Tanya Lieske: Sommernachtstraum

Rezension von Christina

Der junge Englischlehrer Ben Zimmermann möchte mit seiner Klasse 9c Shakespears „A midsummer night`s dream“ anlässlich der 725 Jahrfeier der Schule einüben und aufführen. Ähnlich wie in Shakespears Stück, verwickeln sich auch die Schüler in verschiedenen Liebeleien und selbst die Eltern und Lehrer verstricken sich im Netz der Beziehungen und der Herausforderungen des Lebens. So nimmt das Chaos seinen Lauf.

Rezension

Ben Zimmermann ist ein Lehrer, wie man ihn sich wünscht. Ein Lehrer, der die Schüler seiner Klasse wirklich wahrnimmt und auch ihre Stärken und Schwächen erkennt. Er verteilt die Rollen für Shakespears Sommernachtstraum entsprechend der Charaktereigenschaften seiner Schüler und bringt ihnen und auch den Lesern mit einfachen Worten das Stück und die Gedanken und Gefühle der Figuren sehr gekonnt nahe. Zunächst sind die Schüler nicht alle mit Begeisterung an den Proben beteiligt, doch bald entdecken sie die Parallelen zwischen ihren Rollen und ihrem Leben.

Die gesamte Handlung des Romans wird von Shakespears Oberon in Fußnoten kommentiert. Das ist zwar an sich eine sehr schöne Idee, da sich so die Figur des Oberons selbst etwas dem Leser gegenüber darstellen kann, ohne nur immer beschrieben werden zu müssen, andererseits empfand ich die Fußnoten im Laufe des Lesens eher störend, da der Lesefluss ständig unterbrochen wird.
Das Leben vieler Schüler der 9c ist nicht gerade einfach. Sie versuchen sich unter den Mitschülern zu behaupten und das ist vor allem für die Schüler, deren Eltern nicht so wohlhabend sind, gar nicht so leicht.

Gleichzeitig ist es für die Schüler die Zeit der ersten Liebe und als ob damit nicht schon genügend Verunsicherungen vorprogrammiert sind, müssen sie ihr Leben in harten äußeren Konstellationen meistern. Alkoholsucht der Eltern, Scheidung, Vernachlässigung und Drogen – alles ist vertreten. Aber auch für den Lehrer Ben ist das Leben nicht einfach. Während seine Ehefrau fremdgeht, muss er sich mit der Diagnose der Impotenz auseinander setzen. Für meinen Geschmack sind hier deutlich zu viele Probleme mit einem Mal angerissen worden, so dass alle sehr hübsch oberflächlich behandelt werden.

Den komplexen harten und doch so verschiedenen äußeren Umständen, in denen die handelnden Personen sich beweisen müssen, steht ein sehr einfacher Schreibstil gegenüber, der für meinen Geschmack zu jung gehalten ist. Man liest sich zwar im Laufe des Buches immer mehr ein, aber gerade am Anfang stören die vielen kurzen Sätze doch eher. Da die Autorin selbst Kurse für Kreatives Schreiben gibt und auch als Journalistin tätig ist, gehe ich davon aus, dass dieser Schreibstil bewusst gewählt wurde, für mich hätte jedoch eine etwas komplexere Sprache besser gepasst.

Fazit

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an dieses Buch, da ich das Thema durchaus interessant finde. Shakespears Sommernachtstraum in die aktuelle Zeit übertragen und aufgearbeitet für junge Leute zu präsentieren, ist jedoch auch eine ordentliche Herausforderung, der die Autorin für meinen Geschmack nicht wirklich gerecht geworden ist. Einerseits ist der Schreibstil mit den übermäßig vielen kurzen Sätzen, sehr jung, andererseits müssen die Schüler sich mit sehr komplexen Alltagsproblemen auseinandersetzen.

Die Probleme sind überaus vielschichtig und man wird von ihrer Menge eher erschlagen, als das die Lösungen am Ende wirklich glaubwürdig erscheinen. Gut gelungen sind die Erklärungen des Lehrers zum Sommernachtstraum und den einzelnen Figuren selbst. Auch die Auseinandersetzungen der Schüler mit ihren Rollen sind sehr authentisch und bringen dem Leser Shakespears Stück sehr nah, so dass das eigentliche Ziel dieses Buches an sich gelungen ist. Für mich durch diese Unausgewogenheit 3 von 5 möglichen Punkten.