Martin Dreyer: „Volxbibel – Altes und Neues Testament“

Rezension von Stefan Wichmann

„Blasphemie!“, rufen die einen und „Ein Segen“ urteilen die Anderen. Fast könnte einem der Ausspruch „Was kann aus Nazareth Gutes kommen“ in den Sinn kommen, wenn man bedenkt, dass dieses Werk auch aus einer Gemeinschaftsaktion des Autoren und der Internetgemeinde stammt und somit nicht unbedingt von Theologen, denn welchen Texten aus dem Internet kann man schon vertrauen? Was also ist dran an diesem Buch?

Die Bibel gilt als ‚Gottes Wort‘ und ist somit eine heilige Schrift, eben im Jahre 367 aus den wichtigsten Schriften vom Kirchenvater Athanasius respektive kurz darauf von Hieronymus zusammengefasst. (Q1) Sie ist für manch Gläubigen Anleitung und Ratgeber. Die Auslegung ihrer Texte vermochte sogar, schärfste Auseinandersetzungen bis hin zu Kriegen zu begründen! Und wer an der Bibel wirkt, sollte zuerst aus das Ende schauen, denn in der Offenbarung wird unter Androhung von Strafe gewarnt, kein Wort hinzuzufügen oder wegzulassen.

Inhalt und Aufteilung des Buches

volxbibel dreyerBei der Bibel sollte man meinen die Aufteilung sei seit Jahrhunderten festgelegt, doch je nach Standpunkt der orthodoxen, römisch-katholischen und protestantischen Kirchen sind Schriften in der Bibel enthalten oder verworfen. Die Volxbibel stützt sich auf das Alte und das Neue Testament gemäß der Lutherbibel von 1534 und enthält entsprechend nicht Apokryphische Texte, wie sie in der römisch-katolischen Vulgate (Trient 1546) oder dem orthodoxen Alten Testament gemäß der Synode von Jerusalem (1672)  jeweils einflossen. Von daher enthält sie die fünf Bücher Moses, die Geschichtsbücher, Lehrbücher und prophetischen Bücher. Das Neue Testament enthält wie die Lutherbibel die Geschichtsbücher, Lehrbücher und das prophetische Buch.

Das Buch liegt in verschiedenen Coverversionen und in gebundener oder broschierter Version aber auch als eBook vor, wobei das Alte oder das Neue Testament oder eben auch Beides in einem Buch vereint erhältlich ist. Die Schrift ist, wie bei Bibeln und Büchern mit hoher Seitenanzahl oft gesehen, etwas klein geraten. Abhilfe schafft hier die Hörbuchversion.

Stil

Der Stil unterscheidet sich so grundlegend von anderen, dass ein verwunderter Blick auf den Buchtitel notwendig wird. Er ist bei dem ernstlichen Hintergrund des Themas doch etwas ungewöhnlich, schließlich geht um um Gottes Wort! Doch bei der Zielsetzung dieses wichtige Buch all denen nahe zu führen, die sich dem Inhalt ohne Theologiestudium und Zusatzbuch erschließen wollen, ist die anfängliche Skepsis schnell beiseite getan. Schnell stellt sich die Erkenntnis ein, dieses Buch ernst zu nehmen.

Umfang

Bei diesem Buch ist die Seitenzahl bereits durch das Thema vorgegeben. Ein Nachschlagen in meiner Lutherbibel von 1912 ergab bis zum letzten Satz der Offenbarung 1529 Seiten, wobei die Volxbibel in etwas größerer Schrift gedruckt ist.

Qualität

Der Text ist sehr flüssig zu lesen, gut zu verstehen und durch die Erläuterungen im Anhang sinnvoll aufbereitet. Wo in der Lutherausgabe von 1912 noch von Kobolden die Rede ist, und in einer Textbibel von 1899 sogar Lilith Erwähnung findet, zeugt die Volxbibel lediglich von dunklen Geistern. Jedoch sei hier angemerkt, dass Lilith auch in der Lutherbibel von 1912 wohl letztmalig in Jesaja 34,14 genannt war und auch andere neuere Bibelübersetzungen keinen Hinweis mehr auf diese angeblich erste Frau Adams aufweisen. Wer hier forschen möchte, braucht neben entsprechendem Fachwissen zur richtigen Bewertung definitiv eine Bibelübersetzung, die sich sehr nah am Originaltext orientiert.

Für häufiges Nachschlagen scheinen die Buchseiten zudem derart dünn, dass ein Umblättern automatisch mit spitzen Fingern erfolgt. Die Schrift der Folgeseite schimmert entsprechend leicht durch, was der Lesbarkeit jedoch keinen Abbruch tut.

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an alle, denen bisherige Bibelübersetzungen zu staubig und angesetzt waren. Selbst gegenüber der im aktuellen Deutsch vorliegenden Bibel „Neues Leben“ findet der Rezensent die Übersetzung der Volxbibel noch einfacher und eindeutiger zu lesen.

Die Buchseiten stehen leider innen, sodass ein gezieltes Aufschlagen anhand des Inhaltsverzeichnisses erschwert wird. Sicherlich werden bibelkundige das Inhaltsverzeichnis auswendig kennen, doch dieses Werk ist eher für Bibelunkundige geschrieben, was auch der Anhang beweist, der Hinweise auf andere Bibelübersetzungen und deren Vorzüge aufweist.
Fazit

Erinnert sei an Luther, der „dem Volk aufs Maul schaute“ und die Bibel erstmals in deutscher Sprache der Allgemeinheit zur Verfügung stellte. So erfuhr die Bibel als heiliges Buch mittlerweile verschiedenste Übersetzungen. Viele davon sind online einsehbar und erlauben somit einen Vergleich zum vertiefenden Studium oder direktem Vergleich (Q2). Manche erheben den Anspruch sich möglichst an den Originaltext zu halten, andere präferieren die Lesbarkeit. Das vorliegende Werk hat den Anspruch verständlich zu sein. Diesen Spagat zwischen Lesbarkeit und Sinntreue galt es zu untersuchen und um es kurz zu sagen: Dem Autor ist es gelungen!

Titel: Die Volxbibel – Altes und Neues Testament
Autor: Martin Dreyer
Verlag: Pattloch Verlag GmbH & Co. KG, München
Verlag: Volxbibel Verlag im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten
Auflage: 1. Aufl. (15. Oktober 2014)
Sprache: Deutsch
Umfang: 2208 Seiten
auch als eBook und als Hörbuch verfügbar!
ISBN-13: 978-3940041203, Volxbibel Verlag

Quellenangabe

Q1: http://www.theologe.de/theologe14.htm#Auftrag
Q2: http://de.bibleserver.com, http://bibeltext.com

Autoreninformation

Stefan Wichmann liebt es Rezensionen zu Software, Hardware und halt zu Büchern zu schreiben und veröffentlicht seit Neuestem sporadisch auf seiner Webseite fortführend eine seiner Kurzgeschichten. Er veröffentlichte unter anderen den historischen Roman Jerobeam.