Rezension von Annemarie

Die Alpen. Lange galten sie als unbezwingbar und noch heute ist der Weg über die Alpen ohne motorisiertes Hilfsmittel sehr beschwerlich. Da stellt sich die Frage: Wie sah es eigentlich vor der Erfindung motorisierter Fahrzeuge in den Alpen aus? Wer etwa schaffte es zur Zeit der Antike, die Barriere Alpen zu überwinden oder zu besiedeln? Dieses Buch gibt eine Antwort darauf. Es zeigt, dass die Alpen alles andere als unbesiedelt waren und im Gegenteil enorm viel in den Alpen passierte.

Ralf-Peter Märtin, der 2016 verstorbene Bestsellerautor des Buches „Die Varusschlacht. Rom und die Germanen“, gibt in seinem posthum erschienenen Buch ein Einblick in die anthropogene Besiedlung der Alpen und Reisen über die Alpen zur Zeit der Antike. So ist dieses Werk das letzte, das Märtin verfasst hat. Es besteht aus sechs Kapiteln. Das nach der Einführung erste Kapitel handelt von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur ältesten Feuchtmumie der Welt, Ötzi. Im zweiten Kapitel erzählt Märtin darüber, was in den Alpen während der Bronze- und der Eisenzeit geschah.

Im dritten Kapitel wird Hannibals Feldzug (zur Erinnerung: Das war der, der mit den Elefanten über die Alpen kam) behandelt, im vierten der Zug der germanischen Stämme um 120 v. Chr. über die Alpen. Das fünfte Kapitel erläutert, was die Römer in den Alpen machten und welche Feldzüge und Schlachten sie in den Alpen führten. Im folgenden Kapitel wird näher auf die Alpen zur Zeit der Spätantike und der Völkerwanderung eingegangen. Das siebte und letzte Kapitel handelt schließlich vom Sieg des Christentums in den Alpen. Ein Abschlusskapitel fehlt – nicht verwunderlich, da Märtin leider sein eigener Tod dazwischenkam. Dafür hat das Buch aber ein von seinem Gefährten Christoph Ransmayr verfasstes Nachwort, in dem dieser an seinen Freund erinnert. Einige Schwarz-Weiß-Bilder sowie einige Karten, die im Text verteilt sind, veranschaulichen das Ganze und zeigen die Züge der einzelnen Volksstämme.

Rezension

Märtin hat schon viele Bücher geschrieben. Er hat viel Erfahrung im Schreiben. Und er kann – bzw. konnte – gut schreiben, wie man auch in diesem Buch merkt. Sein Schreibstil ist unterhaltsam, nichtsdestotrotz aber neutral und wissenschaftlich korrekt. Märtin schafft es, die Figuren lebendig werden zu lassen, die Geschichte der Alpen quasi lebendig vor dem inneren Auge auftauchen zu lassen. Und das gefiel mir ziemlich gut.

Eine besondere Note bekommt dieses Buch, wenn man weiß, dass Märtin es geschrieben hat, als er schon todkrank war. Anstatt andere Tätigkeiten zu verrichten, vielleicht sich auszuruhen und die letzte Zeit seines Lebens so gut wie möglich zu genießen, schrieb er an diesem Buch – bis wenige Tage vor seinem Tod. Diese Information steht im Nachwort. Und wenn man dies weiß, kann man vielleicht erahnen, wie wichtig Märtin dieses Buch war und liest das Buch gleich mit ganz anderen Augen. Daher empfehle ich jedem, das Nachwort ganz am Anfang zu lesen.

Was mich aber am meisten gestört hat, ist das Preis-Leistungsverhältnis. Es stimmt, das Buch hat keine schlechte Qualität und ist gebunden, dennoch finde ich 22 Euro für gerade einmal 170 Textseiten einfach zu viel – zumal das Buch eher ein Büchlein ist und in gerade einmal 1 ½ bis 2 Stunden ausgelesen ist.

Fazit

Ein interessantes, informationsreiches Buch über die Alpen in der Antike. Allen zu empfehlen, die am Thema interessiert sind und sich vom hohen Preis nicht abschrecken lassen.

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