Rezension von Annemarie

Inhalt

Das Gaia-Prinzip oder auch die Gaia-Hypothese wurde in den 1970er Jahren von der Mikrobiologin Lynn Margulis und dem Chemiker, Biophysiker und Mediziner James Lovelock entwickelt. Kernthese ist, dass die Erde und Ihre Biosphäre als ein Lebewesen, ein komplexer Organismus, betrachtet werden können. Abgeleitet ist der Begriff Gaia von der Großen Mutter Gaia der griechischen Mythologie. Diese zentrale These wurde bei ihrer Veröffentlichung 1979 kontrovers diskutiert und von den meisten Wissenschaftlern in den Bereich Esoterik verwiesen. Im Laufe der Jahrzehnte ist diese Ansicht aber immer mehr in der Wissenschaft, gerade auch in der Ökologiebewegung, angekommen. Dadurch handelt es sich bei diesem Buch um ein zentrales Werk der Ökologiebewegung.

Anhand verschiedener Beispiele wird verdeutlicht, dass die Erde ebenso wie die Biosphäre kein starres System ist, sondern sich immer wieder verändert und anpasst. Verdeutlicht wird dies zum Beispiel an den Klimaschwankungen – ein hochaktuelles Thema. So hat sich das Klima in den Jahrmillionen, die die Erde nun schon existiert, stark verändert, das Ureis schmolz und das Klima stabilisierte sich relativ. Der menschengemachte Klimawandel destabilisiert dieses natürliche System der Biosphäre. Schon 1979 konnte Lovelock feststellen, dass sich dieses System kurz vor seiner Kapazitätsgrenze befindet – ein Beispiel, das zeigt, wie hochaktuell dieses Werk ist.

Am Anfang wird das Gaia-Prinzip ausführlich erläutert. Aus Modell wird die „Daisyworld“ gewählt, eine fiktionale Erde, dessen häufigste Pflanzenart das Gänseblümchen ist. Mit diesem vereinfachten Modell lassen sich die komplexen Vorgänge der Erde berechnen und leichter darstellen. Es folgt ein Blick in die Geschichte der Erde und warum unsere Erde heute so aussieht. Dabei beschreibt er das komplexe Zusammenspiel insbesondere aus Sicht der Chemiker und sieht das Verhalten der Menschen als besonders problematisch an. Haben in der Vergangenheit immer wieder Katastrophen wie z.B. Meteoriteneinschläge für Veränderungen wie Massensterben gesorgt, so wird dies momentan durch den Menschen verursacht.

Rezension

Die Buchreihe „Bibliothek der Nachhaltigkeit“, aus der auch dieses Buch stammt, will Autoren präsentieren, die als Vordenker ihrer Zeit voraus waren. Dies gelingt mit diesem Buch sehr gut. Mir persönlich war diese Hypothese zuvor nicht bekannt, obwohl ihre Grundgedanken doch inzwischen allgegenwärtig sind. Heute wird keiner mehr daran zweifeln, dass die Natur um uns herum und das gesamte System Erde ein großes Lebewesen ist.

Das Buch macht mit seinem schönen Einband einen hochwertigen Eindruck und ist schön klein und handlich, sodass es sich gerade jetzt im Sommer gut dazu eignet mit in die Natur genommen zu werden. Doch Vorsicht, es ist immer noch ein Fachbuch, das sich zwar gut lesen lässt, aber das einiges an Informationen transportiert. Somit sollte man sich für die Lektüre schon Zeit und Muße nehmen.

Viele der Informationen sind für den heutigen Leser bestimmt nicht neu, welchen Einfluss unsere Lebensweise auf den Planeten hat, kann inzwischen beinahe jeder nicht nur aus den Medien, sondern auch in seiner unmittelbaren Umgebung erfahren. In Bezug auf die Forschung hat sich inzwischen einiges getan, sodass einige der Aussagen aus dem Buch heute nicht mehr 100%ig zutreffend sind. Gerade in der momentanen Situation, in der diese Themen eine größere gesellschaftliche Relevanz bekommen, kann es aber deutlich machen, dass wir vielleicht schon zu lange gewartet haben.

Fazit

Ein interessantes, aber nicht gerade topaktuelles Buch, in der die Gedanken zur Betrachtung der Erde als Organismus erläutert werden. Allen, die den Hintergründen der heutigen Umweltbewegung mit ihren Auffassungen näherkommen wollen, zu empfehlen.