Rezension von Annemarie

Die Landflucht schreitet weiter voran – weltweit. Immer mehr Menschen ziehen in die Städte, weil sie dort auf ein besseres, angenehmeres Leben hoffen. Das Leben im Dorf gilt als altmodisch, verstaubt, vielleicht auch ein wenig hinterwäldlerisch. Dabei bieten gerade die Dörfer enorm viel Potenzial. In diesem Werk gibt Ralf Otterpohl, Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der TU Hamburg, nun einen umfassenden Einblick darin, wie man das Dorfleben revolutionieren kann und wie so „neues Dorf“ aussehen kann. Es handelt sich dabei um eine Rückkehr zu den Wurzeln, zur traditionellen Dorfwirtschaft, die gepaart ist mit neuartigen Elementen, sodass eine ganz neue Art Dorf entsteht.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil „Konzept und Grundlagen des Neuen Dorfes“ gibt Otterpohl einführende Informationen, erläutert, warum ein Leben in solchen Dörfern so sinnvoll und nachhaltig ist und gibt Hintergrundinformationen. Im zweiten Teil „Das Neue Dorf in aller Welt“ zeigt der Autor anhand von Erfolgsbeispielen, dass die Realisierung der Neuen Dörfer weltweit möglich ist – und man in einem solchen Dorf ein sehr gut leben kann. Dieser Teil ist im Vergleich zu Teil I & III eher kurz gehalten. In Teil III konkretisiert Otterpohl seine Erläuterungen und gibt genauere Informationen, wie so ein Dorf funktioniert, was berücksichtigt werden muss und wie genau in so einem Dorf gearbeitet und gehandelt wird. Ein Ausblick, Anmerkungsverzeichnis und Sachregister vervollständigen das Ganze.

Der Autor stützt seine Visionen durch viele Beispiele auf der ganzen Welt – darunter vor allem Best-Practice-Beispiele – in denen seine Visionen bereits heute Wirklichkeit sind. Vereinzelt sind einige Schwarz-Weiß-Bilder im Text vorzufinden.

Rezension

Otterpohls Ideen sind einfach und doch gerade deswegen in Kombination revolutionär. Denn sie zeigen, dass ein gutes, angenehmes Leben mit einem hohen Lebensstandard und ein nachhaltiges Leben im Einklang mit der Natur nicht unvereinbar sein müssen. Das Faszinierende ist jedoch an seinen Visionen, dass sie vergleichsweise gut umsetzbar sind. Erstaunlich, dass bislang noch vergleichsweise wenige solcher Dörfer existieren. Damit komme ich auch schon gleich zu meinem größten Kritikpunkt an diesem Werk: Wenn diese Visionen bislang nur selten gelebt werden, muss es auch Nachteile an dem neuen Dorf geben. Nur – der Autor erwähnt diese Nachteile nur am Rande. Für eine wirklich umfassende Erläuterung hätte ich mir eine etwas selbstkritischere Betrachtung gewünscht, in der auch die Nachteile umfassend berücksichtigt werden. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis finde ich suboptimal. Ich finde 20 Euro für gerade einmal 170 Seiten doch etwas viel, auch wenn der Inhalt wirklich gut ist.

Der Schreibstil ist gut zu lesen; die kleinteilige Unterteilung der Überschriften bewirkt, dass man schnell das findet, was man möchte. Das wird noch durch das umfassende Sachregister vereinfacht. So kann man das Buch gut in mehreren Etappen lesen. Zudem bauen die Kapitel nicht aufeinander auf, sodass man auch kreuz und quer lesen kann – oder nur die Kapitel, die einen wirklich interessieren.

Fazit

Ein sehr schönes, optimistisches Werk, in dem erläutert wird, wie man das Leben im Dorf revolutionieren kann, diese nebenbei attraktiver und schöner macht und so weltweit für mehr Produktivität und Nachhaltigkeit sorgt und letztendlich das Leben also für jetzige und zukünftige Genrationen verbessert. Für alle Visionäre, die sich für eine wirklich praktikable, gute und nachhaltige Lösung für viele unserer Probleme interessieren, geeignet.

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