Rezension von Annemarie

Warum liebt der Mensch so, wie er liebt? Dieser Frage kann man sich auf verschiedene Art und Weise nähern. Ein naheliegender Ansatz ist es, das Ganze aus biologischer Sicht zu betrachten. Wie also lieben die Tiere, die eine ähnliche Sozialstruktur haben wie der Mensch – und wie war es überhaupt bei unseren Vorfahren in vorgeschichtlicher Zeit? Diesen Fragen widmet sich Thomas Junker, Professor für Biologiegeschichte.

Nach einem einführenden Kapitel, das „Warnhinweis“ genannt wird, aber im Grunde genommen nichts anderes als eine Einführung in die Thematik darstellt, behandelt der erste Teil die Frage, warum wir Sex haben. Der zweite Teil handelt davon, was wir lieben. Primär geht es dabei um die Überlegung, ob die reine Zweierbeziehung wirklich dem Naturell des Menschen am nächsten kommt.

Andere Beziehungsmodelle wie das der freien Liebe in der Kommune oder das Modell, dass ein Mann mehrere Frauen hat, bzw. dass eine Frau mehrere Männer hat, werden ebenfalls umfassend diskutiert. Der dritte Teil behandelt die Frage, wie man den Richtigen findet. Dabei werden unterschiedliche Eigenschaften, etwa Schönheit, Erfahrung oder Reichtum, genannt und es wird überprüft, inwieweit diese Eigenschaften einen Menschen bzw. ein Tier attraktiv machen und es letztendlich zur erfolgreichen Reproduktion bringen.

Die drei Teile bestehen aus mehreren Kapiteln. Diese sind nochmals in Unterkapitel unterteilt. Am Ende jedes Kapitels steht ein Fazit, in dem der Inhalt des Kapitels kurz zusammengefasst ist. Immer wieder im Text verteilt sind kurze Ausschnitte aus Klassikern wie „Das Parfum“ oder Prosa. Gekonnt werden die von der Liebe handelnden Textausschnitten mit den biologischen Informationen verknüpft. Im Anhang findet man neben drei Tabellen ein Fußnotenverzeichnis und ein Quellenverzeichnis, das, wenn ich mich nicht verzählt habe, sage und schreibe 372 Quellen beinhaltet.

Rezension

Wer erwartet, in diesem Buch, etwas über die kognitive Liebe, also die Liebe, die im Kopf entsteht, zu finden, wird enttäuscht werden. Es geht hier rein um die körperliche Liebe, um Sex, und darum, warum unsere Partnerwahl so ist, wie sie ist. So ist dieses Buch auch primär für biologisch Interessierte geeignet und insbesondere für Menschen, die sich dafür interessieren, warum unser Beziehungsmodell so aussieht, wie es aussieht.

Ich persönlich fand das Buch – obwohl gut recherchiert – leider etwas langatmig. Das Thema ist nun einmal recht speziell. Dennoch geht Junker oft sehr ins Detail. Das Zitieren der verschiedenen Literaturquellen mag auf den einen oder anderen ganz ansprechend wirken, für mich wirkte der Text so aber doch sehr in die Länge gezogen.

Fazit

Wer sich für das menschliche Beziehungsmodell aus biologischer Sicht interessiert, wird mit diesem Buch ein umfangreiches, ganz nett zu lesendes Buch für ruhige Stunden haben; allen anderen ist dieses Buch weniger zu empfehlen.

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