Edward Lee & Elizabeth Steffen: Porträt der Psychopathin als junge Frau

Rezension von Sebastian

Man nehme eine junge Frau, die Kolumnen für eine Frauenzeitschrift schreibt und als Kind von ihrem Onkel auf übelste Art und Weise jahrelang missbraucht wurde, einen Mann, der in ihr seit langem verloren geglaubte Gefühle weckt, den Onkel, der in diesen Tagen frisch aus der Haft entlassen wird und dazu eine perverse und skrupellose Psychopathin, die sich durch grausamste Folterungen an der Männerwelt rächt – fertig ist der verstörende und zeitweise nachdenklich stimmende Horrorthriller „Porträt der Psychopathin als junge Frau“ von Horror-Kultautor Edward Lee gemeinsam mit Elizabeth Steffen.

Kathleen Shade arbeitet für eine Frauenzeitschrift und ist durch ihre eigene Kolumne regional durchaus bekannt und bei den Lesern begehrt. Ihre eigene Vergangenheit holt sie nach und nach wieder ein, angefangen mit der Tatsache, dass sie eines Tages ein Päckchen mit einem abgetrennten Penis zugesendet bekommt. Dazu erreichen sie immer wieder Briefe einer Serienmörderin, die mit aller Macht möchte, dass ihre Geschichte und die detaillierten Beschreibungen der von ihr durchgeführten Morde in der Kolumne von Kathleen Shade auftauchen. Anfangs angewidert, ist Kathleen im Laufe der Zeit fast ein wenig fasziniert von den Briefen, die sie von der unbekannten Serienkillerin erhält.

Und dann kommt auch noch Maxwell ins Spiel, ein Dichter, der sich unsterblich in Kathleen verliebt. Als die Dinge immer mehr Fahrt aufnehmen und die Killerin immer tiefer in das Privatleben von Kathleen und Maxwell eindringt, dazu Kathleens Onkel, der sie jahrelang missbraucht hat, aus dem Knast entlassen wird, gleicht Kathleens Leben einem einzigen Chaos. Als Kathleen bemerkt, dass nicht nur sie sich in größter Gefahr befindet, sondern die Killerin sie darüber hinaus auch noch sehr gut zu kennen scheint, bricht eine Welt über und in ihr zusammen.

Porträt der Psychopathin als junge Frau – ein selbst für Fans von Horrorautor Edward Lee teils sehr verstörender, brutaler Horrorthriller, dessen Story erst langsam in Fahrt kommt und am Ende in einem furios – perversen Finale endet. Ich habe mich anfangs überhaupt nicht in die einzelnen Charaktere hineinversetzen können, vielleicht auch, weil ich lange keinen echten Edward Lee mehr gelesen hatte.

Erst nach und nach baut der Leser in diesem „Roman“ eine Art Verbindung zu Kathleen Shade auf und bekommt tiefe Einblicke in ihr Seelenleben und ihre Vergangenheit. Die Briefe, die sie von der Serienkillerin nach und nach erhält, sind mehr als nur schwere Kost. Hat man Edward Lee zuvor noch nie gelesen, kann man einzelne Passagen nur durch ein schnelles „drüber hinweg lesen“ ertragen. Grausame Foltermethoden, perverse Rachegedanken und verstörende Gedankengänge der psychopathischen Killerin sind hierbei an der Tagesordnung. Gut gelungen ist in diesem Buch die Verbindung zwischen Kathleen Shade und Jeffrey Spence, dem in diesem Fall ermittelnden Polizeibeamten.

Beide scheinen vom jeweils anderen andauernd provoziert und herausgefordert zu werden, geben sich unmissverständlich ihre gegenseitige Abneigung zu verstehen, spüren aber dennoch, dass sie beide das gleiche Ziel verfolgen und der jeweils andere es eigentlich nie böse meint.

Die im Buch beschriebenen Taten des aus der Haft entlassenen Onkels von Kathleen lassen den Leser fassungslos und angewidert zurück und schüren die Abneigung gegen diesen Charakter. Die zum Teil etwas langatmige Story und die extreme Brutalität und Perversität in diesem Buch münden in einem durchaus sehr spannenden und gut gelungenen Ende, das den Leser teilweise zufriedenstellt und auf den letzten Seiten nicht mehr loslässt.

Wer es durchaus extrem mag und von den normalen Thrillern auf Extremhorror umsatteln möchte, dem sei dieses Buch aufs Wärmste empfohlen. Zartbesaitete Menschen, die Edward Lee noch nie zuvor gelesen haben, werden wohl recht schnell die Seiten zuklappen.

Fazit

Anfangs schleppend, durchgängig pervers, am Ende ein durchaus spannendes „Herzschlagfinale“ – das ist das „Porträt der Psychopathin als junge Frau“ von Edward Lee und Elizabeth Steffen.

Bewertung (1 – 5)

Spannung: 3,5
Cover: 5
Figuren: 2,5
Logische Struktur: 2,5
Überraschende Wendungen: 2
Gefühl: 3
Nachhaltigkeit: 4
Schreibstil: 2,5
Einzigartigkeit: 4

GESAMTBEWERTUNG: 3,2 von 5

Kurzgeschichten vom Rezensenten sind hier zu finden  > http://www.bookrix.de/-sekkon/