Val McDermid: Anatomie des Verbrechens. Meilensteine der Forensik

Rezension von Annemarie

bestseller verbrechenDieses Buch behandelt die Geschichte der Verbrechensaufklärung. Anhand von real geschehenen Fallbeispielen erläutert McDermid die verschiedenen Methoden, die die Gerichtsmediziner zur Aufklärung von ungeklärten Fällen verwenden. Die Methoden werden kritisch betrachtet; auch Fehler und Justizirrtümer in diesem Zusammenhang kommen zur Sprache. Unter den Fällen sind bekannte Taten ebenso wie der Öffentlichkeit zumeist kaum bekannte, eindeutige Morde ebenso wie Unglücke, sowie Taten bei denen nie aufgeklärt wurde, ob sie als Unglück oder als Verbrachen zu werten sind.

Bei einigen wurden die Leichen der Opfer nie gefunden, der mutmaßliche Täter aber dennoch verurteilt, bei anderen ist die Leiche vorhanden, aber ein Täter wird nie gefunden. So bunt wie die unterschiedlichen Tragödien sind, so bunt und unterschiedlich sind auch die Methoden, mit denen in der Geschichte versucht wurde und versucht wird, die Verbrechen aufzuklären. Dabei ziehen sich die Fälle durch die Geschichte. Von Verbrechen, die schon zur Zeit der Aufklärung aufgeklärt wurden, bis hin zu Verbrechen, die erst im Jahr 2014 stattfanden, war alles dabei.

Auch die Orte, an denen die Verbrechen stattfanden, unterschieden sich. Von China über die USA, Irland, Großbritannien und Deutschland bis hin zu Spanien sind viele Länder dabei.

Die Autorin ist eine bekannte und vielfach ausgezeichnete Verfasserin von Kriminalromanen und Thrillern. Während sie sonst fiktive Fälle schreibt, widmet sich McDermid diesmal den wirklich geschehenen Fällen. Immer wieder sind Schwarz-Weiß-Fotos von Tätern, Opfern und Tatorten im Text zu finden. In der Mitte des Buches sind acht Seiten mit Farbfotos eingefügt.

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt, die die unterschiedlichen Methoden der Verbrechensaufklärung behandeln – von den Fingerabdrücken über Toxikologie, Pathologie und Entomologie bis hin zu Forensischen Psychologie. Die einzelnen Analysemethoden werden genau und ausführlich erläutert und deren Entdecker vorgestellt.

Rezension

Ich ging mit einigen Erwartungen an dieses Buch heran. Die Vorstellung eines wohligen Schauers in der Magengrube, vieler Fallbeispiele und vor allem die Aufklärung wahrer Verbrechen reizten mich. Und – ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht. Das Buch ist geprägt von spannenden und teilweise auch ziemlich grausamen Verbrechen und Unglücken, die sachlich erläutert werden, ohne allzu dramatisch zu werden. So konnte ich kaum mehr aufhören zu lesen. Da trifft es sich gut, dass das Buch mehr als 350 Seiten hat.

Das Spannende an diesem Buch ist im Grunde genommen die Verknüpfung Sachbuch – Krimi. Daraus ist ein doch sehr bemerkenswertes Werk entstanden, wie ich es bislang noch nie gesehen habe.

Etwas skurril sind die lebensgroßen und -echten Bilder von Fliegen, von denen je Doppelseite eine am Seitenrand vorzufinden ist. Die erste dicke Fliege hielt ich für echt und erschrak ziemlich, im Laufe des Buches gewöhnte ich mich aber daran. Denn der Inhalt ist trotz der sachlichen Darstellung dermaßen spannend, die Erzählungen der Unglücke bzw. Verbrechen dermaßen ausführlich und fesselnd, dass solche kleinen Ablenkungen schnell ausgeblendet werden. Man merkt deutlich, dass McDermid das Schreiben von Thrillern und Krimis im Blut liegt.

Mein Fazit

Ein spannendes, leicht schauriges und zugleich sehr informatives Buch, das auch für Krimifans toll geeignet ist.