesen. So schreibt er glücklicherweise ohne allzu viele Fremdwörter und seine Sätze sind gut und flüssig lesbar.

Ich muss aber gestehen, dass ich das Durchlesen des Bandes zwar spannend fand, mich dies oft aber auch ganz schön traurig gemacht hat. Es geht um Naturzerstörung in erheblichem Ausmaß vonseiten der Menschen, zu denen ich ja auch gehöre. Und Hurtig nennt schonungslos Fakten. Etwas schade fand ich zudem, dass er so wenig konkrete Lösungsmöglichkeiten nennt. Ich hätte mir vielleicht einen etwas appellierenden, positiveren Ausblick gewünscht – mit konkreten Handlungsschritten und Maßnahmen, was getan werden muss und kann, und vielleicht auch, welche Maßnahme, welche Art des Ackerbaus denn nun am besten ist. So hätte ich es zusammenfassend toll gefunden, wenn der Band noch ein bisschen praxisnäher gewesen wäre. Und: Ein paar mehr Abbildungen hätten ihm definitiv nicht geschadet.

Fazit

Ein sehr umfassender Band über verschiedene Formen von Ackerbau, Politik, Wirtschaft und Sozialem und der Vergangenheit, der diverse Best-Practice-Arten enthält, von denen man sich in der heutigen Zeit einiges abschauen kann und sollte, aber auch viele Arten und Methoden, die definitiv nicht nachhaltig waren und durch die u.a. die Natur teilweise erheblich ge- und zerstört haben. Allen zu empfehlen, die sich dafür interessieren, wie man aus der Vergangenheit für die heutige Zeit lernen kann und wie Ackerbau und Politik transformiert werden müssen und können, möchte man endlich gegen die massive Umwelt- und Naturzerstörung vorgehen.