Daniel Böcking: Ein bisschen Glauben gibt es nicht

Rezension von Annemarie

Ich glaube an Gott. Wer sagt das heute schon noch? Glauben ist unmodern geworden. Es hat etwas Altes und Verstaubtes an sich und wird vor allem mit Einschränkungen im täglichen Leben assoziiert.

Dabei kann Glauben einem unheimlich viel schenken, so der Autor dieses Buches, Daniel Böcking. Der Glaube an Gott verleiht einem Sinn, innere Ruhe und hilft einem schlussendlich auf dem Weg zu einem glücklicheren Leben. In diesem Werk erzählt der langjährige Bild-Redakteur nun vom Glück, gläubig zu sein und was Glaube für ihn ausmacht.

Er erläutert – ausgehend von seiner Kindheit, wie sich der Glaube in ihm entwickelt hat und was sich dadurch für ihn verändert hat. Dabei erzählt er von beruflichen Einsätzen etwa seiner Hilfsaktion nach dem Erdbeben in Haiti oder der Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg, bei der er schon kurz nach dem Unglück vor Ort war. Er berichtet, wie er diese Katastrophen wahrgenommen hat und was sie in ihm ausgelöst haben.

Daneben erzählt er aber auch von privaten Freizeitvergnügungen, etwa einer Sauftour nach Mallorca. Und erläutert den langen, nicht immer einfachen und teilweise auch ziemlich ungewöhnlichen Weg – vorbei an Kirchenaufenthalten, interessanten Gesprächen, Selbstbestrafungen und vielem mehr – bis er schließlich zu dem Glauben gefunden hat, mit dem er glücklich ist. Schlussendlich erfährt der Leser auch, was Böckings Glaube bei seiner Familie bewirkt hat. Am Ende des Buches hat Böcking eine Liste erstellt, in der er die Gebote erweitert und konkretisiert hat. Er schreibt – untergliedert in unterschiedliche Bereiche, wie „zu Prüfung und Leid“ oder „Glaube und Tat“ – stichpunktartig, was die Bibel seiner Ansicht nach für Empfehlungen dazu gibt.

Rezension

Bücher über Gott und Jesus gibt es zuhauf. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Wirklich viel Neues bieten sie einem nicht, sondern liefern einem meistens nur den typischen Einheitsbrei. Warum habe ich dann dieses Buch gelesen? Nun – dieses Buch hat eine hervorstechende Besonderheit: Es ist von einem langjährigen Bild-Redakteur verfasst! Also alles andere als dem laut Klischee typischen Gläubigen. Dies hat mein Interesse geweckt.

Und so sind die Überschriften auch – nun ja – ungewöhnlich. Von „Kirchen-Hopping“ über „Schatz, wir müssen reden!“ bis hin zu „Rumms! Gott da!“ findet man so einige eher untypische Kapitelüberschriften. So ist dieses Buch auch sehr locker und frisch geschrieben und besonders für jüngere Menschen, die wie der Autor mitten im Leben stehen, vielleicht auch gerne das Leben genießen, Partys feiern und abends gerne mal was trinken gehen, geeignet. Das bedeutet aber auch, dass Menschen, denen dieser Stil nicht gefällt, Böckings Buch eher nicht lesen sollten.

Auch Personen, die mit Bibelzitaten nichts anfangen können und eher ungebunden von der Bibel an Gott glauben wollen, sollten sich eine andere Lektüre zurate ziehen.

Allen anderen – vor allem Jungen und jung Gebliebenen, die gerne näher zum Glauben finden wollen oder einfach das Gefühl haben, dass ihnen etwas Wichtiges im Leben fehlt, kann dieses Buch jedoch sehr nützlich sein. Ich empfehle, bevor man das Buch kauft, erst einmal reinzulesen, um herauszufinden, ob einem der Schreibstil gefällt oder nicht.

Mir ist nach der Lektüre dieses Werkes nun klar: Glaube kann absolut modern sein. Wer glaubt, muss nicht in alten verstaubten Kirchenstühlen hocken, tagein, tagaus die Bibel lesen und ständig mit der moralischen Peitsche schlagen, sondern kann Partys feiern und in der Mitte der Gesellschaft leben. Und diese Erkenntnis ist wichtig.

Fazit

Für alle, die gerne gläubig wären oder auf dem Weg zum Glauben sind, ein interessanter und leicht zu lesender Erfahrungsbericht. Besonders jüngeren Personen zu empfehlen.