Maria von Welser: Wo Frauen nichts wert sind

Rezension von Annemarie

Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer. Sie sind genauso viel wert wie diese und können selbst über ihr Leben entscheiden. Leider ist dies in vielen Ländern der Welt nicht der Fall. Das weiß man theoretisch. Doch die Wirklichkeit, das hautnahe Miterleben des Leids ist oft noch erschütternder. Maria von Welser hat sich auf die Reise nach Afghanistan, Indien und in den Kongo begeben, um mit den verschiedenen Frauen zu sprechen und über ihr Leben, ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen zu erfahren.

Herausgekommen ist ein Buch, welches enorm sensibel und einfühlsam über die Frauen auf der Welt informiert. Nach Staat unterteilt erzählt von Welser über ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen mit den Frauen in den unterschiedlichen Ländern. Dabei wird auch die Geschichte, die Vergangenheit des jeweiligen Staates angesprochen.

Die ersten drei Überkapitel behandeln die Länder Afghanistan, Indien und den Kongo, das vierte, kürzere, befasst sich mit der Genitalverstümmelung und das fünfte – ebenfalls vergleichsweise kurze – befasst sich mit den Massenvergewaltigungen in Bosnien während des Balkankrieges. Abgerundet wird das Ganze durch ein Präludium und einen Epilog sowie ein paar Schlussgedanken am Ende des Buches.

Doch nicht nur das Leid, auch die Hoffnungen und Hoffnungsschimmer greift von Welser auf. In den Text integriert werden unter der Überschrift „Starke Stimmen“ immer wieder einige mutige Frauen vorgestellt, die ihre Stimme gegen das Leid das Leid der Frauen erheben und ungeachtet der widrigen Umstände aktiv geworden sind. Mehrere Seiten mit Farbfotos runden das Ganze ab.

Rezension

Dieses Buch ist enorm berührend. Obwohl das Leid und das Elend, was von Welser beschreibt, teilweise sehr erschreckend ist, hat doch die Autorin einen aus meiner Sicht sehr schönen Schreibstil. Sie nähert sich der Kultur und den Menschen enorm einfühlsam und vorurteilsfrei und kommt den Frauen dadurch zum Teil sehr nahe. Ihr Ziel ist es nicht, schonungslos die Realität zu erfassen und möglichst viele Informationen zu erfassen – sie versucht, die Frauen der Welt zu verstehen und ihnen eine Stimme zu geben.

Von Welser geht es auch nicht darum, die Situation der Frauen weltweit zu erfassen, sie beschränkt sich auf drei Länder, die sie besucht. Aus diesen berichtet sie aber dafür umso ausführlicher. Immer wieder erzählt sie von Einzelschicksale, die aber häufig repräsentativ für das Leben und Leiden vieler Frauen in dem jeweiligen Land sind.

So ist dieses Buch in seiner Sensibilität und Einfühlsamkeit fast romanartig zu lesen. Gerade durch diesen besonderen Schreibstil berühren die Frauenschicksale aber den Leser.

All dies bedeutet aber auch, dass das Buch nicht objektiv die Situation der Frauen in den unterschiedlichen Ländern erfasst. Wer also eine Lektüre sucht, in der ein umfassender und vollständiger, objektiver Überblick über die Situation der Frauen in verschiedenen Ländern der Welt gegeben wird, ist mit diesem Buch falsch beraten.

Fazit

Ein unheimlich berührendes und einfühlsam geschriebenes, topaktuelles Buch, das niemanden, der auch nur einen Funken an Empathie besitzt, kalt lässt. Für alle, die sich für das Leben der Frauen weltweit interessieren, ausgesprochen lesenswert.